Formel 1 in der Krise: Droht mit den neuen Autos ein Racing-Debakel?
Das Fazit nach den ersten Testfahrten der Formel 1 lässt Schlimmes ahnen: Das neue Regelwerk könnte sich als Reinfall entpuppen. Es herrscht Ernüchterung.

Das Wichtigste in Kürze
- Die neuen Formel-1-Regeln drohen sich als fataler Fehlgriff zu entpuppen.
- Energie-Management, Clipping, fehlender Abtrieb – die Autos machen bislang wenig Spass.
- Läuft die Königsklasse Gefahr, sich nachhaltigen Schaden zuzufügen?
Die ersten Tests der Formel-1-Saison 2026 haben die schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Die neuen Regelwerke bringen erhebliche Schwierigkeiten mit sich. Was hinter den Kulissen seit Jahren prognostiziert wurde, hat sich bei den Bahrain-Testtagen als traurige Realität herausgestellt.
Die Regeländerungen für 2026 gelten als die umfangreichsten in der Geschichte der Formel 1. Gleichzeitig wurden die Vorschriften für Chassis und Antriebsstrang überarbeitet. Diese doppelte Reform führt zu unerwarteten Komplikationen.

Auf der Antriebsseite sollten die Vorschriften vereinfacht werden. Das Ziel war, mehr Motorenhersteller für die Königsklasse zu gewinnen. Denn nach dem Ausstieg von Alpine drohte der Formel 1 eine Zukunft mit nur zwei Herstellern.
Ist das neue Reglement ein Schuss ins Knie?
Dieser Plan ging auf: Red Bull und Audi stiegen neu ein, Honda kehrte zurück, zudem bringt Cadillac ab 2029 ein eigenes Triebwerk. Diese Vielfalt war ein wichtiges Ziel der Regelreform. Ohne die Änderungen wären nur Mercedes und Ferrari übrig geblieben.

Bei der Aerodynamik wollten die Regelhüter die Luftverwirbelungen hinter den Autos reduzieren. Die Probleme der Ground-Effect-Autos sollten verschwinden, Fahrer sollten einander wieder näher folgen können. Dafür führten sie den flachen Boden wieder ein.
Aber der Plan scheint nach hinten losgegangen zu sein: Zwar erzeugen die neuen, flacheren Unterböden weniger «Dirty Air». Und schmalere Frontflügel und generell kleinere Autos reduzieren den Downwash-Effekt ebenfalls.
Doch der Abtriebs-Verlust beim Hinterherfahren bleibt – und wird zunehmen, wenn die neuen Autos aerodynamisch weiterentwickelt werden.

Das grösste Problem aber ist der neue Antriebsstrang: Die Motoren leiden unter «Clipping» – einem Abschalten des Hybrid-Anteils, weil die Batterie leer ist. Das kostet unter dem neuen Reglement fast 400 PS.
Auf den Geraden sinkt die Leistung dramatisch
Und dann gibt es noch «Super-Clipping», bei dem der Verbrennungsmotor die Batterie sogar aufladen muss. Dann sinkt die Leistung – so die ersten Eindrücke aus Bahrain – auf Geraden auf teilweise deutlich unter 500 PS. Und die Kapazität der Batterien reicht nicht für eine ganze Vollgas-Runde.
Für die Fahrer heisst das: Sie sind ab sofort überwiegend Energie-Manager, nicht mehr Rennfahrer. Obendrein greifen Software und mittlerweile auch KI-gestützte Systeme in den Energie-Haushalt mit ein. Die Fahrer laufen Gefahr, gar nicht zu wissen, warum sie plötzlich Leistung verlieren.

Und auch für die Fans wird der Sport noch unverständlicher: Von aussen ist für die Zuschauer nicht ersichtlich, warum ein Auto auf den Geraden plötzlich drastisch langsamer wird. Vom Sicherheits-Faktor – etwa dem Risiko von Auffahrunfällen mit hohem Tempo – ganz zu schweigen.
Scharfe Kritik von den Ex-Weltmeistern
Offen über diese Probleme gesprochen haben in Bahrain nur drei Fahrer: Max Verstappen fand die deutlichsten Worte, auch Lewis Hamilton und Fernando Alonso äusserten Kritik. Andere wollen mit einem Urteil zumindest bis zum Saisonauftakt in Australien warten.

Bis dahin ist zumindest bei einigen Teams schon mit rasanten Fortschritten zu rechnen. Die Daten-Auswertung von Bahrain wird die Energie-Management-Software verbessern, Aerodynamik-Updates werden fehlenden Abtrieb wettmachen. In der Formel 1 werden Probleme im Eiltempo gelöst.
Braucht die Formel 1 ein Notfall-Reglement?
Aber das fundamentale Problem – nämlich die Philosophie hinter dem neuen Reglement – bleibt bestehen. Zumindest bis 2030 wird Energie-Management, nicht fahrerisches Talent oder reiner Speed, entscheiden. Probleme wie Clipping wegen zu geringer Batterie-Kapazität sind reglementarisch festgeschrieben.

Die Formel 1 steht vor einem massiven Problem: Das neue Reglement läuft Gefahr, den Sport und damit das TV-Produkt nachhaltig zu schädigen. Die Königsklasse setzt damit den immensen Boom der letzten Jahre unnötig aufs Spiel.
Die neuen Autos sind auf eine Runde gesehen langsamer als ihre Vorgänger, und sie wirken auch langsamer. Das Racing auf der Strecke leidet unter dem Energie-Management. Das wird Fans vergraulen: Das wiederum schadet den TV-Quoten und damit der finanziellen Gesundheit der Serie.

Mittelfristig wird nur eine drastische Reglements-Kehrtwende die Probleme lösen. Dafür müssten aber die Hersteller zustimmen – auch neue Motoren-Lieferanten wie Honda, Audi und Red Bull. Und das würde deren horrende Entwicklungskosten zunichte machen. Es drohen harte Zeiten für die Formel 1 ...
















