GLP-Fraktionschefinnen: «Keinen Schuldenberg hinterlassen»
Den Abschluss des BärnerBär-Politfragebogens machen die GLP-Co-Fraktionschefinnen Corina Liebi und Seraina Flury.

Den Abschluss des BärnerBär-Politfragebogens machen die Grünliberalen. Was Corina Liebi und Seraina Flury besonders sauer aufstösst und welchen Entscheid des Stadtrats sie anders gefällt hätten.
BärnerBär: Was haben Sie sich für 2026 persönlich vorgenommen?
Corina Liebi: Als Spitzenkandidatin bei den Berner Grossratswahlen einen dritten Sitz für die GLP Stadt Bern zu holen.
Seraina Flury: Als neue Co-Fraktionschefin der GLP-EVP-Fraktion den Ratsbetrieb zu verstehen und mitzugestalten.
BärnerBär: Welche politischen Ziele haben Sie sich gesetzt?
Liebi: Wir setzen uns für bezahlbare Kitas in der Stadt Bern ein und gegen die finanzielle Benachteiligung privater Kitas gegenüber städtischen. Zudem soll KI als Chance gesehen werden.
Flury: Weiter wollen wir griffige Massnahmen gegen die Wohnknappheit. Wir wollen mehr bezahlbare Wohnungen, indem wir bestehende Gebäude aufstocken und dichter bauen.
BärnerBär: Welche politische Frage beschäftigt Sie auch abends zu Hause?
Liebi/Flury: Dass wir den nächsten Generationen eine lebenswerte Umwelt und keinen Schuldenberg hinterlassen. Und natürlich beschäftigt uns auch die weltpolitische Lage.
BärnerBär: Welche politische Überzeugung haben Sie im Lauf der Jahre revidiert?
Liebi/Flury: Unsere Haltung zum Budget der Stadt Bern hat sich weiterentwickelt. Wir betreiben Sachpolitik und beurteilen jedes Budget neu. Letztes Jahr lag erstmals ein ausgeglichenes Budget vor.
Zwar noch nicht unser Wunschbudget – insbesondere wegen der steigenden Zinsbelastung und fehlender Puffer –, aber zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Das wollten wir mit einem Ja anerkennen.
BärnerBär: Was war Ihr politisch mutigster Entscheid der letzten Jahre?
Liebi/Flury: Besonders stolz sind wir darauf, dass unsere Motion zur Erhöhung der Finanzkompetenzen der Stadt Bern an der Urne angenommen wurde. Ebenso freuen wir uns, dass unsere Motion für ein Gastroangebot im Monbijoupark im Stadtrat Zustimmung fand.

BärnerBär: Was funktioniert in Bern besonders gut?
Liebi: Mir gefällt besonders die liberale Bewilligungspraxis für Pop-ups und Aussenbestuhlungen. Sie beleben den öffentlichen Raum und stärken die Gastronomie.
Flury: Nachhaltigkeit hat in Bern einen hohen Stellenwert und das Bewusstsein für ökologische Themen ist breit verankert.
BärnerBär: Was muss Bern 2026 endlich besser machen?
Liebi: Private Kitas werden seit Jahren finanziell schlechter gestellt als städtische, obwohl sich die Bevölkerung längst für eine Gleichbehandlung ausgesprochen hat. Das muss endlich korrigiert werden.
Flury: Eine spürbare Reduktion der Ausgaben im Budget und im Finanzplan ab 2027.
BärnerBär: Welche Entscheidung des Gemeinderats hätten Sie ganz anders gefällt?
Liebi/Flury: Die Kommunikation rund um die Schliessung der Classes bilingues (CLABI).
BärnerBär: Welche Stadtratsdebatte wurde 2025 völlig überbewertet?
Liebi/Flury: Die Nachkredite zu Citysoftnet. Statt absehbare Mehrkosten sauber zu budgetieren, wird bereits der nächste Nachkredit angekündigt. Dem Parlament bleibt am Ende nur, das bereits ausgegebene Geld abzunicken.
BärnerBär: Welche Abstimmung ist Ihnen dieses Jahr am wichtigsten?
Liebi/Flury: Die klare Annahme der Individualbesteuerung freut uns sehr. Wichtig ist uns auch die Familienzeitinitiative, für die aktuell Unterschriften gesammelt werden.
BärnerBär: Mit wem müssen Sie sich 2026 im Rathaus dringend unterhalten?
Liebi/Flury: Mit möglichst vielen. Ein Parlament funktioniert nur, wenn man miteinander spricht und Kompromisse sucht.

