Am 24. Februar 2022 brach in der Ukraine Krieg aus. Russland ist in sein Nachbarland einmarschiert. Diese Chronik fasst die wichtigsten Geschehnisse zusammen.
Ukraine Krieg
Der Ukraine Krieg dauert an. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 24. Februar 2022 begann der Krieg in der Ukraine.
  • Russland startete eine Invasion in sein Nachbarland.
  • Ganz Europa spürt die Folgen des Konflikts.

Seit dem 24. Februar 2022 herrscht in der Ukraine Krieg. Russland hat eine Invasion in sein Nachbarland gestartet.

Ukraine Krieg ab Februar

Seit Jahren kriselt es bereits zwischen Russland und der Ukraine. Im Februar 2022 gibt es dann deutliche Anzeichen für eine russische Invasion: Russische Truppen versammeln sich an der Grenze zur Ukraine. Separatisten um Donezk und Luhansk greifen vermehrt zu Gewalt.

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Die Karte zeigt die grössten Städte der Ukraine und welche Gebiete vor dem Ukraine Krieg von Separatisten besetzt waren. - Keystone-SDA (Quelle: APA)

Am 19. Februar warnt Nato-Chef Jens Stoltenberg, dass Russland bereits einen «vollständigen Angriff» auf die Ukraine geplant hat. Auch Joe Biden geht von einem bevorstehenden Krieg aus.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt schliesslich in einer Fernsehansprache am 24. Februar 2022, dass er mittels einer «Spezialoperation» die Ukraine «Entmilitarisieren» und «Entnazifizieren» will. In dieser Kriegserklärung warnt er andere Staaten davor, sich einzumischen.

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Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte der Ukraine in einer Fernsehübertragung den Krieg. - dpa-infocom GmbH

Im Anschluss an die Rede beginnt eine Invasion. Russische Truppen überqueren die Landesgrenzen im Norden und im Osten der Ukraine. Auch von der annektierten Halbinsel Krim dringen Soldaten ins Land ein. Im ganzen Land werden systematisch militärische Ziele bombardiert.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ruft das Kriegsrecht aus und fordert eine Generalmobilmachung. Er bittet den Westen um militärische Hilfe.

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. - Keystone

In den folgenden Tagen beschliesst die EU während Krisensitzungen umfangreiche Sanktionen gegen Russland. Die Nato aktiviert Verteidigungspläne um präventiv Truppen zu mobilisieren. Da die Ukraine aber kein Mitglied der beiden Bündnisse ist, werden direkte Hilfeleistungen zunächst ausgeschlossen. Die Ukraine stellt aber einen Beitrittsantrag an die EU.

Russland rückt an Städte heran

In kürzester Zeit verlassen hunderttausende Menschen die Ukraine. Weltweit kommt es zu Protesten gegen den Angriffskrieg. «Helft der Ukraine» oder «Stoppt Putin» wird ausgerufen. Bürgerrechtler berichten von über eintausend Festnahmen von Demonstranten in Russland selbst.

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Zahlreiche Demonstranten protestierten in Moskau gegen die Invasion. Viele wurden festgenommen. - Keystone

Die russischen Truppen dringen noch im Februar an mehrere ukrainische Städte heran. Rund um und in den Städten Kiew, Charkiw, Mariupol und Tschernihiw wird von Kämpfen und Bombardierungen berichtet.

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Russland bombardierte die grössten Städte der Ukraine. - Keystone

Währenddessen fällt der russische Rubel um mehr als 40 Prozent seines Werts. Die wirtschaftlichen Sanktionen des Westens beginnen zu greifen. Die EU beschliesst noch vor dem Monatsende, Waffenlieferungen an die Ukraine mitzufinanzieren. Erste Friedensgespräche zwischen Moskau und Kiew werden an der ukrainischen Grenze zu Belarus geführt – weitere Gespräche werden geplant.

März

Als sich der Krieg in den März zieht, wird der Welt bewusst, dass der von Russland geplante «Blitzkrieg» gescheitert ist. Der Konflikt wird länger als nur ein paar Tage dauern. Russland ist ein Vormarsch an ukrainische Grossstädte gelungen – deren Einnahme blieb der Grossmacht jedoch vielerorts verwehrt. Auch ein Regierungssturz gelingt den Invasoren nicht.

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Millionen von Menschen flüchteten aus der Ukraine und suchten Unterschlupf in Nachbarländern wie Polen. - Keystone

Millionen von Menschen versuchen inzwischen, aus der Ukraine zu flüchten. Es gilt als die grösste Flüchtlingswelle seit dem letzten Weltkrieg. Eine erste Resolution der UN gegen den Angriff Russlands kommt zustande, der Westen liefert Waffen in die Ukraine. Erste Untersuchungen werden eingeleitet, um gerichtliche Verfahren gegen russische Kriegsverbrechen zu starten.

Russland erlässt derweil ein neues Mediengesetz. Russland verbietet es zu sagen, dass in der Ukraine Krieg herrscht. Es handle sich um eine «militärische Spezialoperation» Putins.

