Donald Trump verspricht tiefste Ölpreise nach dem Krieg – nur Bluff?

Nicolas Eggen
Nicolas Eggen

USA,

Donald Trump greift den Iran an und der Ölpreis steigt. Er verspricht jedoch bei einem Ende des Konflikts massiv niedrigere Ölpreise. Ist das realistisch?

Donald Trump
Donald Trump sagt: «Wenn wir mit dem Iran fertig sind, werden die Ölpreise auf ein Niveau sinken, auf dem sie vorher nie waren.» - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem Beginn des Iran-Kriegs steigen die Ölpreise.
  • Trump sagt, nach dem Krieg würden die Ölpreise auf ein nie dagewesenes Niveau sinken.
  • Laut Experten wären tiefere Preise möglich. Dafür müsste aber noch einiges passieren.

Donald Trump hat beim Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz einmal mehr mit einer plakativen Aussage für Aufsehen gesorgt: Sollte der Konflikt mit dem Iran beendet werden, würden die Ölpreise massiv fallen, behauptete der US-Präsident im Weissen Haus.

Donald Trump sagte: «Wenn wir mit dem Iran fertig sind, werden die Ölpreise auf ein Niveau sinken, auf dem sie vorher nie waren.» Das prognostizierte Trump, nachdem Merz mögliche Wirtschaftsprobleme in Folge des Krieges angesprochen hatte.

«Natürlich trifft das unsere Wirtschaft», hatte Merz zuvor gesagt. Das gelte besonders für die Öl- und Gaspreise. Deshalb hoffe er, dass der Krieg so schnell wie möglich vorbei sein werde.

Ölpreise steigen seit Iran-Krieg

Denn: Die Ölpreise setzen ihren Höhenflug nach dem Beginn des Iran-Krieges fort. Obwohl Trump ankündigte, US-Marine würden die Tankschiffe bei der Durchfahrt durch die Strasse von Hormus eskortieren, falls nötig. Das konnte den Anstieg der Ölpreise nur zeitweise bremsen.

hormus
Die Strasse von Hormus (rot markiert) ist das wichtigste Nadelöhr für den Ölexport nach Asien (China, Indien, Japan), Westeuropa und in die USA. - OpenStreetMap

Wie kommt Donald Trump also auf sinkende Ölpreise? Und wie realistisch ist es, dass sie nach dem Iran-Krieg dauerhaft auf neue Tiefststände fallen?

Experten ordnen ein.

Ölpreise: Donald Trump hofft auf Iran ohne Sanktionen

Ueli Bamert von Avenergy, dem Verband der Importeure flüssiger Brenn- und Treibstoffe, erklärt bei Nau.ch: «Abgesehen vom aktuellen Konflikt befanden sich die Ölpreise in den letzten Monaten durchgehend auf einem verhältnismässig tiefen Niveau.»

Dies sei insbesondere wegen der nach wie vor «mässigen Konjunkturaussichten» weltweit der Fall. Bamerts Prognose: «Der Ölpreis dürfte sich nach einem Ende des Konflikts rasch wieder auf dieses Niveau bewegen.»

Bereiten dir die gestiegenen Benzinpreise Sorgen?

Die Preise werden also voraussichtlich eher tief, aber nicht tief wie nie zuvor.

«Worauf Donald Trump allerdings ansprechen dürfte, ist die langfristige Aussicht», erklärt Der Rohstoffexperte.

Ein freier und somit nicht mehr sanktionierter Iran könnte laut Bamert «seine volle Kraft als ölexportierende Nation entfalten.» Damit würde mehr Öl auf den Weltmarkt gelangen und die Preise würden sinken.

Denn: «Der Iran verfügt über eine der grössten nachgewiesenen Ölreserven weltweit. Momentan kann das Land wegen der Sanktionen sein Potenzial aber nur sehr bedingt ausschöpfen», so Bamert.

«Selbstverständlich sind solche Prognosen spekulativ und von zahlreichen unvorhersehbaren Faktoren abhängig», gibt Bamert aber zu bedenken.

Will Trump an die Ölreserven des Iran?

Als die USA den venezolanischen Machthaber Nicolas Maduro entführten, war klar: Es ging Trump auch um die Ölreserven Venezuelas. Auch beim Angriff auf den Iran?

«Der Zugriff auf Ölreserven im Iran ist meines Erachtens kein strategisches Ziel», sagt Manfred Elsig auf Anfrage. Er ist Professor für Internationale Beziehungen am World Trade Institute an der Uni Bern.

Die USA seien vor allem an stabilen und tiefen Ölpreisen interessiert. Das militärische Vorgehen in der Region bringe jetzt aber kurzfristig «unnötig Instabilität.»

iran öl
Den Zugriff auf Ölreserven im Iran sind meines Erachtens kein strategisches Ziel», sagt Manfred Elsig. - keystone

Hinzu kommt: «Die USA haben gute Beziehungen zu ölexportierenden Golfstaaten aufgebaut und das persische Regime recht gut regional isolieren können.» Trump brauche das iranische Öl also nicht.

US-Experte vermutet: Amis wäre gefügige Diktatur lieber als Demokratie

Der Experte findet ohnehin, dass der US-Angriff strategisch keinen klaren Sinn ergibt. «Der Angriff ist weder geopolitisch noch sicherheitspolitisch nachzuvollziehen», sagt Elsig. Vom Iran gehe schliesslich keine unmittelbare Gefahr für die USA aus.

«Die Indizien scheinen eher für eine Erklärung zu sprechen, dass die Trump-Regierung hier dem Lead der israelischen Regierung gefolgt ist.»

Ähnlich sieht es der US-Experte Reinhard Heinisch, Politikwissenschaftler und Professor an der Universität Salzburg: «Ich meine, dass Öl hier nur eine indirekte Rolle spielt.»

Wird der Iran bald zur Demokratie?

Die energie­reiche Region sei grundsätzlich wichtig, «doch im Zentrum steht die Sicherheit Israels». Ziel sei laut Heinisch weniger ein Regimewechsel. Sondern vielmehr, das bestehende Regime so unter Druck zu setzen, dass es eine US‑konforme Politik verfolge.

Heinisch: «Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass den USA eine gefügige Diktatur lieber wäre als eine Demokratie.» Denn bei einer Demokratie bliebe der weitere politische Verlauf offen und wäre damit schwerer kontrollierbar, erklärt der US-Experte.

Kommentare

User #6195 (nicht angemeldet)

Kein Wunder will Trump auf Grönland ein "Raketenschutzschild" .... sonst ereichen iranische Raketen vielleicht Mar a Lago.

User #2434 (nicht angemeldet)

Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt - Herr Trump.

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