Fitze (SP): «Wohnen ist eine der wichtigsten sozialen Fragen»

Yves Schott
Yves Schott

Bern,

Der SP-Fraktionschef Dominik Fitze verrät im BärnerBär-Politik-Fragebogen, über wen er sich ärgert und welche Frage ihn auch abends zu Hause beschäftigt.

Dominik Fitze
SP-Fraktionschef Dominik Fitze. - Daniel Zaugg

Heute beantwortet SP-Fraktionschef Dominik Fitze den Politikfragebogen des BärnerBär. Über wen er sich am meisten ärgert und welche Frage ihn auch abends zu Hause beschäftigt.

BärnerBär: Was haben Sie sich für 2026 persönlich vorgenommen?

Dominik Fitze: Ende März sind Grossratswahlen, bei denen ich kandidiere. Ich liebe Wahlkampf, aber er kostet auch immer viel Energie. Ich will es den Rest des Jahres dann ruhiger nehmen.

BärnerBär: Welche politischen Ziele haben Sie sich gesetzt?

Fitze: Wohnen ist eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit. Wir dürfen nicht akzeptieren, dass Menschen mit normalen Einkommen aus der Stadt verdrängt werden. Mein Ziel ist klar: mehr gemeinnütziger Wohnbau und wirksamer Schutz vor Leerkündigungen.

Bern soll auch 2030 eine Stadt sein, in der Pflegefachpersonen, Handwerkerinnen und Verkäufer wohnen können, nicht nur Gutverdienende.

BärnerBär: Welche politische Frage beschäftigt Sie auch abends zu Hause?

Fitze: Die zunehmende Radikalisierung, insbesondere am rechten Rand der Gesellschaft. Faschistoide Witze, Parolen und Haltungen werden immer öfter salonfähig. Das vergiftet unsere Diskussion und ist brandgefährlich. Menschenverachtenden Ideen müssen wir entschieden entgegentreten.

Dominik Fitze
Dominik Fitze: Bern ist eine sehr lebenswerte Stadt voller toller Menschen, die füreinander Sorge tragen. - Daniel Zaugg

BärnerBär: Welche politische Überzeugung haben Sie im Lauf der Jahre revidiert?

Fitze: Ich habe viel über die Bedürfnisse des Gewerbes gelernt. Zum Beispiel beim Thema Wirtschaftsverkehr: Ich finde es richtig, dass Lieferanten und Handwerkerinnen im Verkehr bevorzugt werden und spezielle Parkplätze haben.

BärnerBär: Was funktioniert in Bern besonders gut?

Fitze: Bern ist eine sehr lebenswerte Stadt voller toller Menschen, die füreinander Sorge tragen. Wir haben einen starken Service public, grüne und belebte Parks, gute Kitas und Schulen, die beliebte Aare. Das Leben ist gut hier in Bern, nicht zuletzt dank unserer Politik.

BärnerBär: Was muss Bern 2026 endlich besser machen?

Fitze: Leerkündigungen beschäftigen mich gerade sehr. Es darf nicht sein, dass Menschen an ganzen Strassen ihre Wohnung verlieren.

Private Hausbesitzer erhöhen dann die Mieten und ihren Profit – oft um mehr, als das Gesetz erlaubt. Deshalb haben wir in einer überparteilichen Motion eine Mietzinskontrolle gefordert. Sie soll nun rasch eingeführt werden.

Bereitet dir der steigende Mangel an bezahlbarem Wohnraum Sorgen?

BärnerBär: Welche Entscheidung des Gemeinderats hätten Sie ganz anders gefällt?

Fitze: Der Gemeinderat der letzten Legislatur hat die Mietzinskontrolle abgelehnt. Diesen Entscheid kann ich nicht nachvollziehen. Umso mehr freue ich mich, dass beim aktuellen Gemeinderat ein grosser Wille spürbar ist, die Mietzinskontrolle nun umzusetzen.

BärnerBär: Welche Abstimmung ist Ihnen dieses Jahr am wichtigsten?

Fitze: Die Bürgerlichen wollen im nationalen Parlament entscheiden, dass städtische und kantonale Mindestlöhne ausgehebelt werden können. Wenn es so weit kommt, werde ich sofort Unterschriften für das Referendum sammeln.

Schliesslich haben wir auch in Bern für einen städtischen Mindestlohn gestimmt, der tausenden Menschen einen Lohn zum Leben ermöglichen wird.

BärnerBär: Sagen Sie bitte kurz etwas zur neuen Stadtratspräsidentin Jelena Filipovic.

Fitze: Ich kenne Jelena schon einige Jahre. Sie ist mit Herzblut in der Politik und enorm engagiert – das spüre ich immer, wenn ich mit ihr spreche. Sie scheut sich nicht, Position zu beziehen, auch wenn sie anecken könnte.

Dabei bleibt sie immer ehrlich und man weiss, woran man bei ihr ist. Hinter den Kulissen kniet sie sich in die Arbeit bei Sachgeschäften und hat ein grosses Wissen. All das macht sie zu einer starken Politikerin!

Jelena Filipovic
Die neue Stadtratspräsidentin Jelena Filipovic. - Jannic Reber

BärnerBär: Welchen Ihrer politischen Widersacher schätzen Sie besonders? Und warum?

