Regierungsrats-Kandidatin Astrid Bärtschi (Mitte) im Interview
Die amtierende Finanzdirektorin hofft, die geplante Steuerstrategie umsetzen zu können und gleichzeitig Schulden abzubauen.

Das Wichtigste in Kürze
- Astrid Bärtschi (Mitte) kandidiert auf dem bürgerlichen 5er-Ticket für den Regierungsrat.
- Sie will «sorgfältig zuhören», auch über Parteigrenzen hinaus.
- Es brauche eine bürgerliche Frau im Regierungsrat, sagt Bärtschi.
Noch knapp zwei Monate, dann wählt das Berner Stimmvolk ein neues Parlament und eine neue Regierung. Für die sieben Sitze im Regierungsrat kandidieren 16 Personen, davon vier Bisherige.
Eine dieser Bisherigen ist Mitte-Politikerin Astrid Bärtschi. Sie hat in den letzten vier Jahren die Finanzdirektion des Kantons Bern geleitet. Nun kandidiert sie auf dem bürgerlichen 5er-Ticket erneut.
Vor ihrer Wahl in den Regierungsrat war sie während fünf Jahren Mitglied im Grossen Gemeinderat von Ostermundigen BE. 2022 war Bärtschi auch Ratspräsidentin.
Im Interview mit dem BärnerBär sagt sie, warum sie daran glaubt, dass die Bevölkerung weiterhin Vertrauen in die Politik hat. Aber auch, worauf sie als Finanzdirektorin besonders stolz ist.

BärnerBär: Der Kanton Bern zählt über 700'000 Stimmberechtigte, die sich als Kandidierende aufstellen lassen könnten. Warum sollten diese ausgerechnet Sie in den Regierungsrat wählen?
Astrid Bärtschi: Weil ich in den vergangenen vier Jahren einen guten Job gemacht habe und es eine bürgerliche Frau im Regierungsrat braucht.
BärnerBär: Welchen der Kandidierenden müssen Sie unbedingt schlagen, um eine Chance zu haben?
Bärtschi: Ich muss niemanden «unbedingt schlagen». Es reicht, wenn ich unter den ersten sieben bin.

BärnerBär: Wir erleben gerade unruhige Zeiten, viele sprechen gar von einer «neuen Ära». Hat die Bevölkerung noch genug Vertrauen in die Politik?
Bärtschi: Ja, weil wir in der Schweiz dank der direkten Demokratie nicht nur wählen, sondern uns an der Urne auch zu Sachfragen äussern können. Das schafft Vertrauen.
Aber wir müssen unserem einzigartigen System Sorge tragen und einander – vor allem auch über Parteigrenzen hinaus – sorgfältig zuhören. Das finde ich – gerade in unruhigen Zeiten – besonders wichtig.

BärnerBär: Auf welche (politische) Leistung in Ihrer Karriere sind Sie besonders stolz?
Bärtschi: In meiner Amtszeit als Finanzdirektorin hat sich der Regierungsrat zum ersten Mal ein klares steuerpolitisches Ziel gesetzt: Wir wollen bis ins Jahr 2030 die Steuerbelastung im Kanton Bern um 500 Millionen Franken reduzieren! Darauf bin ich sehr stolz!
BärnerBär: Über welche Herausforderung für den Kanton Bern hat man bis jetzt viel zu wenig geredet?
Bärtschi: Die Frage sollte vielmehr lauten, weshalb wir im Kanton Bern meist nur über Herausforderungen und nicht über Chancen sprechen.
BärnerBär: Was würde im Kanton Bern anders, wenn es der bürgerlichen Allianz gelingt, einen fünften Sitz zu ergattern?
Bärtschi: Mit der bürgerlichen Mehrheit im Regierungsrat können wir den Weg, den wir in den letzten Jahren eingeschlagen haben, konsequent weitergehen.
Sei es mit der Umsetzung der Steuerstrategie oder mit einer vorausschauenden, nachhaltigen und soliden Finanzpolitik (s. auch Antwort auf die letzte Frage).
BärnerBär: Was für konkrete Auswirkungen hätte es, wenn die SP den Jurasitz gewinnt und es wieder eine linke Mehrheit gäbe im Regierungsrat?
Bärtschi: Ich gehe davon aus, dass die Steuern dann nicht wie geplant gesenkt würden.

BärnerBär: Wie gehen Sie mit Entscheiden um, die Sie persönlich für falsch halten, aber wegen der Konkordanz mittragen müssen?
Bärtschi: Damit habe ich gar keine Probleme. Das gehört in der Schweiz in einer Regierungsfunktion ganz einfach dazu.
BärnerBär: Woran würden Sie am Ende Ihrer Amtszeit messen, ob Sie erfolgreich waren?
Bärtschi: Wenn es mir gelingt, den Finanzhaushalt im Griff zu haben, die Steuern zu senken, das Investitionsniveau hochzuhalten, dem Kantonspersonal und den Lehrkräften angemessene Löhne zu zahlen und gleichzeitig Schulden abzubauen, dann wäre das rückblickend eine sehr erfolgreiche Amtszeit gewesen!
Regierungsratswahl im Kanton Bern am 29. März 2026
Der BärnerBär stellt die Kandidierenden vor, die gerne einen der sieben Sitze im Regierungsrat erobern möchten. Bisher erschienen ist:








