Donald Trump: Deshalb ist Grönland für ihn geopolitisch so wichtig

Stephan Felder
Stephan Felder

Grönland,

Donald Trump will Grönland übernehmen. Wie wichtig ist die Insel geopolitisch wirklich? Und: Droht sie – ohne USA – Russland oder China in die Hände zu fallen?

donald trump
Will Grönland unbedingt: US-Präsident Donald Trump. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Grönland ist sicherheitspolitisch zentral für die USA.
  • Trumps Warnungen vor einer russischen oder chinesischen Übernahme sind stark übertrieben.
  • Der Klimawandel ist für Grönland die grösste reale Bedrohung.

Donald Trump lässt nicht locker: Immer wieder betont der US-Präsident, die USA müssten Grönland übernehmen.

Die riesige arktische Insel sei strategisch unverzichtbar. Und sie dürfe keinesfalls in den Einflussbereich Russlands oder Chinas geraten.

Donald Trump argumentiert mit Sicherheitsinteressen, Rohstoffen und dem wachsenden geopolitischen Wettbewerb in der Arktis.

Doch wie realistisch sind diese Argumente? Und: Wie gross ist Grönlands tatsächliche Bedeutung?

Darüber hat Nau.ch mit Gabriella Gricius gesprochen. Sie forscht zur Sicherheits­politik in Nordeuropa und der Arktis und ist Postdoktorandin an der Universität Konstanz.

Schlüsselrolle für die Verteidigung Nordamerikas

Aus geopolitischer Sicht ist Grönland tatsächlich wichtig, sagt Gricius. Vor allem für die Verteidigung der USA.

Diese Bedeutung reicht bis in den Kalten Krieg zurück. Damals errichteten die Amerikaner den Luftwaffenstützpunkt Thule, heute bekannt als Weltraumbahnhof Pituffik. Ziel war es, sich gegen ballistische Raketen aus der Sowjetunion zu schützen.

Donald Trump
Gabriella Gricius forscht zur Sicherheitslage in Nordeuropa und der Arktis. - zVg

Auch heute sei Grönland «von zentraler Bedeutung für die Erkennung neuer, hochentwickelter Raketen, die über den Nordpol fliegen», erklärt Gricius.

Die Insel liege strategisch so, dass sie Frühwarnsysteme und Radarüberwachung ermögliche, was im Kerninteresse der US-Verteidigung liegt.

Wird Grönland bald zu den USA gehören?

Hinzu kommt die maritime Dimension. Grönland spielt eine wichtige Rolle bei der Überwachung der sogenannten GIUK-Lücke, also des Seegebiets zwischen Grönland, Island und Grossbritannien.

Diese Passage sei deshalb so sensibel, weil sie «die einzige Route für russische U-Boote in den Nordatlantik darstellt», so Gricius. Für die Nato ist diese Region damit ein sicherheitspolitischer Engpass.

Rohstoffe: Grosses Potenzial, grosse Hürden

Neben der militärischen Lage rücken auch die Bodenschätze immer stärker in den Fokus. Seltene Mineralien gelten als Schlüsselressourcen des 21. Jahrhunderts. Sowohl für militärische als auch für zivile Technologien.

«Sie sind unerlässlich für die Herstellung von Verteidigungsgütern wie F-35-Kampfjets oder moderner Technologien wie Elektrofahrzeugen und Smartphones», sagt Gricius.

Derzeit dominiere China sowohl die Verarbeitung als auch den Abbau vieler dieser Mineralien.

Genau hier kommt Grönland ins Spiel: Die Insel verfüge über zahlreiche unerschlossene Vorkommen, etwa von Zink oder Graphit.

Doch der Abbau sei alles andere als einfach. Eisdecke, strenge Umweltauflagen, politische Hürden und der Widerstand der lokalen Bevölkerung machten grossflächige Projekte extrem schwierig.

Die Übertreibungen von Donald Trump

Was bedeutet Grönland für die Weltpolitik?

Trump warnt regelmässig davor, dass Russland oder China Grönland unter ihre Kontrolle bringen könnten, falls die USA nicht handeln.

Für Gricius sind diese Szenarien klar überzeichnet. «Das ist weder realistisch noch glaubwürdig», stellt sie unmissverständlich klar.

Was glaubst du, warum will Trump Grönland?

Wenn Donald Trump von russischen oder chinesischen Schiffen spreche, die Grönland bedrohten, handle es sich um eine «inszenierte Krise».

Die betreffenden Schiffe befänden sich in der Beringstrasse. Also bei Alaska und damit «auf der anderen Seite der USA».

Solche Aussagen dienten offensichtlich dazu, andere politische Ziele zu rechtfertigen, nicht aber einer realistischen Bedrohungsanalyse.

Der Klimawandel als eigentlicher Treiber

Während die geopolitische Konkurrenz viel Aufmerksamkeit erhält, sieht Gricius die grösste Gefahr für Grönland woanders.

«Der Klimawandel stellt die grösste Bedrohung für die Arktis und die Bevölkerung Grönlands dar», sagt sie.

Grönland
Der Klimawandel ist die grösste Bedrohung für Grönland und seine Bewohner. - keystone

Steigende Temperaturen veränderten Jagdgewohnheiten, bedrohten die Ernährungssicherheit und prägten den Alltag der Menschen auf der Insel massiv.

Gleichzeitig wird der Klimawandel von Staaten wie den USA instrumentalisiert. Denn: Schmelzendes Eis bedeutet leichteren Zugang zu Ressourcen und Bodenschätzen.

Und vergrössert damit insbesondere auch das Interesse von Donald Trump an Grönland massiv.

Kommentare

die Gedanken sind frei

Sie gehöre zu den einflussreichsten politischen Anführern der Welt, wurde Ursula von der Leyen vor ihrer Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt. Mit Klarheit und großer Zielstrebigkeit vertrete die EU-Kommissionspräsidentin die Grundwerte der Europäischen Union. - Noch Fragen?!?

User #3879 (nicht angemeldet)

Ich wähle ab jetzt nur noch DIE BLAUEN. Denn nur DIE BLAUEN setzen sich ein, für die Pflege der Sozbier-Kultur im Lande. Ihr Parteiprogramm ist einfach und pragmatisch. Es lautet "Hehehe LOL!"

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