Olympia 2026: Darf sein Coach über Meillard-Gold so jubeln?
Weil Atle Lie McGrath einfädelt, holt sich Loïc Meillard Slalom-Gold bei Olympia 2026. Der Jubel seines Trainers sorgt allerdings für Diskussionen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Swiss-Ski-Coach Thierry Meynet jubelt direkt nach dem Aus von Atle Lie McGrath.
- Weil der Norweger einfädelt, holt sich Meillard Slalom-Gold.
- Die Skandinavier ärgern sich über Meynets verhalten – bei Nau.ch ist man sich uneinig.
Loïc Meillard krönt den Auftritt der Schweizer Ski-Stars bei Olympia 2026: Er holt Gold im Slalom – und damit seine dritte Medaille an diesen Winterspielen.

Nach dem 1. Lauf ist Meillard noch Zweiter. Doch der Norweger Atle Lie McGrath kann den Angriff des Schweizers im 2. Lauf nicht kontern: Er scheidet aus. Was den Norwegern sauer aufstösst: Swiss-Ski-Trainer Thierry Meynet steht beim Out von McGrath wenige Meter daneben – und jubelt danach ausgiebig.
Ist das Verhalten unsportlich – oder sind das die üblichen Renn-Emotionen? Bei Nau.ch ist man sich nicht einig.
Christoph Böhlen, Sportchef
«Ich verstehe die Aufregung um den Gold-Jubel von Thierry Meynet überhaupt nicht! Es ist Spitzensport, es sind die Olympischen Spiele. Und sein Schützling Loïc Meillard holt in dieser Sekunde den grösstmöglichen Erfolg, den es für einen Skifahrer geben kann.

Und jetzt soll Meynet seine grossen Emotionen noch künstlich für ein paar Sekunden zurückhalten? Das ist doch lächerlich – und es wäre vor allem scheinheilig!
Einfädler gehören beim Slalom dazu, es sind die kleinen Fehler, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden.
Wären wir in der Abfahrt und ein Swiss-Ski-Trainer hätte sich über den Sturz eines Odermatt-Konkurrenten gefreut: Das wäre unanständig und unagebracht, da bin ich einverstanden. Aber doch nicht nach einem Einfädler?

Oder glaubt jemand ernsthaft, ein norwegischer Trainer hätte im umgekehrten Fall gewartet, bis Meillard an ihm vorbeigefahren wäre? Natürlich nicht.
Der Einzige, der sich überhaupt darüber ärgern dürfte, ist Atle Lie McGrath. Und der regt sich nach der weggeworfenen Gold-Chance in erster Linie über sich selber auf.»

Andrea Schüpbach, Sport-Redaktor
«Wenn Xherdan Shaqiri beim FCB seinen zweiten Elfmeter im Spiel verschiesst, dann feiern gegnerische Trainer, Fans und Spieler. Es ist Part of the Game.
Thierry Meynet ist aber nicht Lugano-Trainer im Joggeli, sondern Ski-Coach am Slalom-Hang in Bormio. Hier über Einfädler oder Stürze zu juben – das ist ein No-Go. Zu vergleichen mit Doppelfehlern im Tennis oder misslungenen Putts im Golf-Sport.

Atle Lie McGrath erlebt an Olympia 2026 mit dem Tod seines Grossvaters einen Schicksalsschlag nach der Eröffnungsfeier. Im Slalom folgt auch noch sportlich der ‹härteste Moment meiner Ski-Karriere›, so der Weltcup-Leader.
Wo McGrath hinkommt, man mag den sympathischen Norweger. Unter den Athleten oder bei den Fans. Auch in der Schweiz.
Mit den legendären ‹Vogellisi›-Auftritten in Adelboden und Co. holt der 25-Jährige das Publikum auf seine Seite. Die Schweiz freut sich über Meillards Gold, wir jubeln aber nicht über den McGraths Einfädler.
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Ich bin sicher: Das wollte auch Thierry Meynet nicht, dessen grossartige Trainer-Karriere bald endet. Trotzdem: Die Jubel-Faust in den weltweiten TV-Bildern – da hätte sich der langjährige Trainer zusammenreissen müssen.
Das sieht man offenbar auch im Schweizer Lager so. Matteo Joris, Gruppencheftrainer der Schweizer Slalom-Asse, sagt beim ‹Blick›: «Ich habe mich deshalb bei den Norwegern entschuldigt.»

















