Franziska Geiser (GB): «Reiche sollen mehr für Klimaschutz bezahlen»
Die neue BärnerBär-Interviewserie dreht sich um die Berner Politik. Heute mit Lea Bill und Franziska Geiser vom Grünen Bündnis (GB).

Die Fraktionschefinnen und -chefs des Berner Stadtrats beantworten politische Fragen des BärnerBär. Diesmal sind Lea Bill und Franziska Geiser vom Grünen Bündnis (GB) an der Reihe. Was die Stadt endlich besser machen muss und wo ihnen der politische Gegner einen Schritt voraus ist.
BärnerBär: Was haben Sie sich für 2026 persönlich vorgenommen?
Franziska Geiser: In das Universum von Taylor Swift einzutauchen und perfekte Gyoza zuzubereiten.
Lea Bill: Ich möchte endlich wieder einmal eine mehrtägige Wanderung machen.
BärnerBär: Welche politischen Ziele haben Sie sich gesetzt?
Bill: Drei Sitze für das Grüne Bündnis im Grossen Rat!
Geiser: Und wir wollen Bern weiterhin zu einer grüneren, sozialeren, feministischeren Stadt machen. Mehr erneuerbare Energien, bezahlbarer Wohnraum, gute Kitas und das Engagement für eine LGBTIQ-freundliche Stadt sind wichtige Eckpfeiler.
BärnerBär: Welche politische Frage beschäftigt Sie auch abends zu Hause?
Geiser: Wie schaffen wir es, den nächsten Generationen eine lebenswerte Welt zu hinterlassen?
Bill: Und wohin führt der weltweite Aufstieg der rechten, autoritären und antidemokratischen Kräfte? Das beschäftigt mich sehr.
BärnerBär: Welche politische Überzeugung haben Sie im Lauf der Jahre revidiert?
Geiser: Ich habe früher geglaubt, dass die Welt immer besser wird und die Ewiggestrigen aussterben: Frauenrechte, Rechte queerer Menschen, Behindertenrechte – ich dachte, es geht in vielen Bereichen vorwärts. So einfach ist es leider nicht.
Bill: Stimmt, es geht alles sehr langsam und ist von Rückschlägen geprägt. Wichtig scheint mir hier, sich mit Gleichgesinnten zu verbünden und darin Hoffnung und Kraft zu schöpfen. Und sich weiter einzusetzen.
BärnerBär: Was funktioniert in Bern besonders gut?
Bill: Bern schaut zu seinen Einwohnenden. Alle sollen unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten und vom Pass ein gutes Leben führen können. In Bern gibt es mit der Quartierarbeit und den vielfältigen Unterstützungsangeboten von Familienbegleitung bis zu finanziellem Zustupf für Haushaltshilfen vieles.
Geiser: Und Bern ist eine Stadt der kurzen Wege, die Grundversorgung in den Quartieren ist gewährleistet und die Einwohnenden kennen sich.
BärnerBär: Was muss Bern 2026 endlich besser machen?
Bill: Damit Bern eine lebenswerte Stadt für alle bleibt, müssen wir vorwärtsmachen bei der Bekämpfung der Klimakrise: Mehr Solarpanels auf den Dächern, weniger Hitzeinseln. Und es braucht eine Mietzinskontrolle, damit die Mieten nicht noch weiter steigen.
Geiser: ... und so auch der Zusammenhalt im Quartier Bestand hat und Quartierstrukturen wie Läden oder Treffs nicht schliessen müssen.
BärnerBär: Welche Stadtratsdebatte wurde 2025 völlig überbewertet?
Geiser: Ich finde Diskussionen über Kleiderregeln an Schulen oder Werbung im Hallenbad völlig unnötig, aber das ist doch das Schöne an der Demokratie: Alle dürfen ihre Themen einbringen.
BärnerBär: Welche Abstimmung ist Ihnen dieses Jahr am wichtigsten?
Geiser: Auf lokaler Ebene freue ich mich sehr auf die Abstimmung über unsere Klimagerechtigkeitsinitiative. Die ärmeren Menschen leiden mehr unter der Klimaerhitzung als die reicheren, die Reichen richten einen grösseren Klimaschaden an. Deshalb sollen die verursachenden Personen mehr für Klimamassnahmen bezahlen.
BärnerBär: Sagen Sie bitte kurz etwas zur neuen Stadtratspräsidentin Jelena Filipovic.
