Regierungsrats-Kandidat Pierre Alain Schnegg (SVP) im Interview

Matthias Bärlocher
Matthias Bärlocher

Bern,

Er habe schon diverse Krisen gemeistert, sagt der amtierende Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg.

Pierre Alain Schnegg Regierungsrat
Pierre Alain Schnegg ist Kandidat der SVP für den Regierungsrat. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Pierre Alain Schnegg (SVP) kandidiert auf dem bürgerlichen 5er-Ticket für den Regierungsrat.
  • Er wolle auch weiterhin unpopuläre Dinge ansprechen, um Transparenz zu schaffen.
  • Als Politiker müsse man vor allem zuhören. Deshalb suche er weiterhin den Dialog.

Das bernische Stimmvolk wählt am 29. März ein neues Parlament und eine neue Regierung. Für die sieben Sitze im Regierungsrat kandidieren 16 Personen, davon vier Bisherige.

Pierre Alain Schnegg (SVP) ist seit 2016 im Amt und damit einer der Bisherigen. Seit beinahe zehn Jahren ist er Vorsteher der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion (GSI). Er kandidiert auf dem bürgerlichen 5er-Ticket.

Schnegg kandidiert spezifisch für den verfassungsmässig garantierten Sitz des Berner Juras. Sein direkter Konkurrent ist damit der neu kandidierende SPler Hervé Gullotti. Das heisst, er muss sowohl im Berner Jura als auch im gesamten Kanton Stimmen holen.

Im Interview mit dem BärnerBär sagt Schnegg, was für Umstrukturierungen er mit der GSI vor hat. Und warum er zuversichtlich ist, den Jura-Sitz verteidigen zu können.

Regierungsratswahlen bürgerliches 5er-Ticket
Das bürgerliche 5er-Ticket mit Raphael Lanz (SVP, neu), Daniel Bichsel (SVP, neu), Astrid Bärtschi (Mitte, bisher), Philippe Müller (FDP, bisher) und Pierre Alain Schnegg (SVP, bisher). - keystone

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?

Pierre Alain Schnegg: Ich setze mich ein für verlässliche Rahmenbedingungen, damit sich im Kanton Bern die Bevölkerung und die Wirtschaft positiv entwickeln können. Dazu braucht es eine entwicklungsfreundliche Steuerpolitik, vorausschauende Standort- und Mobilitätsplanung und ein klares Bekenntnis zu Innovationen.

Ich will mit der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion das Gesundheitswesen in grössere Regionen zusammenführen, damit wir die vorhandenen Ressourcen effizient nutzen können.

Ich will die Integration in die Arbeitswelt fördern und ich will noch weitere Ausbildungszentren für Personen aus dem Asylwesen für eine Integration von Anfang an schaffen. All dies, damit ein unkontrolliertes Wachstum der kantonalen Lasten verhindert wird.

Rathaus Bern Wahl Front
Wer schafft die Wahl ins Berner Rathaus am 29. März 2026? - Daniel Zaugg

BärnerBär: Werden eher die Stimmen aus dem Berner Jura oder aus dem ganzen Kanton für Ihre Wahl ausschlaggebend sein?

Schnegg: Der Sitz des Berner Jura hängt von zwei Komponenten ab: Es braucht das absolute Mehr der Stimmen im gesamten Kanton aber auch ein gutes Ergebnis im Berner Jura. Es ist also wichtig, sowohl auf die Stimmen aus dem deutschsprachigen Kantonsteil als auch auf die Stimmen aus dem Berner Jura zählen zu können.

Ich habe in den vergangenen zehn Jahren gezeigt, dass ich zum Wohle der Bevölkerung arbeite und handle. Wir sind durch einige grosse Krisen gegangen, Corona und die Aufnahme der Geflüchteten aus der Ukraine sind zwei davon. Wir haben immer Lösungen gefunden und werden das auch in Zukunft tun.

Ich packe gerne mit an und suche nach Wegen, die für alle stimmen. Für den Berner Jura und den ganzen Kanton.

Spezialfall Jura-Sitz in der Berner Regierung

Dem französischsprachigen Berner Jura ist in der Kantonsverfassung ein Sitz im Regierungsrat garantiert. Kandidieren können dafür diejenigen Stimmberechtigten, die einerseits im Verwaltungskreis Berner Jura wohnen und auch französischsprachig sind.

So wird gerechnet
Der oder die Gewählte wird mit dem sogenannten geometrischen Mittel bestimmt. Dazu werden die Stimmen aus dem Berner Jura mit denjenigen aus dem gesamten Kanton – inklusive Berner Jura – multipliziert. Aus dem Ergebnis wird dann die Wurzel gezogen. Auf diese Weise erhält der Wahlkreis Berner Jura dasselbe Gewicht wie der gesamte Kanton.

