Fussball-Talk: Spanien grillt Messi! – Explosionsgefahr beim FCB
Spanien krönt sich bei der XXL-WM gegen Argentinien zum Champion. Und schon steht die neue Saison der Super League vor der Türe: Willkommen beim Fussball-Talk.

Das Wichtigste in Kürze
- Lionel Messi und seine Argentinier verlieren den WM-Final gegen Spanien.
- Bereits am Samstag geht es in der Schweiz mit der Super League los.
- Der FC Basel startet in Genf – YB empfängt am Sonntag den FC Sion.
- Nau.ch-Chefreporter Mischi Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.
Nau.ch: Willkommen zurück aus der «Sommerpause» beim Fussball-Talk. Wir starten natürlich mit dem Blick auf die WM: Ist Spanien der verdiente Weltmeister?
Mischi Wettstein: Halt, so können wir nicht anfangen. Ich habe schon vor dem Turnier auf Spanien gesetzt, das kann man nachlesen. Böhli, wo bleibt deine Gratulation? Du wolltest dich sicher mit deiner wertlosen Bronzemedaille deiner Tuchel-Brüder aus England elegant aus der Affäre ziehen.

Christoph Böhlen: Ist ja gut, Mischi: Herzliche Gratulation an den Tipp-König! Aber es wird noch übler: In unserem Nau-Tippspiel habe ich auf Deutschland gesetzt – da gab es nicht mal annähernd eine Medaille...
Mischi Wettstein: Ich wusste immer: Du bist ein Fachmann... Aber danke, jetzt kann der Fussball-Talk beginnen! Ich habe noch selten so einen Final gesehen, in dem nur ein Team mitgespielt hat.
Die Spanier haben Messis Gauchos so richtig gegrillt und die Argentinier haben sich bis auf die Schlussminuten nicht mal anständig dagegen gewehrt. Sie sollten nicht traurig sein, sondern sich schämen! Für einen final-unwürdigen Auftritt. Spanien ist ohne Wenn und Aber der verdiente Weltmeister!

Christoph Böhlen: Da sind wir uns doch für einmal einig. Aber eine Überraschung ist das nicht, so wie der Titelverteidiger in diesem Turnier aufgetreten ist. Argentinien hat sich regelrecht in den Final gerumpelt. Das hat gar keinen Spass gemacht, Messi hin oder her. Selten habe ich eine so einseitige Stimmung erlebt: Alle hofften auf Spanien…
Nau.ch: Mit dem Final endet die XXL-WM. Wie fällt euer Fazit aus?
Mischi Wettstein: Mein Fazit aus Schweizer Sicht: Die Nati wollte die beste WM aller Zeiten spielen – und das ist mit dem Viertelfinal gelungen. Wenn und Aber interessieren mich nicht. Und was war, können wir nicht ändern. Freuen wir uns einfach über unsere erfolgreiche Nati mit Taktikfuchs Murat Yakin.

Christoph Böhlen: Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Hätte, hätte, Fahrradkette: Es wäre spannend gewesen, ob die Nati mit Johan Manzambi auch Argentinien hätte bezwingen können. Das werden wir nie herausfinden. Aber Mischi, du warst 5 Wochen in den USA und Kanada, was ist dir besonders in Erinnerung geblieben.
Mischi Wettstein: Zunächst die faszinierenden Stadien, die werde ich nicht so schnell vergessen. Allein das SoFi-Stadion in LA war sensationell.
Dazu kommen die Presseplätze in Kühlboxen in den Stadien, das habe ich so auch noch nie erlebt. Draussen herrschte die pure Hitze und du sitzt hinter Glas – mit Pulli – und schlotterst während des Spiels. Zum Glück war es bei den letzten Spielen wieder normal.

Was ausserhalb der Stadien auffällig war: Ich habe rund um die WM keine Aggressionen oder negative Situationen erlebt. Von einer WM-Stimmung war an den meisten Orten aber sehr wenig zu sehen.
Christoph Böhlen: Das ging mir in der Schweiz ähnlich. Hier kam gefühlt nur ab dem Nati-Sechzehntelfinal so etwas wie WM-Stimmung auf. Ansonsten war es deutlich ruhiger, was sicher auch an der Zeitverschiebung lag.
Aus meiner Sicht dauerte diese XXL-WM aber einfach auch schlicht zu lange. Und die vielen negativen Geschichten, wie die Fifa-Intervention bei der Sperre von US-Stürmer Balogun, haben mich genervt. Ich bin ehrlich gesagt froh, ist das Turnier vorbei.

