Fussball-Talk: FCB-Sieg trotz «Libli-Graus» – 20 Tore von YB-Essende
Der FCB startet in Gelb mit einem Sieg in Genf in die neue Saison – YB bezwingt zuhause Sion auch dank Stürmer Samuel Essende. Willkommen beim Fussball-Talk.

Das Wichtigste in Kürze
- Meister Thun und YB starten mit einem Sieg und sorgen für eine Berner Tabellenspitze.
- Auch der FCB und St.Gallen legen mit drei Punkten los.
- Aufsteiger Vaduz wehrt sich in Lugano beachtlich, geht aber leer aus.
- Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.
Nau.ch: Die erste Runde ist gespielt, wir sind gespannt auf eure Beobachtungen. Starten wir doch mit dem FCSG-Heimsieg über den FC Zürich?
Christoph Böhlen: Gute Idee! Mischi, wartest du noch auf den Trainer-Effekt unter Marcel Koller – oder war das schon ein Fortschritt?
Mischi Wettstein: Jeder hat gesehen, dass der FCZ jetzt mehr Struktur hat. Und zwar nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz. Man erkennt einen klaren Plan. Nur: Die Spieler sind über den Sommer nicht auf wundersame Art und Weise eine Klasse besser geworden. Darum darf man keine Wunder erwarten.

Trotzdem ist eine solide Saison unter Marcel Koller – mit einem Aufwärts-Trend gegenüber der letzten Spielzeit – realistisch. Auch wenn man nicht darum herumkommen wird, ein bis zwei Transfers zu machen.
Übrigens: Auch die FCZ-Fans können einkaufen! Es gibt neu Jubiläums-Uhren, da hat es unter anderem Schnäppchen dabei für 13'000 Stutz...

Christoph Böhlen: Aus meiner Sicht hat der FCZ eine grosse Chance verpasst: Beim FCSG spricht man ja nur noch vom Europa-Duell gegen Benfica, das hätte man ausnützen müssen.
Der Hinspiel-Sieg über den portugiesischen Spitzenclub in allen Ehren: Aber ich frage mich, ob man vergessen hat, dass noch ein Rückspiel folgt? Da wurde gejubelt, als hätte man Benfica bereits ausgeschaltet… Ich denke, die Espen werden am Donnerstag noch auf die Welt kommen.

Mischi Wettstein: Dafür darf man nach dem 2:1-Sieg über den FCZ klar sagen: Stürmer Andrin Hunziker ist ein guter Transfer für den FCSG. Der Ex-FCB-Junior passt dorthin, er ist ein Sympathie-Bolzen und trifft gleich im ersten Spiel. Das gibt den nötigen Schub.
Nau.ch: Dann wechseln wir ins Wankdorf, wo YB sein erstes Saisonspiel gegen Sion mit 4:2 gewinnt.
Mischi Wettstein: Böhli, das ist dein Spiel. Hast du dir schon einen Meisterschal bestellt?
Christoph Böhlen: Nur ruhig Mischi, Demut ist nach den letzten beiden Jahren nicht fehl am Platz. Aber: Es war ein guter Start, trotz des Zwischentiefs kurz vor und nach der Pause.
Aber bei YB wurde an den richtigen Schrauben gedreht! Die Defensive wirkt trotz der beiden Gegentore stabiler, in der Offensive ist man mit viel Spielwitz unterwegs. Zudem haben mir Einsatz und Wille gefallen.

Mischi Wettstein: Ich kann da nicht mal gross widersprechen, der YB-Auftritt hat mir nicht schlecht gefallen. Aber die Berner müssen schon froh sein, ist Stürmer Essendes Knoten endgültig geplatzt.
Christoph Böhlen: Da kannst du aber sicher sein. Ich habe vor dem ersten Spiel angekündigt, dass ich Essende in dieser Saison 20 Tore zutraue. Wenn das so weitergeht, muss ich im Winter schon nach oben korrigieren…
Aber zunächst gilt es am Samstag die Kantons-Hierarchie zu wahren: Es wartet das Duell gegen Meister Thun – das ist auch gleich der erste Spitzenkampf!
Nau.ch: Zu Thun kommen wir später. Wechseln wir zunächst ins Tessin, wo der FC Lugano in seinem neuen Stadion gegen Aufsteiger Vaduz 2:1 gewinnt.
Mischi Wettstein: Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber der FC Vaduz hat mich nicht enttäuscht. Das war ein guter Auftritt der Ländle-Kicker, sie hätten sogar in Führung gehen können. Das Team von Marc Schneider ist seiner Spielweise treu geblieben und es würde mich nicht überraschen, wenn sich an Vaduz noch das eine oder andere Team die Zähne ausbeissen würde!

