Regierungsrats-Kandidatin Barbara Stotzer-Wyss (EVP) im Interview
Weder links noch rechts: Barbara Stotzer-Wyss will im Regierungsrat das politische Zentrum vertreten und konstruktive Lösungen suchen.

Das Wichtigste in Kürze
- Barbara Stotzer-Wyss (EVP) kandidiert für den Regierungsrat.
- Sie setzt auf christliche Werte und sieht sich als Brückenbauerin.
- Sie möchte die Anliegen der Frauen aktiv in die Regierungsarbeit einbringen.
Am 29. März ist die Stimmbevölkerung des Kantons Bern dazu aufgerufen, ein neues Parlament und eine neue Regierung zu wählen. Vier Bisherige kandidieren erneut für die sieben Sitze im Regierungsrat, 12 weitere Kandidaturen machen sich Hoffnungen, den Sprung ebenfalls zu schaffen.
Zu diesen gehört auch EVP-Grossrätin Barbara Stotzer-Wyss, die zusammen mit Parteikollege Tom Gerber antritt. Die EVP stellte bislang noch nie eine Regierungsrätin oder einen Regierungsrat.
Barbara Stotzer-Wyss ist Präsidentin der bernischen EVP und Vizegemeindepräsidentin von Büren an der Aare. Seit ihrer Wahl in den Gemeinderat 2018 betreut sie dort das Ressort Bau. Damit kehrte sie quasi zurück zu ihren Wurzeln, hat sie doch eine Lehre als Hochbauzeichnerin gemacht.
Dem BärnerBär erzählt Stotzer-Wyss, warum es eine Regierungsrätin braucht, die weder rechts noch links ist. Und welche Herausforderungen im Kanton Bern noch verstärkt in den Vordergrund rücken sollten.

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?
Barbara Stotzer-Wyss: Als Brückenbauerin vertrete ich das politische Zentrum und stehe für konstruktive Lösungen. Gerade weil ich keinem der grossen politischen Blöcke mit starker Unterstützung durch Parteien und Verbände angehöre, bin ich unabhängig. Ich bin überzeugt, dass ich damit die Haltung vieler Bernerinnen und Berner vertrete.
Von zwölf Kandidierenden sind nur vier Frauen. Ich möchte die Anliegen der Frauen aktiv einbringen und mich dafür einsetzen, dass sie auch weiterhin gut im Regierungsrat vertreten sind. Zudem sind mir christliche Werte wie Nächstenliebe, Respekt, Frieden und Hoffnung wichtig. Ich setze mich für Menschen ein, denen diese Werte ebenfalls am Herzen liegen.

BärnerBär: Welchen der Kandidierenden müssen Sie unbedingt schlagen, um eine Chance zu haben?
Stotzer-Wyss: Um gewählt zu werden, muss ich genau fünf Kandidierende hinter mir lassen. Die sieben Gewählten sollen möglichst viele Menschen im Kanton vertreten – für eine ausgewogene Politik ohne Schlagseite.
BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?
Stotzer-Wyss: Ich verstehe, dass die Bevölkerung der Politik manchmal skeptisch gegenüber eingestellt ist. Der Einfluss von Organisationen und Lobbying lässt nicht immer erkennen, wie Entscheidungen zustande kommen und ob sie tatsächlich zum Wohle der Menschen getroffen werden. Deshalb erachte ich Unabhängigkeit als sehr zentral.
Aber alles in allem bin ich nach wie vor überzeugt von der Demokratie in der Schweiz. Mit der Gewaltentrennung und der direkten Demokratie kann keine einzelne Kraft allein bestimmen, und die Menschen haben vieles selbst in der Hand. Insbesondere bei den Wahlen können die Stimmberechtigten entscheidend dazu beitragen, wie die Politik im Kanton Bern in den nächsten vier Jahren aussehen wird.
BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?
Stotzer-Wyss: Auf kantonaler Ebene habe ich mich im Komitee für die Miet-Initiative eingesetzt, die dazu beitragen soll, dass die Mietzinsentwicklung im Kanton gedämpft wird. Es hat mich sehr gefreut, dass die Stimmbevölkerung die Initiative letzten Herbst angenommen hat, obwohl der Grossrat diese zur Ablehnung empfohlen hatte.
Auf Gemeindeebene konnte ich in Büren an der Aare als Gemeinderätin dazu beitragen, dass wichtige Investitionen in die Infrastruktur umgesetzt wurden: die Sanierung des Kocher-Büetiger-Hauses, die Renaturierung des Siechenbachs, die Schaffung eines neuen Gemeinschaftsgrabs sowie die Sanierung der Kanalstrasse.

BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?
Stotzer-Wyss: Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, Prävention und Schutz von gewaltbetroffenen Frauen und Kinder. Zudem scheint mir, dass der Kanton wenig auf die künftigen Folgen des Klimawandels vorbereitet ist. Aktuell wird nur auf kurze Sicht im Voraus gehandelt und vor allem auf Katastrophen reagiert.
Der Kanton müsste sich stärker auf die Auswirklungen vorbereiten, in die Prävention investieren und auch die nötigen Finanzen für den Umgang mit dem Klimawandel bereitstellen. Ob es in Anbetracht der grossen Herausforderungen angezeigt ist, vor allem auf Steuersenkungen fokussiert zu sein, wage ich zu bezweifeln.
BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern? Oder umgekehrt, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?
Stotzer-Wyss: Wie bereits ausgeführt setze ich mich für das politische Zentrum ein und hoffe, dass ein Regierungsrat gewählt wird, der weder nach rechts noch nach links kippt. In einem ausgeglichenen Gremium muss zwar um gute Lösungen gerungen werden.
Ich bin aber überzeugt, dass diese der Bevölkerung am besten dienen. Als Brückenbauerin würde ich gerne diese Balancefunktion im Zentrum wahrnehmen.
BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?
Stotzer-Wyss: Auch als Gemeinderätin halte ich mich ans Kollegialitätsprinzip. Das gehört zum Amt dazu.
Zudem ist es eine Stärke unseres politischen Systems, dass man als ganzer Regierungsrat entscheidet und diese Entscheidungen auch gemeinsam trägt. Man entscheidet eben in der Gemeinschaft und es gibt keine Einzelmasken, die sich auf Kosten der anderen profilieren.
BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?
Stotzer-Wyss: Wenn es den Menschen und der Umwelt im Kanton Bern insgesamt besser geht als bei Amtsantritt, dann würde ich dies als Erfolg werten.
Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026
Der BärnerBär stellt die Kandidierenden vor, die gerne einen der sieben Sitze im Regierungsrat erobern möchten. Bisher erschienen ist:
Daniel Bichsel (SVP/neu)
Hervé Gullotti (SP/neu)
Astrid Bärtschi (Mitte/bisher)