Nau.ch: Danke für das Stichwort, die XXL-WM ist vorbei. Doch statt Fussball-Ferien geht es am Wochenende schon wieder in der Super League los. Seid ihr schon heiss?
Mischi Wettstein: Heiss ist aktuell nur mein linker Oberschenkel. Ein dreifacher Muskelfaserriss und ein gröberes Problem mit meinem linken Adlerauge geniessen momentan Priorität. Den Saisonstart werde ich möglicherweise verpassen und erst später in die neue Saison «hineinhumpeln».
Christoph Böhlen: Ehrlich gesagt: 1-2 Wochen Wettkampf-Pause zwischen WM und Super League wären völlig okay gewesen. Aber man kennt es ja nicht anders – ich freue mich trotzdem auf den Saisonstart.
Nau.ch: Dann gebt doch mal eure ersten Prognosen ab: Wer ist der Titelfavorit, für wen wird es schwer?
Mischi Wettstein: Halt, halt. Wir sind noch viel zu früh dran! Das Transferfenster schliesst erst Anfang September, eine Prognose Ende Juli schiesst am Ziel vorbei. Aber klar ist: Es gibt einige Teams, die sich noch verstärken müssen, wenn sie unter die Top 6 kommen wollen.

Christoph Böhlen: Ich kann euch gerne eine Prognose abgeben, einfach zum jetzigen Stand der Kader: YB gegen Sion vom kommenden Sonntag ist für mich direkt ein veritabler Spitzenkampf! YB hat sich gut verstärkt und Sion konnte sein starkes Team zusammenhalten. Diese beiden Teams werden ganz vorne mitspielen.
Mischi Wettstein: Zugegeben: YB hat gute Transfers gemacht – und zwar bei den Abgängen wie bei den Zuzügen. Cedric Zesiger, Isaac Schmidt und Joel Mall sind für mich Transfers mit Qualität, die das Team verbessern werden. Das war nach dieser unbefriedigenden und miesen Saison auch bitter nötig.
Christoph Böhlen: Schön, sind wir uns mal einig, Mischi. Aber werfen wir doch noch einen Blick auf deine Zürcher Clubs?

Mischi Wettstein: Wir können gerne über den FCZ sprechen. Dort erwarte ich nicht die ganz grossen Transfers. Man geht mit Demut und Bescheidenheit in die Saison – jetzt muss man das aber auch noch als Saisonziel deklarieren.
Wenn man sich vernünftige Ziele setzt und nicht vom grossen Angriff an die Spitze spricht, wäre das vernünftig. Alles andere wäre weltfremd und führt zu Frustration.
Christoph Böhlen: Ich wüsste nicht, mit welcher Begründung man beim FCZ grosse Ziele ausrufen möchte? Das Kader muss doch zwingend noch verbessert werden, Marcel Koller alleine kann schliesslich auch nicht zaubern. Das zeigt auch der Blick auf die vielen verlorenen Testspiele.
Mischi Wettstein: Jetzt kommt wieder Böhli, der Testspiel-Fan. Es zählt einzig und allein ab dem Wochenende, wenn es um Punkte geht!
Nau.ch: Was sagt ihr zu GC?
Mischi Wettstein: Bei den Hoppers hat es wie erwartet «geräbelt», der Club hat neue Besitzer und Sportchef Alain Sutter ist weg. Da muss man abwarten, wie es sich entwickelt. Wie immer haben neue Besitzer eine Chance verdient.

Christoph Böhlen: Also GC wird ganz sicher noch am meisten Kader-Anpassungen bis zum Ende des Transferfensters machen müssen. Das aktuelle Team reicht meiner Meinung nach nicht mal für die Barrage…
Mischi Wettstein: Nur ruhig! Mit Goalie Marvin Hübel vom FC Aarau wurde schon mal ein guter Transfer gemacht. Ich bin gespannt, ob Justin Hammel bei den Hoppers bleibt…
Nau.ch: Wir wollen heute nicht die ganze Liga durchgehen. Aber zum FC Basel wollt ihr sicher noch etwas loswerden?
Mischi Wettstein: David Degen hat den Anspruch klar definiert: Der FCB muss immer international spielen, in einer guten Saison soll es auch weiter nach oben gehen. Dazu braucht es genügend Varianten im Team.