Christoph Böhlen: Lugano hat am Ende das gemacht, was nötig war – und das hat gereicht. Aber ich frage mich schon, wie man nach der Roten Karte gegen FCV-Goalie Schaffran nicht in der Lage ist, gegen Feldspieler Liridon Berisha im Tor einen Treffer zu erzielen.
Nau.ch: Dann schauen wir auf den Samstag: Meister Thun gewinnt nach Rückstand noch beim FC Luzern. Wart ihr überrascht?
Mischi Wettstein: Das ist ein Spiel, bei dem man sich leicht die Finger verbrennen kann, wenn man zu viel sagt. Ich passe und bitte dich um dein Statement, Böhli!
Christoph Böhlen: Beim Blick auf die Aufstellung war ich erstaunt: Thun-Trainer Privitelli krempelte nach dem 1:1 gegen Dinamo Zagreb fast die ganze Mannschaft um. Ein Beispiel: Im Zentrum startete Saiz, der erst wenige Tage zuvor von Xamax geholt wurde.

Aber auch nach dem frühen Rückstand haben die Thuner Tugenden noch funktioniert. Sie drehen das Spiel und haben offenbar immer noch ein wenig Rest-Meisterbenzin im Tank. Wie bereits gesagt: Man darf dieses Team nicht unterschätzen!
Allerdings: Immer werden sie sich nicht mit Standards retten können. Was sagst zu den Innerschweizern nach der Startniederlage?
Mischi Wettstein: Zum FC Luzern möchte ich aktuell noch nichts sagen, dazu ist es noch zu früh. Und bevor ich mit dem neuen FCL-Trainer Udo Portmann nicht selbst gesprochen habe, wäre eine Einschätzung inkompetent.

Christoph Böhlen: Während sich der FCL auf das Auswärtsspiel gegen GC vorbereiten kann, geht es für die Thuner am Dienstag übrigens nach Zagreb. Ich bin gespannt, ob die Kroaten auf den schwachen Auftritt im Berner Oberland reagieren können. Auf jeden Fall wird es eine strenge Woche für Thun, weil gleich danach das Derby wartet.
Nau.ch: Schauen wir auf den FC Basel, der in Genf gewinnt: Zan Celar schiesst sein neues Team via Penalty zum Sieg.
Mischi Wettstein: Das Spiel bleibt mir nicht in Erinnerung – aber dafür der unfassbare «Libli-Graus» beim FCB! Dieses Auswärtsdress... Ein «Sonderlob» an den Designer: Ein vergilbtes Gelb oben, unten kanarienvogel-gelbe Stulpen.

Das Auftakt-Spiel war so fade wie das FCB-Trikot, darum gibt es auch noch gleich ein Sonderlob an den FCB für die drei entführten Punkte aus Genf. Falls die Bebbi ein attraktives Auswärts-Shirt möchten, sollten sie doch besser ein Preisausschreiben bei ihren Fans machen. Es kann nur schöner und attraktiver werden.
Christoph Böhlen: Trikot-Ärger beiseite: Mit «entführt» hast du recht, das hätten nicht zwingend drei Punkte sein müssen. Mir hat beim FCB der neue Innenverteidiger Akpe Victory gefallen. Aber es hat sicher geholfen, dass Servette-Angreifer Junior Kadile verletzt gefehlt hat. Wie stark der FCB einzuschätzen ist, kann ich beim besten Willen noch nicht sagen.
Mischi Wettstein: Ach was, Startsieg ist Startsieg! Das ist immer wichtig, nicht nur für den FC Basel. Aber gerade am Rheinknie hilft ein guter Auftakt, vor allem für Trainer Stephan Lichtsteiner.

Nau.ch: Zum Abschluss noch ein Blick auf Lausanne gegen GC: Die Hoppers holen ein 1:1 im Waadtland.
Mischi Wettstein: Dieser Punkt ist aller Ehren wert, wenn man sich GC aktuell anschaut. Da stehen schliesslich nicht nur Weltmeister im Aufgebot. In Lausanne zu punkten ist ein vernünftiger Saisonstart für die Hoppers.

Christoph Böhlen: Also mein Fazit nach diesen 90 Minuten fällt ein bisschen kritischer aus: Das war für mich schon in Runde 1 ein Kellerduell. Mit diesem Kader wird es für GC sowieso schwierig. Und Lausanne ist aktuell auch nicht vergleichbar mit dem Team aus der Vorsaison. Die beiden Clubs werden in dieser Saison eher unten mitmischen.
Nau.ch: Was ist euch in der ersten Saison-Woche sonst noch aufgefallen?
Christoph Böhlen: Dass ich recht hatte mit dem Ausblick auf die Challenge League: Der FC Aarau hat derzeit (noch) nicht das Team, um um den Aufstieg zu spielen. Die Abgänge wiegen schwer, ein 0:3 bei Carouge ist ein verdientes Verdikt. Da muss noch etwas gehen, wenn man erneut nach oben schielen will.
Mischi Wettstein: Nach diesem brillanten Saisonstart erwarte ich eigentlich eine Vertragsverlängerung mit Trainer Brunello Iacopetta. In Aarau ticken die Uhren ja anders, als anderswo…Auf dem Brügglifeld gilt ein anderes Leistungsprinzip.

Christoph Böhlen: Übrigens: Beim 2:2 der Aufstiegsaspiranten Winterthur und Yverdon ist mir ein junger Mann besonders aufgefallen: Yannis Odin trifft herrlich für Winti! Der 17-Jährige hat bereits im Test gegen Union Berlin überzeugt, steht jetzt in der Startelf. Eine Ansage: Dieses Juwel wird nicht lange auf der Schützenwiese spielen!