Es kommt deshalb vor, dass der eine Kandidat zwar insgesamt mehr Stimmen erhält, aber nicht gewählt ist, weil der andere Kandidat im Berner Jura mehr Stimmen gemacht hat. Theoretisch könnten auch zwei oder noch mehr Personen aus dem Berner Jura in den Regierungsrat gewählt werden. Nämlich dann, wenn jemand auch ohne die Jura-Berechnung einen vorderen Platz erreicht. Wenn dann eine andere Jura-Kandidatur ein höheres geometrisches Mittel erzielt, erhält diese den Jura-Sitz.

BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?

Schnegg: Vertrauen baut man langfristig auf. Vertrauen entsteht dann, wenn die Handlungen nachvollziehbar sind.

Vertrauen beruht auf Respekt und klaren Abmachungen. Und Vertrauen entsteht durch einen offenen, ehrlichen Dialog. Man muss sich auch wagen, unpopuläre Dinge anzusprechen. Das mache ich und daher stehe ich manchmal in der Kritik, obwohl ich dadurch lediglich Transparenz schaffen möchte.

Ein Politiker muss vor allem eines: zuhören. Ich stelle mich immer allen Diskussionen und ich suche den Dialog, denn wir müssen zusammenarbeiten für abgestimmte Lösungen für unsere Bevölkerung.

BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?

Schnegg: Ich habe zusammen mit den Mitarbeitenden aus der Direktion viele Schritte unternommen, um das Gesundheitswesen im Kanton breiter abzustützen. Wir haben das Sozialwesen modernisiert und die Zusammenarbeit gestärkt.

In der Digitalisierung sind wir grosse Schritte vorwärtsgekommen und ich kann heute mit aktuellen Daten meine Führungsaufgaben wahrnehmen. Wir haben für Personen aus dem Asylbereich schon zwei Ausbildungszentren, in Bellelay und in Ringgenberg, eröffnet, damit wir diese rasch zu Pflegehelferinnen und Pflegehelfern ausbilden können. Dieses Angebot funktioniert und wir werden bald ein drittes Zentrum eröffnen.

Pierre Alain Schnegg Moutier
Als zuständiger Regierungsrat spricht Pierre Alain Schnegg während der Debatte um das Konkordat, welches die Modalitäten des Kantonswechsels der Stadt Moutier von Bern zu Jura festlegt, am 6. März 2024 im Grossen Rat. - keystone

BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?

Schnegg: Der Kanton Bern ist stark abhängig von seiner Industrie und dem Dienstleistungssektor. Firmen und Unternehmen schaffen die Basis für unseren Wohlstand.

Im Kanton Bern haben wir noch grosses Potential, das wir nutzbar machen müssen. Dank der Arbeit der letzten Jahre konnten wir endlich damit beginnen, die Steuerlast zu senken, wir haben eine Steuerstrategie, die eine klare Richtung vorgibt und die unsere Attraktivität verbessern soll.

Der Kanton Bern hat Standortvorteile: direkt auf der Sprachgrenze zur Westschweiz, als politisches Zentrum und als zweitgrösster Kanton der Schweiz mit einer stark verwurzelten Bevölkerung. Das sind die richtigen Voraussetzungen für eine stabile Entwicklung, die ich politisch mittragen will.

Neben dem Umbau des Gesundheitswesens ist in den kommenden Jahren auch der demografische Wandel eine grosse Herausforderung. Die Bevölkerung wird immer älter, die Babyboomer-Generation ist bald vollständig im Pensionsalter, und wir haben einen starken Rückgang an Geburten. Wir arbeiten bereits an raschen und umsetzbaren Lösungen.

BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?

Schnegg: Wir würden noch schneller und klarer auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und die Weiterentwicklung des Kantons reagieren können.

Champoz Pierre Alain Schnegg
Die Gemeinde Champoz, wo Pierre Alain Schnegg wohnt, liegt in der Nähe von Moutier im Berner Jura. - Screenshot champoz.ch

BärnerBär: Was für konkrete Auswirkung hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?

Schnegg: Diese Frage müssen Sie nicht mir stellen.

BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?

Schnegg: Die Konkordanz ist das oberste Gebot in einem demokratischen Gremium.

BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?

Schnegg: Ich arbeite für die Bevölkerung und ich habe mir zum Ziel gesetzt, die Herausforderungen der kommenden Jahre lösen zu helfen.

Dafür setze ich mich ein. Dafür bin ich bereit. Wir haben bereits einige Weichen für die Zukunft richtig gestellt.

Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026

Kommentare

User #2518 (nicht angemeldet)

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