Das Schweizer Stimmvolk sagt deutlich Ja zum Covid-19-Gesetz. Experten sagen, die Lage könnte sich nun beruhigen.
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Menschen protestieren nach der Bekanntgabe der Ergebnisse während der Kundgebung der Gegner des Covid-19-Gesetzes, am Sonntag, 28. November 2021, auf dem Bundesplatz in Bern. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • 62 Prozent der Stimmenden sagen Ja zum Schweizer Covid-19-Gesetz.
  • Experten schätzen ein, welche Auswirkungen das auf unsere Gesellschaft haben könnte.
  • Die Hoffnung ist, dass demokratische Grundfragen nun mehr in den Vordergrund rücken.

Das Schweizer Stimmvolk hat dem Covid-19-Gesetz mit 62 Prozent Ja-Stimmen zugestimmt. Selten jedoch argumentierten Gegner und Befürworter bei einer Abstimmung so vehement dafür beziehungsweise dagegen. Da stellt sich die Frage, welche Auswirkungen das Ja auf die Gesellschaft haben könnte.

«Das deutliche Ja zum Covid-19-Gesetz ist ein Zeichen, dass sich die Gesellschaft eine konstruktive Corona-Politik wünscht», sagt Sozialwissenschaftler Marko Kovic. Die grosse Mehrheit verstehe den Ernst der Lage und wünsche sich einen seriösen Umgang mit ihr. «Das bedeutet auch, dass weniger Polemik und mehr sachliche Debatte gefragt ist.»

Kovic glaubt: «Die Lage könnte sich beruhigen; die sogenannte ‹Spaltung der Gesellschaft› könnte abnehmen.»

Marko Kovic Coronavirus
Sozialwissenschaftler Marko Kovic. Er glaubt nicht, dass die Gegner der Massnahmen zum Coronavirus nach der Abstimmung leiser werden. - zVg

Laut dem Soziologen Ueli Mäder stütze das Ja das abwägende Bemühen des Bundesrates. «Es drückt aus, was die Stimmbevölkerung mehrheitlich will. Das hilft, Debatten zu versachlichen. Und rückt demokratische Grundfragen mehr in den Vordergrund.»

Coronavirus: Massnahmengegner werden wohl nicht leiser

Dass Massnahmengegner und Corona-Skeptiker nun leise werden, glaubt er hingegen nicht: «Aber etwas bedächtiger. Einzelne Corona-Skeptische haben sehr hohe Töne angeschlagen. Wichtig ist gegenseitiger Respekt», sagt Mäder auf Anfrage von Nau.ch.

Ueli Mäder
Ueli Mäder ist Soziologe an der Universität Basel. - Keystone

Kovic glaubt hingegen, dass «die extremistischeren Massnahmengegner ihre Demagogie noch schriller in die Welt schreien». Das habe man bereits am Sonntagabend gesehen: «Die Rede ist von Manipulation und Betrug bei der Abstimmung, von Ablehnung des Ergebnisses.» Dieser Teil der Massnahmengegner lebe in einer Parallelwelt «mit sogenannten ‹alternativen Fakten›».

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Menschen protestieren am Abstimmungssonntag vom 28. November 2021, in Lausanne gegen das Covid-19-Gesetz.
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Eine Person hält bei der Kundgebung in Lausanne ein Plakat gegen das Covid-19-Gesetz in der Hand.
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Stimmberechtigte stehen nach 12.00 Uhr auf der Münsterbrücke bis zum Zürcher Stadthaus Schlange, um im Stimmlokal vom Stadthaus abzustimmen, am Sonntag, 28. November 2021 in Zürich.
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Demonstranten protestieren am Abstimmungssonntag vor dem Bundeshaus in Bern.
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Kantonsergebnisse, Volksmehr und Stimmbeteiligung zum Covid-19-Gesetz vom Sonntag, 28. November 2021.

Auch hätten diese Kreise bereits weitere politische Aktivitäten und Ambitionen angekündigt, «etwa in Form der Quasi-Partei ‹Aufrecht Schweiz›». «Die Massnahmengegner wollen ihr Mobilisierungspotenzial, ihre Strukturen und ihre Ideologie weiter nutzen, einsetzen und verfechten.»

Jüngere skeptischer gegenüber Fachgremien?

Gemäss einer Tamedia-Nachbefragung haben 56 Prozent der 18- bis 34-Jährigen gegen das Covid-19-Gesetz gestimmt. Kovic könnte sich deswegen einerseits vorstellen, dass bei jüngeren Generationen die Risikowahrnehmung verzerrt sei. So würden einige Massnahmenkritiker behaupten, das Coronavirus stelle für Junge kein Risiko dar.

Sind Sie mit dem Abstimmungsresultat zufrieden?

«Zum anderen müssen wir uns aber doch auch kritisch fragen: Wurden Jugendliche und junge Menschen in der aktuellen Pandemiepolitik genug berücksichtigt?» So wisse man aus der Swiss Corona Stress Study etwa, dass jüngere Menschen in der Pandemie überdurchschnittlich viel Stress empfinden.

Mäder betont, dass den Jüngeren die räumliche Beweglichkeit besonders wichtig sei. Zudem seien viele skeptischer gegenüber anerkannten Fachgremien. «Und die institutionelle Politik mag ihnen noch etwas weniger vertraut sein.»

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