Regierungsrats-Kandidatin Madeleine Amstutz (parteilos) im Interview
Die aus der SVP ausgeschlossene Sigriswilerin will es erneut wissen: Schafft sie auch den Sprung in den Regierungsrat?

Das Wichtigste in Kürze
- Madeleine Amstutz kandidiert als Parteilose für den Regierungsrat.
- Die Wiederwahl in den Sigriswiler Gemeinderat und den Grossen Rat hat sie schon geschafft.
- Das Oberland habe genau so einen Sitz im Regierungsrat verdient wie der Berner Jura.
Wenn am 29. März die Berner Stimmbevölkerung ein neues Parlament und eine neue Regierung wählt, stehen auch vier Aussenseiter auf dem Zettel. Anders als die 12 weiteren Kandidierenden gehören sie nicht einer der etablierten Parteien an.
Eine dieser vier «Exoten» ist Madeleine Amstutz, die als Parteilose antritt. Im Rahmen einer Spesenaffäre wurde Amstutz Ende 2023 aus der SVP ausgeschlossen. Sie ist aber weiterhin Gemeinderätin von Sigriswil und schaffte als Parteilose auch die Wiederwahl in den Grossen Rat.
So streicht die Einzelkämpferin denn im BärnerBär-Interview auch ihre Erfolge im Parlament heraus. Und sagt, wie sie sich den Kanton Bern in vier Jahren vorstellt: Mit mehr Lebensqualität und einer Regierungsrätin Amstutz.

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?
Madeleine Amstutz: Seit über 15 Jahren setze ich mich mit Herzblut und Leidenschaft für die Bürgerinnen und Bürger im Kanton Bern ein, mit Exekutiv-, Parlaments- und politischer Führungserfahrung. Mein Leistungsausweis ist breit in den Finanzen, Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft, Bildung, Sport, Gesundheit, Sicherheit, etc.
BärnerBär: Welchen der Kandidierenden müssen Sie unbedingt schlagen, um eine Chance zu haben?
Amstutz: Zwei bisherige Regierungsmitglieder aus dem Berner Oberland treten nicht mehr an. Wie der Berner Jura einen fixen Sitz hat, ist es angemessen, wenn das ländliche Berner Oberland in der Regierung vertreten ist, wo ich die einzige Kandidatin bin. Zudem ist eine bürgerliche Frau für den ganzen Kanton Bern ein Mehrwert.
BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?
Amstutz: Zunehmend werden politische Versprechen oder demokratische Entscheidungen nicht umgesetzt, wodurch in der Bevölkerung das Vertrauen in die Politik schwindet.
Beispiele: Bei der Stauproblematik auf der rechten Thunerseeseite und durch die Stadt Thun wurde von der Stadt Thun versprochen, bei Benachteiligungen mindestens versuchsweise das Einbahnregime aufzulösen, was nicht eingehalten wurde.
Mein Vorstoss «Keine Veranlagung von Handänderungssteuern, wenn Parkplätze oder Nebenräume mit dem Hauptwohnsitz erworben werden», wurde im Jahr 2023 gegen den Willen der Regierung im Grossen Rat angenommen und diese Woche habe ich erfahren, dass die Umsetzung von der zuständigen Regierungsrätin nicht erfolgt ist.

BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?
Amstutz: Erstens auf die vielseitigen erreichten bürgerlichen Entscheidungen als Gemeindepräsidentin, als Grossrätin sowie als Fraktionspräsidentin. Zweitens: Keine Absenzen im Grossen Rat seit der Wahl im Juni 2014.
Und drittens: Die Verbesserungen durch die gewonnenen politischen Vorstösse. Dazu zähle ich die Bewilligung von Hospizplätzen im Kanton Bern und den Start von Pilotprojekten für eine angepasste Pflege für Menschen mit Langzeit-Krebsdiagnosen.
Weiter die gleichberechtigte Förderung von Berner Nachwuchsleistungssportlerinnen und -sportlern zwischen 16 und 20 Jahren über das Geldspielgesetz. Weniger Bürokratie und effizientere Abläufe bei Fahrzeugprüfungen.
Dann, wie oben erwähnt, die tieferen Steuern bei der Veranlagung von Handänderungssteuern für Parkplätze und Nebenräume. Wobei hier eben neu die Umsetzung fraglich ist.
Die Lockerung des See- und Flussufergesetzes (SFG), um so saisonale Aussenplätze für die Gastronomie zu ermöglichen. Die Neuregelung der regionalen Zuteilung der Pflegeheimplätze. Die Reduktion der Fallwildzahlen im Strassen- und Schienenverkehr durch bauliche Massnahmen.
Hinzu kommen diverse Themen in Arbeit wie Steuerabzug bei Krankenkassenprämien erhöhen, Verkehrsfluss durch die Stadt Thun verbessern, Agrarkredite und BAK-Darlehen zeitnaher ausbezahlen, etc.

BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?
Amstutz: Den Dichtestress durch stetig steigende Einwohnerzahlen mit überfüllten Zügen, zunehmender Stauproblematik, Nachbarstreitigkeiten, Kriminalität etc. Wenn beispielsweise um 22:00 Uhr auf einem Bahnhofsperron in Biel eine Person niedergeschlagen wird, stellt sich die Frage, ob ich als Frau alleine sicher unterwegs sein kann.
BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?
Amstutz: Für die Bürgerinnen und Bürger wird der Wohnkanton lebenswerter mit mehr Freiheiten und nicht stetig steigenden Alltagskosten, insbesondere für den Mittelstand. Attraktive Gewerbebetriebe und Arbeitsplätze werden geschaffen, was sich auf die Lohnzahlungen für alle Arbeitnehmenden auswirkt.
BärnerBär: Was für konkrete Auswirkungen hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?
Amstutz: Noch mehr Firmen verlegen ihren Sitz in steuergünstigere Kantone, was Löcher in die Kantonskasse ergibt, wodurch neben den Steuerzahlenden auch unser Bildungs- oder Gesundheitssystem leidet. Die Städte Biel und zum Teil auch Bern zeigen die zunehmende Finanz- und Sicherheitsproblematik. Das darf nicht im ganzen Kanton Schule machen.
BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?
Amstutz: Unsere direkte Demokratie muss gestärkt werden. Die Mehrheitsentscheide würde ich auch in der Regierung mittragen, wie ich dies bereits als Exekutivpolitikerin in der Gemeinde lebe.
BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?
Amstutz: Mit mehr Lebensqualität für die Berner Bürgerinnen und Bürger. Die Alltagskosten müssen eingedämmt werden und nicht wie in den letzten Jahren ungehindert steigen. Die Altersarmut muss abnehmen.
Einen gesunden Finanzhaushalt sowie gute Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze und für den Tourismus schaffen. Unser duales Bildungssystem stärken. Eine weiterentwickelte Gesundheitspolitik. Erwachsenen-Hospize mit angepasster Pflege sind im Kanton Bern eine Selbstverständlichkeit.
Gesunde, regionale Lebensmittel produzieren. Schnellere und schlankere Baubewilligungsverfahren ermöglichen. Anreize schaffen und keinen Zwang für Bürger/Innen bei der Digitalisierung, beim Bargeldeinsatz, etc. Die Gesellschaft im Vereins-, Kultur- und Sportbereich stärken.
Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026
Der BärnerBär stellt die Kandidierenden vor, die gerne einen der sieben Sitze im Regierungsrat erobern möchten. Bisher erschienen sind:
Daniel Bichsel (SVP/neu)
Hervé Gullotti (SP/neu)
Astrid Bärtschi (Mitte/bisher)
Barbara Stotzer-Wyss (EVP/neu)
Aline Trede (Grüne/neu)