Fitze: Ich schätze alle, die sich mit den Stadtratsgeschäften vertieft auseinandersetzen. Ich bin in der Planungs- und Verkehrskommission. Dort diskutieren wir sehr konstruktiv und mit viel Wissen – auch wenn wir bei Parkplätzen oder Strassen oft nicht einer Meinung sind. Aber bei solchen Sachgeschäften spüre ich, dass wir uns von links bis rechts für Bern einsetzen wollen.

BärnerBär: Und wen gar nicht?

Fitze: Am meisten ärgere ich mich über die Abbaupolitik im Kanton, insbesondere von SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg im Sozialbereich und beim Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt.

Jüngstes Beispiel: Schnegg will bei den Frauenhäusern sparen – obwohl wir wissen, dass häusliche Gewalt gegen Frauen leider zunimmt. Das ist inakzeptabel. Schnegg spart bei genau den Menschen, die unsere Solidarität dringend brauchen.

BärnerBär: Was machen Sie besser als alle anderen Parteien?

Fitze: Wir können auf viele engagierte Mitglieder zählen, die sich in den Quartieren, mit Fachwissen in Arbeitsgruppen oder auf der Strasse für eine soziale Stadt einsetzen. Das ist unersetzbar und es macht auch einfach Spass, mit all diesen tollen Menschen Partei für das soziale Bern zu ergreifen!

BärnerBär: Was ist das grösste Tabu in der Berner Stadtpolitik?

Fitze: Parkplätze aufzuheben. Selbst wenn fast alle Betroffenen einverstanden sind, findet sich regelmässig jemand, der oder die bis vors Bundesgericht klagt. Das ist schade. Das Ziel muss sein, dass unsere Strassen und Plätze für alle da sind, nicht nur für Autos.

INFO

Zum Jahresauftakt befragt der BärnerBär die Fraktionspräsidentinnen und -präsidenten der grössten Berner Parteien zu deren Zielen und Wünschen 2026. Bereits erschienen sind die Interviews mit den Verantwortlichen der SVP, des GB, der Mitte, der GFL sowie mit der FDP.

BärnerBär: Was ärgert Sie am Politbetrieb Bern am meisten?

Fitze: Die kantonale und nationale Politik, die sich immer wieder in städtische Angelegenheiten einmischt. Ein Beispiel: Bürgerliche wollen den Städten verbieten, Tempo 30 auf Hauptstrassen einzuführen. Aber das machen wir nur dann, wenn die Bewohnenden unter Lärm und Verkehr leiden. Wir dürfen nicht akzeptieren, dass man uns pragmatische Lösungen verbietet!

BärnerBär: Was müssen junge Menschen zwingend über Politik in Bern wissen?

Fitze: Sie macht Spass! Und wir gestalten das Bern der Zukunft. Jedes neue Rasensportfeld, jede neu gebaute Wohnung, jede verkehrsberuhigte Strasse geht auf politische Entscheide zurück. Deshalb: Macht mit, bringt euch ein, es lohnt sich!

BärnerBär: Wenn Bern ein Tier wäre: Welches wäre es und wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?

Fitze: Eine Bärin oder ein Bär. Bären sind eigentlich ganz genügsame Tiere, die sich gut um ihr Umfeld und insbesondere um ihre Familie kümmern. Genauso wie sich Bern um die Menschen, die hier leben, kümmert.

BärnerBär: Welche Schlagzeile möchten Sie dieses Jahr gerne über sich lesen?

Fitze: Ich stehe eigentlich gar nicht gerne im Mittelpunkt. Meine Lieblingsschlagzeile wäre: Der Schutz der Mietenden kommt entscheidend voran.

Interessierst du dich für Lokal-Politik?

BärnerBär: Wenn Sie einen politischen Wunsch frei hätten: Welcher wäre das?

Fitze: Vieles ist gerade vor Gericht blockiert: vom neuen Parkierungsregime in der Unteren Altstadt bis zu wichtigen Wohnbauprojekten. Ich wünsche mir verbindliche Fristen und genügend Ressourcen für die Gerichte, damit wichtige Wohnbau- und Verkehrsprojekte nicht jahrelang blockiert bleiben. Es sollte doch möglich sein, innert eines Jahres abschliessend zu urteilen.

BärnerBär: Wohin zieht es Sie dieses Jahr in die Ferien?

Fitze: Als Nächstes steht Rom auf dem Plan. Eine gute Freundin, die dort lebt, wurde gerade Mutter. Ich freue mich darauf, die neue kleine Römerin kennenzulernen und die Stadt zu erkunden.

Kommentare

User #1331 (nicht angemeldet)

Ist ja klar dass ein SPler aus der Hochburg der Linksextremen nur gegen Rechtsextreme schiesst.

User #3706 (nicht angemeldet)

Eine Mietzinsgrenze hat immer dieselben Auswirkungen. Weniger neugebaute Wohnungen, unrenovierte Altbauten, Umwandlung in Eigentumswohnungen, Verslumung. Aber scheinbar will Bern die Fehler die in GE und BS gemacht wurden wiederholen.

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