Regierungsrats-Kandidat Jorgo Ananiadis (Piraten) im Interview
Der Präsident der Piratenpartei Schweiz sieht seine Wahlchancen als intakt an. Er fordert mehr Pragmatismus und Fortschritt für den Kanton Bern.

Das Wichtigste in Kürze
- Jorgo Ananiadis (Piraten) kandidiert für den Regierungsrat.
- Die Digitalisierung sei eindeutig das am meisten vernachlässigte Thema im Kanton Bern.
- Er gehöre «zu den integersten Personen» im Kandidatenfeld.
Vier Aussenseiter stehen zur Wahl, wenn am 29. März die Berner Stimmbevölkerung ein neues Parlament und eine neue Regierung wählt. Im Gegensatz zu den zwölf weiteren Kandidierenden gehören sie nicht einer der etablierten Parteien an.
Einer dieser vier «Exoten» ist Jorgo Ananiadis, Präsident der Piratenpartei Schweiz und der Piratenpartei Bern. Er tritt zusammen mit Piratin Melanie Hartmann an. Ananiadis ist Mitglied des Grossen Gemeinderats von Ostermundigen. Er kandidierte bereits 2022 für den Regierungsrat und war auch schon Kandidat für den National- und Ständerat.
Im Interview mit dem BärnerBär sagt er, warum er die Nicht-Wähler mobilisieren will. Und warum IT-Projekte des Kantons wie «Rialto» regelmässig an die Wand gefahren werden.

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?
Jorgo Ananiadis: Das Schöne an unserem System ist der Pluralismus. Ich zähle darauf, dass die Bürger die zunehmende Polarisierung in der Politik nicht goutieren und auf Vielfalt setzen.
Obwohl wir Piraten nicht in die Rechts-Links-etc.-Schubladen passen, haben wir doch ein klares Profil: Wir sind progressiv, wir haben Ahnung vom echten Leben, wir leben keine Parteidogmen, sondern vertreten seit jeher die Bürger, die Gesellschaft, die Innovation und unser Land.
In der Auswahl von 16 Kandidaten gehöre ich zu den integersten Personen und zähle darauf, dass die Stimmbürger das auch so sehen und mir ihre Stimme geben.
BärnerBär: Welchen der Kandidierenden müssen Sie unbedingt schlagen, um eine Chance zu haben?
Ananiadis: Meine Chancen sind intakt und ich will niemanden «schlagen». Primär will ich mehr Pragmatismus und Fortschritt für unseren Kanton.
Da ich durch meine langjährige praktische und politische Arbeit viele andere Kandidaten kenne, weiss ich auch um deren Stärken und Schwächen. Allfällige Differenzen werde ich dann als Regierungsrat persönlich klären.

BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?
Ananiadis: Genau deswegen will ich einen Aufruf an die vielen Nicht-Wähler platzieren: Nur wer wählt, kann was verändern. Nur wer wählt, kann die Zukunft mitgestalten. Nur wer wählt, kann Vertrauen aufbauen.
Wir Piraten sind seit jeher eine sehr offene und inklusive Organisation: Jeder kann mitreden, kann sich einbringen und gestalten. Die Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit in jeglicher Hinsicht ziehen sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte und darum sage ich: Den Piraten könnt ihr vertrauen!
BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?
Ananiadis: Ich war bereits bei vielen Aktionen, Initiativen und Referenden mit dabei. Beispielsweise kämpfen wir regelmässig gegen die Massenüberwachung mit digitalen Fichen. Mit Freunden haben wir massgeblich dazu beigetragen, dass die unsicheren E-Voting-Lösungen eingestampft wurden und unsere Demokratie dadurch keinen grösseren Schaden erlitt.
Beim E-ID Gesetz ist unsere Kritik in Gesetzestexte eingeflossen und Verbesserungen wurden wegen unserem Referendum in die technische Umsetzung übernommen. Wegen den verbleibenden Risiken bleiben wir weiterhin wachsam und bringen uns ein. Politische Erfolge sind immer das Resultat von Teamwork.

BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?
Ananiadis: Ganz klar die Digitalisierung: Das unsichere Schulnotensystem des Kantons wurde vor einigen Jahren Aufgrund meiner Meldung und Hartnäckigkeit notfallmässig geflickt. Das Projekt Rialto ist endlich als DER Rohrkrepierer unter den IT-Projekten aufgeflogen, mit unzähligen Verspätungen, ausufernden Kosten etc.
Zusammengefasst: Bern hat einen Mangel an internen Kompetenzen und keine brauchbare Ressourcenplanung. Darum werden laufend Projekte in die Wand gefahren und damit unsere Steuergelder verprasst. Hier muss dringend aufgeräumt werden.

BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?
Ananiadis: Eine solche Verschiebung würde unseren Kanton nicht vorwärtsbringen. Ich zähle auf einen ausgewogenen Regierungsrats-Mix.
BärnerBär: Was für konkrete Auswirkung hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?
Ananiadis: Eine solche Mehrheit würde unseren Kanton nicht vorwärtsbringen. Ich zähle auf einen ausgewogenen Regierungsrats-Mix.
BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?
Ananiadis: Ich bin Demokrat und ich akzeptiere Entscheide, solange sie auf Fakten basieren und nicht nur Meinungen oder Dogmen folgen. Ich würde solche Entscheide passiv mittragen aber den Aktivismus der Mehrheit überlassen.
BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?
Ananiadis: An meinem nächsten Wahlresultat.
Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026
Der BärnerBär stellt die Kandidierenden vor, die gerne einen der sieben Sitze im Regierungsrat erobern möchten. Bisher erschienen sind:
Daniel Bichsel (SVP/neu)
Hervé Gullotti (SP/neu)
Astrid Bärtschi (Mitte/bisher)
Barbara Stotzer-Wyss (EVP/neu)
Aline Trede (Grüne/neu)
Madeleine Amstutz (parteilos/neu)
Melanie Hartmann (Piraten/neu)
Philippe Müller (FDP/bisher)
Pierre Alain Schnegg (SVP/bisher)
Reto Müller (SP/neu)








