Donald Trump: Deshalb ist Grönland für ihn geopolitisch so wichtig
Donald Trump will Grönland übernehmen. Wie wichtig ist die Insel geopolitisch wirklich? Und: Droht sie – ohne USA – Russland oder China in die Hände zu fallen?

Das Wichtigste in Kürze
- Grönland ist sicherheitspolitisch zentral für die USA.
- Trumps Warnungen vor einer russischen oder chinesischen Übernahme sind stark übertrieben.
- Der Klimawandel ist für Grönland die grösste reale Bedrohung.
Donald Trump lässt nicht locker: Immer wieder betont der US-Präsident, die USA müssten Grönland übernehmen.
Die riesige arktische Insel sei strategisch unverzichtbar. Und sie dürfe keinesfalls in den Einflussbereich Russlands oder Chinas geraten.
Donald Trump argumentiert mit Sicherheitsinteressen, Rohstoffen und dem wachsenden geopolitischen Wettbewerb in der Arktis.
Doch wie realistisch sind diese Argumente? Und: Wie gross ist Grönlands tatsächliche Bedeutung?
Darüber hat Nau.ch mit Gabriella Gricius gesprochen. Sie forscht zur Sicherheitspolitik in Nordeuropa und der Arktis und ist Postdoktorandin an der Universität Konstanz.
Schlüsselrolle für die Verteidigung Nordamerikas
Aus geopolitischer Sicht ist Grönland tatsächlich wichtig, sagt Gricius. Vor allem für die Verteidigung der USA.
Diese Bedeutung reicht bis in den Kalten Krieg zurück. Damals errichteten die Amerikaner den Luftwaffenstützpunkt Thule, heute bekannt als Weltraumbahnhof Pituffik. Ziel war es, sich gegen ballistische Raketen aus der Sowjetunion zu schützen.

Auch heute sei Grönland «von zentraler Bedeutung für die Erkennung neuer, hochentwickelter Raketen, die über den Nordpol fliegen», erklärt Gricius.
Die Insel liege strategisch so, dass sie Frühwarnsysteme und Radarüberwachung ermögliche, was im Kerninteresse der US-Verteidigung liegt.
Hinzu kommt die maritime Dimension. Grönland spielt eine wichtige Rolle bei der Überwachung der sogenannten GIUK-Lücke, also des Seegebiets zwischen Grönland, Island und Grossbritannien.
Diese Passage sei deshalb so sensibel, weil sie «die einzige Route für russische U-Boote in den Nordatlantik darstellt», so Gricius. Für die Nato ist diese Region damit ein sicherheitspolitischer Engpass.
Rohstoffe: Grosses Potenzial, grosse Hürden
Neben der militärischen Lage rücken auch die Bodenschätze immer stärker in den Fokus. Seltene Mineralien gelten als Schlüsselressourcen des 21. Jahrhunderts. Sowohl für militärische als auch für zivile Technologien.
«Sie sind unerlässlich für die Herstellung von Verteidigungsgütern wie F-35-Kampfjets oder moderner Technologien wie Elektrofahrzeugen und Smartphones», sagt Gricius.
Derzeit dominiere China sowohl die Verarbeitung als auch den Abbau vieler dieser Mineralien.
Genau hier kommt Grönland ins Spiel: Die Insel verfüge über zahlreiche unerschlossene Vorkommen, etwa von Zink oder Graphit.
Doch der Abbau sei alles andere als einfach. Eisdecke, strenge Umweltauflagen, politische Hürden und der Widerstand der lokalen Bevölkerung machten grossflächige Projekte extrem schwierig.
Die Übertreibungen von Donald Trump
Was bedeutet Grönland für die Weltpolitik?
Trump warnt regelmässig davor, dass Russland oder China Grönland unter ihre Kontrolle bringen könnten, falls die USA nicht handeln.
Für Gricius sind diese Szenarien klar überzeichnet. «Das ist weder realistisch noch glaubwürdig», stellt sie unmissverständlich klar.
Wenn Donald Trump von russischen oder chinesischen Schiffen spreche, die Grönland bedrohten, handle es sich um eine «inszenierte Krise».
Die betreffenden Schiffe befänden sich in der Beringstrasse. Also bei Alaska und damit «auf der anderen Seite der USA».
Solche Aussagen dienten offensichtlich dazu, andere politische Ziele zu rechtfertigen, nicht aber einer realistischen Bedrohungsanalyse.
Der Klimawandel als eigentlicher Treiber
Während die geopolitische Konkurrenz viel Aufmerksamkeit erhält, sieht Gricius die grösste Gefahr für Grönland woanders.
«Der Klimawandel stellt die grösste Bedrohung für die Arktis und die Bevölkerung Grönlands dar», sagt sie.

Steigende Temperaturen veränderten Jagdgewohnheiten, bedrohten die Ernährungssicherheit und prägten den Alltag der Menschen auf der Insel massiv.
Gleichzeitig wird der Klimawandel von Staaten wie den USA instrumentalisiert. Denn: Schmelzendes Eis bedeutet leichteren Zugang zu Ressourcen und Bodenschätzen.
Und vergrössert damit insbesondere auch das Interesse von Donald Trump an Grönland massiv.



