Geiser: Als junge, migrantische Feministin und Klimaaktivistin ist sie hoffentlich ein Vorbild für junge Frauen, sich politisch zu engagieren. Wir sind stolz darauf, dass Jelena Filipovic in diesem Jahr Bern repräsentiert!
Bill: Wir sind überzeugt, dass sie ihren Job gut machen wird. Sie hat das richtige Gespür dafür.

BärnerBär: Welchen Ihrer politischen Widersacher schätzen Sie besonders? Und warum?
Bill: Ich mag grundsätzlich Politikerinnen und Politiker mit einem klaren Kompass. Im politischen Alltag mag ich aber jene, die mich auch mal mit ihren Aussagen überraschen. Und solche, die mich nicht einfach nur als Feindbild betrachten, sondern ernsthaft mit mir diskutieren.
BärnerBär: Und wen gar nicht?
Bill: Ich halte nicht viel von «Fähnchen im Wind»; also Menschen, die abstimmen und argumentieren, je nachdem, was für sie gerade am günstigsten ist.
BärnerBär: In welchem Punkt ist Ihnen Ihr politischer Gegner einen Schritt voraus?
Bill: Die Bürgerlichen verfügen in den allermeisten Fällen über grössere Budgets. Auch weil sie von Verbänden Spenden erhalten. Dieses Geld hätte ich gerne für unsere Kampagnen, nicht aber die damit verbundene Abhängigkeit von Hauseigentümerverband und Co.
BärnerBär: Über welche Partei nerven Sie sich am häufigsten?
Geiser: Am meisten nerven mich die Parteien, die uns politisch nahestehen und unsere Vorschläge trotzdem immer mal wieder ablehnen. Die neoliberalen oder konservativen Vorstellungen der Bürgerlichen kommen mir oft menschenfeindlich vor. Darüber nerve ich mich aber nicht, es macht mich wütend und traurig.
BärnerBär: Was ärgert Sie am Politbetrieb Bern am meisten?
Bill: Oft wird ignoriert, dass Entscheide auch Kosten nach sich ziehen. Der Stadtrat fällt immer wieder Entscheide, und wenn es dann darum geht, das nötige Geld zu sprechen, wird gekniffen. Ein Beispiel sind hier Massnahmen gegen Antisemitismus.
BärnerBär: Was müssen junge Menschen zwingend über Politik in Bern wissen?
Geiser: Sie müssen wissen, dass sie die Welt oder zumindest Bern verändern können: Kinder- und Jugendparlament, Gruppen wie der Klimastreik, Jugend- und Quartiertreffs, Mitwirkungen bei Projekten im Quartier, Demonstrationen – es gibt viele Möglichkeiten für Jugendliche, ihre Stimme zu erheben.
Bill: Und dass die Politik keine abgehobene Blase ist, sondern die Entscheidungen sie direkt betreffen. Und ihre Stimme deshalb wichtig ist.
BärnerBär: Wenn Bern ein Tier wäre: Welches wäre es und wie würden Sie seinen Charakter beschreiben?
Bill: Ein Bär wäre wohl zu fantasielos, oder …?
Geiser: Es wäre ein Meerschweinchen. Nicht überwältigend oder beeindruckend, vielleicht auch nicht allzu tatkräftig, aber herzig und vor allem sozial.
BärnerBär: Welche Schlagzeile möchten Sie dieses Jahr gerne über sich lesen?
Bill und Geiser: Dass wir die drei Sitze im Grossrat geholt haben!
BärnerBär: Wenn Sie einen politischen Wunsch frei hätten: Welcher wäre das?
Bill: Ich wünsche mir das Stimmrecht für alle in Bern lebenden Menschen, unabhängig von ihrem Pass – also ein Stimmrecht für Ausländerinnen und Ausländer.
Geiser: Wenn ich mir alles wünschen dürfte, dann das Verschwinden von Armut.
BärnerBär: Wohin zieht es Sie dieses Jahr in die Ferien?
Geiser: Nach Schottland.
Bill (lacht): Mich auch! Aber wir reisen zeitversetzt und ja, klar, beide mit dem Zug. Und eben, die mehrtägige Wanderung will ich noch planen.
INFO ZUR SERIE
Zum Jahresauftakt befragt der BärnerBär die Fraktionspräsidentinnen und -präsidenten der grössten Berner Parteien zu deren Zielen und Wünschen 2026.
Den Auftakt machten Alexander Feuz und Thomas Glauser von der SVP.








