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Nach Grönland-Zoff: Nato startet Arktis-Einsatz

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Grönland,

Die Nato hat ihren Arktis-Einsatz «Arctic Sentry» gestartet. Er soll zur Deeskalation zwischen Grönland und den USA beitragen.

Mark Rutte
Nato-Generalsekretär Mark Rutte. - keystone

Die Nato erhöht ihre Militärpräsenz in der Arktis, um zur weiteren Deeskalation des von US-Präsident Donald Trump angezettelten Grönland-Konflikts beizutragen.

Wie Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich ankündigte, hat die Allianz dazu ihren Einsatz namens «Arctic Sentry» (etwa: Wächter der Arktis) gestartet. Ziel sei es, eines der strategisch bedeutendsten und zugleich klimatisch herausforderndsten Gebiete abzusichern, erklärte der US-General.

Verbessert werden soll demnach die Überwachung der riesigen Eisinsel und die Abschreckung der Grossmächte Russland und China. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits im Januar signalisiert, dass Deutschland Kapazitäten stellen würde. Die Bundeswehr plant nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa), sich mit Eurofightern sowie Transportflugzeugen vom Typ A400M zu beteiligen.

Die verstärkte Bündnispräsenz im hohen Norden war von Alliierten wie Grossbritannien angeregt worden, um den Streit um Grönland zu entschärfen. In diesem hatte US-Präsident Donald Trump zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der riesigen Insel an sein Land erzwingen wollen. Sein Vorgehen begründete er mit der Behauptung, dass das zu Dänemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei. Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und mehr als 50 Mal so gross wie die Schweiz, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner.

Zuletzt teilte Trump dann nach einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, dass ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktis-Region entworfen worden sei. Dieser sieht unter anderem vor, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewährleisten – insbesondere durch das der sieben arktischen Alliierten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.

Angaben aus Nato-Kreisen zufolge sollen die USA zudem ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten dürfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht über bestimmte Investitionen auf der rohstoffreichen Arktisinsel bekommen.

In der Nato wird dabei betont, dass der hohe Norden ein Tor zum Nordatlantik darstelle und wichtige Handels-, Transport- und Kommunikationsverbindungen zwischen Nordamerika und Europa beherberge, die geschützt werden müssten. Der Kreml betrachte die Arktis als zentral für seine Grossmachtambitionen und zeige keine Anzeichen, seine militärischen und wirtschaftlichen Ambitionen dort zurückzufahren, heisst es in Bündniskreisen.

Im Gegenteil habe Russland seine militärischen Aktivitäten dort sogar deutlich verstärkt, ein neues Arktis-Kommando eingerichtet sowie ehemalige sowjetische Militärstandorte in der Arktis wieder in Betrieb genommen – darunter Flugfelder und Tiefwasserhäfen.

Auch Chinas wachsendes Interesse am hohen Norden sei besorgniserregend, da Peking versuche, Zugang zu Energie, kritischen Rohstoffen und zu See- und Kommunikationslinien zu erhalten.

Grossbritannien kündigte am Mittwoch an, die Zahl seiner in Norwegen stationierten Soldaten innerhalb von drei Jahren von aktuell rund 1.000 auf 2.000 verdoppeln zu wollen. Dies soll auch zur Abschreckung in der Region beitragen. «Die Anforderungen an die Verteidigung steigen, und Russland stellt die grösste Bedrohung der Arktis und des hohen Nordens dar, die wir seit dem Kalten Krieg gesehen haben», erklärte Verteidigungsminister John Healey.

Einen ähnlichen Einsatz wie «Arctic Sentry» hatte die Nato zuletzt im vergangenen September unter dem Eindruck von Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Kamikaze-Drohnen gestartet. Er heisst «Eastern Sentry» (deutsch etwa: Wächter des Ostens) und führte insbesondere zu einer Mobilisierung von zusätzlichen Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten. Deutschland stationierte Kampfjets vom Typ Eurofighter auf dem polnischen Militärflugplatz Malbork.

«Arctic Sentry» soll vom operativen Hauptquartier Norfolk im US-Bundesstaat Virginia geführt werden. Dieses ist unter anderem für den Atlantik, die Arktis, Grönland, Island, Norwegen und Grossbritannien sowie seit Kurzem auch Dänemark, Schweden und Finnland zuständig.

Für die Nato ist der Grönland-Konflikt seit Monaten ein höchst brisantes Thema. Einerseits muss das Bündnis um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenn ein führendes Mitglied androht, sich notfalls durch wirtschaftlichen oder militärischen Zwang Gebiete eines anderen Nato-Staates einzuverleiben – vor allem auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas Ansprüche auf Taiwan.

Andererseits wäre es für die Nato ein Super-GAU, wenn die USA im Streit über ein solches Thema aus dem Bündnis austreten würden, weil die Abschreckung der Nato vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der Stärke der konventionellen Streitkräfte der USA beruht.

Kommentare

User #5926 (nicht angemeldet)

Ich schätze die NATO als etwas schwach ein und frage mich, ob die USA diesen Arktis-Schutz nicht besser, effektiver und vor allem effizienter machen würden. Es war von Trump tatsächlich leider etwas ungünstig und provokativ, die Grönländer verbal so zu überfallen, aber schlussendlich merkt auch die Bevölkerung von Grönland das oben erwähnte Problem, die fehlende emotionale Nähe zum „Mutterland“ Dänemark und zur EU. Nicht zuletzt liegt diese Insel sehr nahe beim amerikanischen Kontinent, aber weit entfernt vom europäischen Kontinent. Auch dies ein Punkt für die USA. Warum wird zu dieser existenziellen Frage nicht eine demokratische Volksabstimmung durchgeführt?

User #5926 (nicht angemeldet)

Ich schätze die NATO als etwas schwach ein und frage mich, ob das die USA diesen Arktisschutz nicht besser und effektiver machen würden. Es war von Trump natürlich ungünstig, die Grönländer verbal so zu überfallen, aber schlussendlich merkt auch die Bevölkerung von Grönland das oben erwähnte Problem, die emotionale Nähe zum „Mutterland“ Dänemark und zur EU fehlt. Nicht zuletzt liegt diese Insel sehr nahe beim amerikanischen Kontinent, aber weit entfernt vom europäischen Kontinent.

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