BärnerBär: Sagen Sie bitte kurz etwas zur neuen Stadtratspräsidentin Jelena Filipovic.
Liebi: Jelena Filipovic ist seit Jahren eine engagierte und authentische Politikerin, die sich mit viel Leidenschaft für ihre Herzensthemen einsetzt.
BärnerBär: Was würden Sie als Erstes tun, wenn Sie Stadtpräsidentin wären?
Flury: Den Austausch zwischen den Fraktionen stärken und dafür sorgen, dass Anträge nicht immer erst auf den letzten Drücker eingereicht werden.
BärnerBär: Welchen Ihrer politischen Widersacher schätzen Sie besonders? Und warum?
Liebi/Flury: Wir begegnen allen politischen Gegnerinnen und Gegnern mit Respekt. Besonders schätzen wir jene, die offen für andere Argumente sind und Sachpolitik über Ideologie stellen.
BärnerBär: Und wen gar nicht?
Liebi/Flury: Niemanden. Zur politischen Kultur gehört, dass man miteinander arbeitet, auch wenn man politisch das Heu nicht auf der gleichen Bühne hat.

BärnerBär: In welchem Punkt ist Ihnen Ihr politischer Gegner einen Schritt voraus?
Liebi/Flury: Bei den Mehrheiten im Parlament. Dafür bringen wir innovative und pragmatische Lösungen ein.
BärnerBär: Über welche Partei nerven Sie sich am häufigsten?
Liebi/Flury: Weniger über einzelne Parteien als über die linke Ratsmehrheit, wenn wieder einmal Ideologie über pragmatische Lösungen gestellt wird.
BärnerBär: Was machen Sie besser als alle anderen Parteien?
Liebi/Flury: Wir betreiben konsequent Sachpolitik und bringen viel digitales und innovatives Know-how in die politische Arbeit ein.
BärnerBär: Was ist das grösste Tabu in der Berner Stadtpolitik?
Liebi/Flury: Das Wahlsystem anzupassen, obwohl es kleinere Parteien benachteiligt und grosse Blöcke begünstigt.
BärnerBär: Was ärgert Sie am Politbetrieb Bern am meisten?
Liebi/Flury: Langwierige Diskussionen über Themen, die gar nicht in unserer Kompetenz liegen oder gegen übergeordnetes Recht verstossen.
BärnerBär: Was müssen junge Menschen zwingend über Politik in Bern wissen?
Liebi/Flury: Wenn ihr etwas verändern wollt, braucht es euer Engagement. Politik passiert nicht von selbst.
INFO
Zum Jahresauftakt befragt der BärnerBär die Fraktionspräsidentinnen und -präsidenten der grössten Berner Parteien zu deren Zielen und Wünschen 2026. Bereits erschienen sind die Interviews mit den Verantwortlichen der SVP, des GB, der Mitte, der GFL, mit der FDP sowie mit der SP.
Transparenzhinweis: Raffael Joggi, Fraktionschef der AL/PdA/TIF, hat auf die Anfrage des BärnerBär nicht reagiert. Ende der Serie.
BärnerBär: Wenn Bern ein Tier wäre: Welches wäre es und wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?
Liebi/Flury: Ein Fuchs. Schlau, wachsam und geschickt darin, zwischen verschiedenen Interessen zu lavieren.
BärnerBär: Welche Schlagzeile möchten Sie dieses Jahr gerne über sich lesen?
Liebi/Flury: «Die GLP Stadt Bern holt drei Grossratssitze im Wahlkreis Bern.»
BärnerBär: Was ist Ihnen 2025 politisch gründlich misslungen?
Liebi/Flury: Die Zinsbelastung der Stadt Bern auf ein erträgliches Niveau zu senken.
BärnerBär: Wenn Sie einen politischen Wunsch frei hätten: Welcher wäre das?
Liebi/Flury: Eine ausgewogenere Kräfteverteilung im Parlament und im Gemeinderat.
BärnerBär: Wohin zieht es Sie dieses Jahr in die Ferien?
Liebi: Nach Italien an die Adria.
Flury: Zum Segeln an die Ostsee und per Velo durch Italien.












