Das Verhalten von Finanzminister Ueli Maurer – «der Querdenker in der Regierung» – hätte andernorts in einem Rücktritt gemündet, analysiert die deutsche «FAZ».
Ueli Maurer
Die «Frankfurter Allgemeine» über Bundesrat Ueli Maurer: «Ein Querdenker in der Regierung» - Telegram

Das Wichtigste in Kürze

  • Gemäss der FAZ hat die Schweiz einen «Querdenker in der Regierung».
  • Gemeint ist Finanzminister Ueli Maurer, der mit Aussagen über die Covid-Krise polarisiert.

«Ein Querdenker in der Regierung», titelte die «Frankfurter Allgemeine» in ihrer Sonntagsausgabe. Damit gemeint ist jedoch nicht etwa einer der Kanzlerkandidaten, sondern der Schweizer Finanzminister Ueli Maurer.

Die Schlagzeilen rund um den Bundesrat blieben also auch in Deutschland nicht unbemerkt. Ueli Maurer habe sich bei «Corona-Schwurblern und Impfgegnern beliebt gemacht, indem er ein Hemd der sogenannten Freiheitstrychler überzog». Die Begeisterung dafür hätten die Demonstranten beim versuchten Sturm aufs Bundeshaus mit lauten Ueli-Rufen artikuliert.

Kantonspolizei Bern
Das Personal der Kantonspolizei Bern ist bei den Corona-Demos gefordert.
Kantonspolizei Bern
Am 16. September verhinderte die Berner Polizei einen möglichen «Sturm aufs Bundeshaus».
Kantonspolizei Bern
Oft kommt es zu Auseinandersetzungen mit den Demonstranten.
Kantonspolizei Bern
Und teilweise müssen Gummischrot und Wasserwerfer eingesetzt werden.

Auch Maurers Aussage nach der ersten Corona-Impfung wurde thematisiert: «Ich fand, ich bin so zäh, da war die erste Impfung schon fast zu viel.»

Ueli Maurer stärkt Impfmuffeln den Rücken

Der Bauernsohn stärke mit seinen Aktionen den Impfmuffeln laufend den Rücken. Etwa, wenn er argumentiere, der Staat habe nicht die Aufgabe, jeden vor dem Tode und allen Krankheiten zu beschützen. Dass der Staat diese Aufgabe doch erfüllen sollte, zeige sich in der Bundesverfassung, mahnt der Autor: «Dort steht in Artikel 10, jeder Mensch habe das ‹Recht auf Leben› und auf ‹körperliche und geistige Unversehrtheit›.

Ueli Maurer
Bundesrat Ueli Maurer posiert neben Mitgliedern der «Freiheitstrychler» im Shirt des Vereins.
Ueli Maurer
War noch nie Fan der Impfung oder der Massnahmen gegen das Coronavirus: SVP-Bundesrat Ueli Maurer.
Trump Save America rally in Des Moines, Iowa, USA
Die FAZ vergleicht Ueli Maurer mit dem ehemaligen Präsidenten der USA, Donald Trump.

Zu guter Letzt bediene Maurer mit seinen Aussagen Verschwörungsfantasien, wenn er von einer «Handvoll Experten, von niemandem irgendwo gewählt» berichte, die alle Massnahmen getroffen hätten.

Das passe ins Gejammer anderer SVP-Protagonisten, die Schweiz gleiche einer Diktatur. Und dies, obwohl die «behutsame Pandemiepolitik der Regierung in Bern durch das von Volk und Parlament genehmigte Epidemiengesetz demokratisch einwandfrei legitimiert ist».

Entschuldigung in Donald-Trump-Manier nimmt ihm niemand ab

«In anderen Ländern müsste ein solches Ausscheren eines amtierenden Ministers aus dem Regierungskonsens wohl unweigerlich in dessen Rücktritt münden.» Doch in der Schweiz gebe es keine Rücktrittskultur.

Ueli Maurer sei ohnehin als Provokateur bekannt. «Daher nimmt ihm auch niemand seine in Donald-Trump-Manier nachgeschobene, allzu unschuldige Erklärung ab, er habe ja gar nicht gewusst, in welchem politischen Zusammenhang das Leibchen der Freiheitstrychler stehe.

Glauben Sie, Ueli Maurer kannte den politischen Kontext der «Freiheitstrychler» nicht?

Die Rechtspopulisten der SVP schlachteten den Unmut von Teilen der Bevölkerung aus, um neue Wähler zu gewinnen. Und zwar «ohne Rücksicht auf Verluste», urteilt die deutsche Qualitätszeitung.

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