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Feuerwehrleute, Zivilisten und ein Rettungswagen stehen ausserhalb eines bombardierten Spitals in der Ukraine. - Keystone

Im März steigt die geschätzte Zahl der ukrainischen Flüchtlinge auf vier Millionen. Das Land beklagt unzählige zivile Opfer und in den belagerten Städten bahnt sich eine humanitäre Krise an. Wohngebiete, Spitäler und Schulen werden bombardiert.

Mehr als ein Monat ist seit dem Kriegsbeginn vergangen. Nun pfeift Russland die Truppen im Norden zurück – Kiew konnte nicht eingenommen werden.

April

Stattdessen fokussiert sich Putin auf die östliche Front. Die Separatistengebiete im Donbass, welche mehrfach als Grund für den Krieg genannt wurden, sollen «befreit» werden. Mit einer Offensive dringen russische Truppen weit ins Landesinnere.

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Arbeiter heben in Butscha ein Massengrab aus, in welchem rund 400 ukrainische Zivilisten begraben wurden. - Keystone

Der Rückzug im Norden bringt düstere Tatsachen ans Tageslicht. Es werden Massengräber für tausende ukrainische Zivilisten entdeckt, beispielsweise in Butscha bei Kiew. Die Leichenfunde, wie sie es auch im südlichen Mariupol gab, führten zu noch mehr Sanktionen aus dem Westen.

Bisher wurde hauptsächlich defensives Kriegsmaterial vom Westen in die Ukraine geliefert. Das soll sich ändern. Insbesondere die USA beginnt mit der Lieferung von schweren, offensiven Waffen, Panzerfahrzeugen und Artilleriegeschützen.

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Die USA beliefert die Ukraine mit Waffen und anderem Kriegsmaterial. - Keystone

Bis Ende April dringt Russland im Süden der Ukraine bis Cherson vor. Der Donbass gehört nun zu grossen Teilen Moskau. Die Hafenstadt Odessa wird als nächstes Ziel genannt.

Mai

Im Mai setzt die Ukraine zur Gegenoffensive an. Um Charkiw werden Teile der Region zurückerobert. Beinahe sechs Millionen Menschen sind aus dem angegriffenen Land bisher geflüchtet.

Die lange umkämpfte Hafenstadt Mariupol fällt am 18. Mai 2022. Mehrere hundert Soldaten und Zivilisten verschanzten sich bis zuletzt in einem Stahlwerk. Es war aber eine Evakuierung möglich.

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Ukrainische Soldaten patrouillieren im belagerten Stahlwerk bei Mariupol. - Keystone

Mitte Mai reichen sowohl Finnland als auch Schweden ihren Antrag zum Nato-Beitritt ein. Putin bezeichnet diesen politischen Schritt als einen Fehler. Es gäbe keine Gefahr für die beiden skandinavischen Länder.

Währenddessen beschliesst die USA, ihre Hilfsmittel auszuweiten. 40 Milliarden US-Dollar an Kriegsmaschinerie und humanitären Gütern werden der Ukraine gutgeschrieben.

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Ein Konvoi ukrainischer Panzerfahrzeuge fährt der Strasse entlang. - Keystone

Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland werden ausgesetzt. Wladimir Putin sieht Wolodymyr Selenskyj im Zugzwang. Die Hoffnung, auf diesem Weg ein baldiges Ende des Kriegs herbeizuführen, schwindet.

Russland ist für Europa ein wichtiger Gas- und Öllieferant. Seit dem Kriegsbeginn sind die Preise für die Rohstoffe entsprechend stark gestiegen. Es wurde immer wieder über einen Einfuhrstopp diskutiert. Ende Mai hat sich die EU zumindest auf ein Teil-Embargo für russisches Öl entschlossen.

Juni

Noch immer herrscht in der Ukraine Krieg. Präsident Selenskyj meldet Anfang Juni, dass nun nach 100 Kriegstagen rund 20 Prozent der Ukraine Russland gehören. Die Front ist über 1000 Kilometer lang. Momentan wird insbesondere in und um die Stadt Sjewjerodonezk gekämpft.

Die EU hat bis jetzt sechs Sanktionspakete verabschiedet und über Russland verhängt. Zuletzt wurde beschlossen, Grossteile der Öllieferungen über den Seeweg mit einem Embargo zu versehen. Zudem haben die USA und Grossbritannien zugesagt, die Ukraine mit Langstrecken-Raketensystemen zu versorgen.

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Britische Streitkräfte testen während einer Übung in Lettland ein Raketensystem. - Keystone

Die Folgen des Krieges werden auch im Westen deutlich spürbar. Neben Öl- und Gasimporten sind auch Nahrungsmittel betroffen. Sowohl Russland als auch die Ukraine sind wichtige Weizenexporteure.

Moskau plante mit der Invasion wohl eine schnelle Einnahme der Ukraine. Nach über vier Monaten des Konflikts zeigt sich aber: Es handelt sich um einen Abnutzungskrieg.

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