Spannend ist und bleibt die Akte Xherdan Shaqiri: Wenn stimmt, was ich höre, würde er gerne beim FCB verlängern. Sein Vertrag läuft im nächsten Sommer aus. Das ist aktuell kein Thema bei den Bebbi. Sollte das Team dann nicht liefern, halte ich rund um Shaq viele Szenarien für möglich. Der FCB hat viel Explosionsgefahr!
Christoph Böhlen: Der FC Basel ist und bleibt abhängig von Shaqiri. Aus Sicht von Rotblau bleibt zu hoffen, dass Stephan Lichtsteiner einen Weg findet, für ihn die passende Position zu finden. Gelingt das nicht, brennt es am Rheinknie schnell lichterloh.
Nau.ch: Gibt es andere Teams, über die ihr vor dem Saisonstart noch sprechen wollt?
Mischi Wettstein: Ich bin gespannt, wie es beim FC Luzern laufen wird. Sie haben viel Geld gemacht mit den Abgängen von Vasovic und Bajrami. Zudem ist Di Giusto noch da – bei dem ich mich frage, wieso nicht längst ein anderer Club zugegriffen hat.

Aber am meisten gespannt bin ich auf Trainer Udo Portmann, der aus der U17 befördert wurde. Da lasse ich mich überraschen, wie er sich in der Super League schlagen wird.
Christoph Böhlen: Gespannt bin ich vor allem auf Meister Thun.
Mischi Wettstein: Thun? Du meinst einer meiner Abstiegskandidaten, neben Vaduz?
Christoph Böhlen: Wow, das ist eine Ansage Mischi… Die Berner Oberländer werden kaum nochmal Meister. Aber gleich absteigen?
Ich bin gespannt, wie sie sich mit der Doppelbelastung schlagen, solange sie da ist. Verpasst Thun die europäische Gruppenphase, können sie sich auf die Liga konzentrieren – dann geht es vielleicht bis in die Top 6.
Mischi Wettstein: Da drückt aber der gebürtige Thuner in dir durch… Jetzt sagst du mir auch noch, dass St.Gallen Meister wird?
Christoph Böhlen: Nein, das wird nicht passieren. Die Unruhen nach dem Cupsieg haben gezeigt, dass auch bei den Espen nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Aber: Der Zuzug von FCB-Stürmer Andrin Hunziker ist ein toller Transfer.

Nau.ch: Da ihr noch keine grosse Saisonvorschau machen wollt – verrät ihr uns wenigstens, wer aus eurer Sicht die Trainer-Flugparade anführt?
Christoph Böhlen: Für mich ist das klar: Peter Zeidler! Ich glaube nicht, dass GC ihn vom Hof jagen wird – aber erhält der Trainer keinen kompetitiven Kader, könnte er vielleicht selber zum Schluss kommen, dass er sich das nicht mehr antun will.
Mischi Wettstein: Pardon, auch da helfe ich nicht mit! Der Ball muss zuerst ein bis zwei Runden lang gerollt sein. Alles andere ist Kaffeesatzlesen, da sehe ich zum Beispiel am Rheinknie mehr Druck auf dem Trainer.

Nau.ch: Zum Schluss: Was wollt ihr noch loswerden?
Mischi Wettstein: Ich bin sehr überrascht, hat man beim FC Aarau noch nicht mit Nicht-Aufstiegstrainer Brunello Iacopetta verlängert… Denn aufsteigen wollen die Rüebliländer offenbar nicht.. Oder nutzt «Bruni» die Chance, dass die Erwartungshaltung nach der Enttäuschung vom Nicht-Aufstieg gesunken ist – und überrascht plötzlich alle?
Christoph Böhlen: Ich habe letzte Saison 36 Runden plus Barrage an die Aargauer geglaubt und dich jeden Montag damit genervt. Dieses Jahr habe ich einen neuen, heissen Aufstiegstipp: Ich sage Yverdon kehrt zurück in die Super League. Ob wir wollen, oder nicht!
Mischi Wettstein: Wow Böhli, was für eine überraschende Idee – da wäre ich ja nie darauf gekommen bei dem Kader. Ein ganz heisser Insider-Tipp für dich im Gegenzug: In Deutschland könnte Bayern München Meister werden (lacht).













