Seit gut einer Woche sind Antigen-Schnelltests auf das Coronavirus nicht mehr kostenlos. Die Nachfrage ist zwar etwas eingebrochen, aber noch immer gross.
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Eine Apothekerin testet letzten November eine Frau auf das Coronavirus. Inzwischen sind die Tests kostenpflichtig, die Nachfrage ist leicht gesunken. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Antigen-Schnelltests für Symptomfreie sind seit dem 11. Oktober kostenpflichtig.
  • Die meisten Anbieter berichten von einem Nachfrageeinbruch.

Das erste Wochenende ohne Gratis-Tests ist vorbei – nun ziehen die Spitäler, Arztpraxen und Apotheken Bilanz: Fast überall haben sich weniger Menschen auf das Coronavirus testen lassen, einige berichten gar von einem enormen Nachfrage-Einbruch. Nur ein Testcenter hat andere Erfahrungen gemacht.

Auf die Frage von Nau.ch, ob sich die Änderung bereits bei den Test-Zahlen bemerkbar gemacht hätten, erklärt etwa Cedric Gulino von der Berner Zeughaus-Praxis: «Ja und wie!» Pro Tag führe die Praxis im Durchschnitt 20 bis 30 Abstriche durch, am Freitag waren es ungefähr 30.

Früher gab es deutlich arbeitsreichere Tage, wie Gulino berichtet: «Wir hatten an einem Freitag 137 Tests.» Jetzt habe die Nachfrage abgenommen, sei aber noch immer «relativ gut».

Auch Nachfrage für Gratis-Tests zurückgegangen

Nicolas Lutz von der Kirchenfeldapotheke in Bern hat ebenfalls einen Rückgang beobachtet. Er gibt jedoch zu bedenken: «Im Kanton Bern sind am Wochenende die Ferien zu Ende gegangen. Nach den Ferientagen geht die Nachfrage jeweils sowieso etwas zurück.»

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Antigen-Schnelltests zum Coronavirus sind seit rund einer Woche kostenpflichtig.
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Die Testanbieter bemerken noch keine grossen Nachfrage-Einbrüche. Dieses Archivbild zeigt eine Tessiner Ärztin, die letzten März einen Schnelltest durchführt.
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Einige Apotheken bieten aber gar keine Schnelltests mehr an.
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Testzentren gibt es in den Städten dafür inzwischen viele.

Der Zusammenhang mit den kostenpflichtigen Tests zum Coronavirus erscheine ihm dennoch logisch. «Wenn man ihn selber zahlen muss, lässt man den Test eher einmal aus, als wenn er gratis ist.»

In der Berner Hirslanden Klinik Permanence lag die Nachfrage unter der Woche stabil bei 15 bis 35 täglichen Tests. Sprecherin Anna-Lea Enzler berichtet: «Am Wochenende verzeichnet das Testcenter einen Rückgang von rund fünf bis neun auf zwei bis vier Tests pro Wochenendtag.»

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Im Testcenter des Berner Salem-Spitals seien die Zahlen extrem gesunken. «Der Rückgang beträgt rund 50 Prozent. Besonders unter der Woche hat sich die Nachfrage enorm reduziert», so Enzler.

Einzig beim Testcenter der Arztpraxis Südland in Bern hat sich der Stopp der Gratis-Tests nicht bemerkbar gemacht. Gegenüber Nau.ch berichtet Arzt Daniel Flach: «Es war auch nach Einführung der Kostenpflicht kein Rückgang der Nachfrage zu verzeichnen. Vor dem Wochenende hatten wir praktisch wie vor den Herbstferien eine sehr grosse Nachfrage.»

Tests für Coronavirus schweizweit weniger gefragt

Doch nicht nur in der Bundesstadt, sondern schweizweit scheinen weniger Tests auf das Coronavirus durchgeführt worden zu sein. In den Coop-Vitality-Apotheken, die Filialen von Genf über Zürich bis hin nach Lugano TI führt, sei die Nachfrage letzte Woche zurückgegangen. Das berichtet Coop-Sprecher Kevin Blättler auf Anfrage.

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Auch in den Coop-Vitality-Apotheken wurden letzte Woche weniger Menschen auf das Coronavirus getestet. (Archivbild) - Keystone

Was auffällt: Einige Test-Apotheken bieten inzwischen gar keine Antigen-Schnelltests für Symptomfreie mehr an. «Wir hatten zu wenig Ressourcen, um weiterhin Tests durchführen zu können. Deshalb bieten wir sie nur noch für Personen mit Symptomen an», sagt eine Berner Apotheken-Mitarbeiterin auf Anfrage von Nau.ch.

Dafür «schiessen Testcenter derzeit nur so aus dem Boden», stellt sie fest. Für eine Auskunft waren – mit Ausnahme derjenigen der Spitäler – die meisten angefragten Zentren allerdings nicht erreichbar.

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