Das politisch breite Ja-Komitee für das neue Filmgesetz a.k.a. «Lex Netflix» hat den Abstimmungskampf eröffnet.
Mitte-Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger versteht nicht, weshalb bürgerliche Jungparteien das Referendum gegen das Filmgesetz unterstützen. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Die «Lex Netflix» verpflichtet Streaming-Anbieter zur Förderung des Schweizer Films.
  • Das Ja-Komitee zeigt wenig Verständnis für die Argumente der (meist jungen) Gegner.
  • Es erhofft sich weltweite Erfolge von Schweizer Filmen und Serien wie «Tschugger».

Streaminganbieter wie Netflix, Amazon oder Disney+ müssen künftig vier Prozent ihres Schweizer Umsatzes in Schweizer Filmproduktionen investieren. Das sieht das geänderte Filmgesetz vor. Ein breit abgestütztes Komitee hat am Donnerstag für die Vorlage geworben.

«Lex Netflix»: Breites Komitee dafür

Das Parlament hatte in der Herbstsession 2021 die sogenannte «Lex Netflix» verabschiedet. Verschiedene Jungparteien ergriffen dagegen das Referendum. Am 15. Mai stimmt die Bevölkerung über die Vorlage ab.

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Schweizer Produktionen – wie beispielsweise «Der Bestatter» – haben oft Mühe, Erfolge im Ausland zu erzielen. - Keystone

Das überparteiliche Komitee «Ja zum Filmgesetz» unterstrich heute die bereits im Parlament mehrheitsfähigen Argumente für die neue Investitionspflicht. Vertreterinnen und Vertreter von SP, Mitte, EVP, FDP, GLP und Grünen warben für die geänderten Regeln. Die Vorlage schaffe faire Marktbedingungen und stärke den Schweizer Film und KMU, lautete der Tenor.

Weltweiter Erfolg für «Tschugger»?

«Es ist ein austariertes und faires Konzept», sagte die Luzerner Mitte-Ständerätin Andrea Gmür-Schönenberger. Sie erhofft sich von den neuen Investitionen, dass das Potenzial des Schweizer Films ausgeschöpft werde. «Wollen wir junge Leute für lokale Geschichten begeistern, müssen wir auf die Plattformen kommen.» Sie halte es durchaus für möglich, dass dereinst auch eine Schweizer Serie weltweit erfolgreich sein könnte.

Dass die Netflix-Abopreise durch das Filmgesetz teurer werden, sei laut SP-Nationalrat Matthias Aebischer schlicht nicht war. - Nau.ch

So wie «Lupin» aus Frankreich oder «Haus des Geldes» aus Spanien, pflichtet SP-Nationalrat Matthias Aebischer bei. Diese – aufgrund dortiger Netflix-Investitionen – seien letztes beziehungsweise vorletztes Jahr die jeweils die weltweit zweiterfolgreichste Serie gewesen. «Also funktioniert es und ich gehe davon aus, es wird auch bei Schweizer Serien so funktionieren.»

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Die Netflix-Serie «Lupin» stammt aus Frankreich. Foto: Emmanuel Guimier/Netflix/dpa
«Haus des Geldes»
Ein Werbebild aus der Serie «Haus des Geldes.

Vom Ja-Komitee wird dabei gerne auf die hierzulande erfolgreichen Serien wie «Wilder» und «Tschugger» verwiesen, aber auch auf «Der Bestatter». Eine Investitionspflicht gilt heute bereits für private Schweizer Fernsehsender. Mit dem neuen Filmgesetz würden darum auf zwei Ebenen gleich lange Spiesse geschaffen. Einerseits zwischen Streaming-Diensten und TV-Stationen, andererseits gegenüber anderen Ländern mit ähnlichen Investitionsregeln.

Wenig Verständnis für junge Gegner der «Lex Netflix»

Das Referendum gegen das «Lex Netflix» genannte neue Filmgesetz wird angeführt von den Jungfreisinnigen. Unterstützt werden sie von den Jungen Grünliberalen und der Jungen SVP. «Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht», sagt Ständerätin Gmür, «wie schnell die Jungen einfach Nein gesagt haben.» Immer wieder sei das Argument der womöglich steigenden Abo-Kosten vorgebracht worden.

«Lex Netflix» Jungfreisinnige
Die Jungparteien der FDP, SVP und der Grünliberalen wehren sich gegen «Lex Netflix». - Keystone / zvg

Einerseits sei in Ländern, die bereits eine Investitionsregel kennen, der Abopreis nicht gestiegen. Andererseits habe das Netflix-Abo in der Schweiz schon zweimal aufgeschlagen, «ohne irgendwelche zusätzliche Leistung», wie Gmür betont. Wer behaupte, mit dem Filmgesetz würden die Streaming-Abos teurer, habe die Vorlage nicht gelesen, meint Nationalrat Aebischer. Filmproduktionen in der Schweiz seien wohl sogar günstiger: «Es muss niemand mehr bezahlen – das ist frei erfunden.»

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