Regierungsrats-Kandidat Tom Gerber (EVP) im Interview
Der Landwirt aus Reconvilier BE rechnet sich keine grossen Chancen aus. Dabei bringt er einen ganzen Rucksack an Erfahrung mit.

Das Wichtigste in Kürze
- Tom Gerber (EVP) kandidiert für den Regierungsrat.
- Er setzt sich für Politik «nah am Volk» ein und weniger Professionalisierung.
- Über die Herausforderungen an den Schulen im Kanton Bern werde zu wenig gesprochen.
Am 29. März wählt das bernische Stimmvolk ein neues Parlament und eine neue Regierung. Für die sieben Sitze im Regierungsrat kandidieren 16 Personen, davon vier Bisherige.
EVPler Tom Gerber ist einer der neu Kandidierenden. Er tritt zusammen mit Parteikollegin Barbara Stotzer-Wyss an. Da Gerber in Reconvilier BE wohnt und französischsprachig ist, wäre er auch für die Wahl in den Jura-Sitz qualifiziert. Er scheint sich aber wenig Hoffnung auf einen Wahlerfolg zu machen.
Gerber ist seit 2017 Mitglied des Grossen Rats. In den Nullerjahren war er neun Jahre lang Gemeinderat von Reconvilier.

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?
Tom Gerber: Weil ich bereits eine langjährige Erfahrung auf Gemeindeebene, im Conseil du Jura bernois und jetzt seit mehr als acht Jahre im Grossen Rat habe. Und auch Ideen habe, um der Bevölkerung zu dienen.
BärnerBär: Welchen der Kandidierenden müssen Sie unbedingt schlagen, um eine Chance zu haben?
Gerber: Ein paar.
BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?
Gerber: Es ist mir sehr wichtig, dass die Politik «nah am Volk» bleibt. Deswegen soll sich die Politik auf keinen Fall mehr professionalisieren.
BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?
Gerber: Eigentlich am meisten auf meine Arbeit in der Geschäftsprüfungskommission (GPK) – die Arbeit, die man nicht sieht. Den Rest kann man online nachschauen.

BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?
Gerber: Über die Herausforderungen in den Schulen und über gesellschaftliche Herausforderungen wie die psychische Gesundheit bei Jugendlichen.
BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?
Gerber: Wahrscheinlich gar nicht so wahnsinnig viel; es kommt aber auch drauf an, wie es im Parlament aussieht.
BärnerBär: Was für konkrete Auswirkung hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?
Gerber: Ich glaube nicht, dass es passieren wird.
BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?
Gerber: Ich erachte unser Konkordanz-System als sehr gut. Der Regierungsrat sind nicht nur Einzelpersonen, sie müssen zusammen auch gut funktionieren und dazu gehört es auch, nicht zur Mehrheit zu gehören.
BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?
Gerber: Zuerst müssen sie mich jetzt wählen… Es soll aber der Berner Bevölkerung gut gehen.
Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026
Der BärnerBär stellt die Kandidierenden vor, die gerne einen der sieben Sitze im Regierungsrat erobern möchten. Bisher erschienen sind:
Daniel Bichsel (SVP/neu)
Hervé Gullotti (SP/neu)
Astrid Bärtschi (Mitte/bisher)
Barbara Stotzer-Wyss (EVP/neu)
Aline Trede (Grüne/neu)
Madeleine Amstutz (parteilos/neu)
Melanie Hartmann (Piraten/neu)
Philippe Müller (FDP/bisher)
Pierre Alain Schnegg (SVP/bisher)
Reto Müller (SP/neu)
Jorgo Ananiadis (Piraten/neu)








