Regierungsrats-Kandidatin Evi Allemann (SP) im Interview
Die wiederkandidierende Evi Allemann setzt auf ihre Regierungserfahrung, tragfähige Lösungen und sieht den Ausbau der erneuerbaren Energien als Kernaufgabe.

Das Wichtigste in Kürze
- Evi Allemann (SP) kandidiert für den Regierungsrat.
- Der Ausbau der erneuerbaren Energien sei ein Standortvorteil und schütze den Wohlstand.
- Die amtierende Justizdirektorin will eine «Politik, die bei den Menschen ankommt».
In knapp vier Wochen wählt die Stimmbevölkerung des Kantons Bern sowohl ein neues Parlament als auch eine neue Regierung. Vier Bisherige und zwölf neu Kandidierende bewerben sich für die sieben Sitze im Regierungsrat.
Bei der links-grünen Vierer-Liste ist Evi Allemann die einzige Wiederkandidierende. Allemann ist seit 2018 Regierungsrätin als Direktorin für Inneres und Justiz. Sie wurde 1998, mit 19 Jahren, in den Grossen Rat gewählt, 2003 in den Nationalrat, dem sie bis 2018 angehörte.
Im Interview mit dem BärnerBär sagt Allemann, was es braucht, damit Vertrauen in die Politik entsteht. Und welche Themen sie auch in einer dritten Amtszeit forcieren möchte.

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?
Evi Allemann: Mit meiner achtjährigen Erfahrung als Regierungsrätin setze ich mich konsequent für einen Kanton ein, der für die Menschen attraktiv ist – zum Leben, Wohnen und Arbeiten. Mir ist wichtig, tragfähige Lösungen zu erarbeiten, die im Alltag der Menschen tatsächlich wirken.
BärnerBär: Welchen der Kandidierenden müssen Sie unbedingt schlagen, um eine Chance zu haben?
Allemann: Es geht nicht um ein sportliches Kräftemessen zwischen Personen. Es geht um die politische Erneuerung unseres Kantons.
Bern steht an einem Wendepunkt: Wir brauchen Lösungen für das Klima, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und eine starke Wirtschaft. Dafür stehe ich gemeinsam mit drei Kandidierenden der SP und den Grünen. Wir wollen «zäme witercho».

BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?
Allemann: Gerade in einer «neuen Ära» der Unsicherheit ist Vertrauen kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis verlässlicher Arbeit. Vertrauen entsteht dort, wo Menschen sich ernst genommen fühlen und sehen, dass die Politik die grossen Herausforderungen – vom Klima bis zur sozialen Sicherheit – aktiv gestaltet.
Die weltweiten autoritären Tendenzen machen vielen bewusst, wie wertvoll unsere Demokratie, der Rechtsstaat und unsere Institutionen sind. Das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.
BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?
Allemann: Insgesamt ist der Kanton familienfreundlicher, nachhaltiger und digitaler geworden. In den letzten vier Jahren haben wir erreicht, dass rund 44'000 Menschen, vor allem Familien mit Kindern, zusätzliche Prämienverbilligung erhalten haben. Das entlastet das Haushaltsbudget und stärkt die Kaufkraft.
Die Raumplanung haben wir gezielt auf Klimaschutz und Energiewende ausgerichtet. Mit einem digitalisierten Service public machen wir den Kanton zugänglicher.
BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?
Allemann: Wir sprechen viel über die Klimaziele, aber zu wenig darüber, dass ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien ein zentraler Standortvorteil der Zukunft ist.
Nur wenn wir hier das Tempo erhöhen, sichern wir unseren Wohlstand und schützen gleichzeitig unser Klima – Das ist die Kernaufgabe, die wir noch entschlossener anpacken müssen.

BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?
Allemann: Eine bürgerliche Dominanz würde das Rad bei Fragen des sozialen Ausgleichs, des Service public oder beim Klimaschutz zurückdrehen. Ich stehe ein für eine Regierung der Balance. Nur mit einer starken rot-grünen Vertretung stellen wir sicher, dass Bern ein Kanton für alle bleibt und in wichtige Zukunftsthemen investiert.
BärnerBär: Was für konkrete Auswirkungen hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?
Allemann: Eine linke Mehrheit würde es erleichtern, soziale und ökologische Anliegen, Chancengleichheit und einen starken Service public konsequenter umzusetzen. Es geht dabei nicht um Ideologie, sondern um eine Politik, die bei den Menschen ankommt und niemanden zurücklässt.

BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?
Allemann: In einer Konkordanzregierung zu politisieren, bedeutet nicht, die eigene Meinung an der Garderobe abzugeben. Mein Anspruch ist, sozialen und ökologischen Aspekten ein Gewicht zu geben und die Entscheide entsprechend mitzuprägen.
Wenn am Ende ein Mehrheitsentscheid steht, trage ich ihn mit, weil ich die Institutionen und die Stabilität unseres Kantons respektiere. Ich verstehe Konkordanz als Auftrag, unterschiedliche Lebenswelten zusammenzuführen und den Kanton Bern gemeinsam weiterzubringen.
BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?
Allemann: Ich möchte, dass der Kanton lebenswert ist und dass die Menschen im Alltag konkret Verbesserungen spüren, sei es durch effizientere digitale Dienstleistungen oder eine spürbare Entlastung für Familien. Die Bevölkerung soll weiterhin Vertrauen in die Politik haben. Politik ist dann erfolgreich, wenn sie wirkt.
Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026
Der BärnerBär stellt die Kandidierenden vor, die gerne einen der sieben Sitze im Regierungsrat erobern möchten. Bisher erschienen sind:
Daniel Bichsel (SVP/neu)
Hervé Gullotti (SP/neu)
Astrid Bärtschi (Mitte/bisher)
Barbara Stotzer-Wyss (EVP/neu)
Aline Trede (Grüne/neu)
Madeleine Amstutz (parteilos/neu)
Melanie Hartmann (Piraten/neu)
Philippe Müller (FDP/bisher)
Pierre Alain Schnegg (SVP/bisher)
Reto Müller (SP/neu)
Jorgo Ananiadis (Piraten/neu)
Tom Gerber (EVP/neu)
Tobias Vögeli (GLP/neu)
Raphael Lanz (SVP/neu)











