Stadt Zürich: Augenmass beim Grünraum?
Im «Tagblatt»-Schlagabtausch diskutieren Thomas Bühler (Die Mitte) und Rahel Hofstetter (GLP) über ihre unterschiedlichen politischen Positionen.

Eine gute Streitkultur und harte Debatten mit unterschiedlichen Standpunkten – davon lebt die Politik. Deshalb werfen sich zwei Stadtzürcher Politikerinnen oder Politiker in einem Schlagabtausch den Ball zu.
Heute fordert Die Mitte-Gemeinderat Thomas Bühler, GLP-Gemeinderätin Rahel Hofstetter heraus.
Thomas Bühler: Die GLP wirbt mit ökologischer und finanzieller Verantwortung. Welche Vorlage habt ihr jüngst aus Kostengründen abgelehnt – obwohl ihr deren Ziel grundsätzlich unterstützt hättet?
Rahel Hofstetter: Bei den Publibikes: Wir stehen zur Veloförderung, aber nicht dafür, ein Geschäftsmodell zu subventionieren, das nie funktioniert hat. Gleiche Logik bei der AHV: erst finanzieren, bevor man ausbaut.
Die 13. Rente ist nicht ganz gedeckt, und mit eurer Volksinitiative zum Ehepaar-Plafond kommt schon das nächste Projekt. Wie passt das zusammen?
Thomas Bühler
Jahrgang: 1982
Partei: Die Mitte
Politische Mandate: Gemeinderat
Beruf: Bankfachexperte, Marktgebietsleiter Privatkunden
Bühler: Mit der 13. AHV-Rente wird der Volkswille umgesetzt und nicht derjenige der Mitte-Partei. Ehepaare übernehmen Verantwortung füreinander und entlasten damit Gesellschaft und Staat.
Warum sollen Ehepaare dafür in der AHV bestraft werden? Das finden wir ungerecht. Zurück zu unserer Stadt: Für welche Verkehrspolitik steht ihr?
Hofstetter: Wir stehen für eine Stadt der kurzen Wege: sichere Velo- und Fusswege und ein dicht vernetzter ÖV. Das ist eine Mobilität, von der alle profitieren und die unsere Lebensqualität sichert.
Wie hält es die Mitte eigentlich mit den heissen Eisen Tempo 30, Parkplatzabbau und E-Trottis?

Bühler: Tempo 30 dort, wo es Sicherheit und Lärmschutz verbessert, also nicht flächendeckend. Der Parkplatzabbau macht mir grosse Sorgen.
Auch Autos sollen in einer Stadt Platz haben, insbesondere für das Gewerbe, Familien und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. E-Trottis? Ja, aber es braucht nicht so viele, wie wir heute im Einsatz haben.
Hofstetter: Apropos Parkplätze: Sie gehören zu den vielen versiegelten Betonflecken, von denen die Stadt noch zu viele hat – und der damit zusammenhängende Verkehr heizt mit seinen Emissionen das Klima zusätzlich an.
Hitzewellen wie die aktuelle werden künftig häufiger. Wo seht ihr sonst Potenzial für Hitzeminderung?
Bühler: Hitzeminderung ist wichtig. Deshalb setzen wir auf Entsiegelung, mehr Bäume und Begrünung dort, wo sie am meisten wirkt, zum Beispiel an Fassaden, bei Schulhausanlagen oder verkehrsfreien Plätzen im Stadtzentrum.
Also ohne weiteren Parkplatzabbau. Ihr fordert mehr Grün, mehr Wohnraum und weniger Parkplätze. Wo seid ihr bereit, Zielkonflikte zu akzeptieren – oder versprecht ihr weiterhin, dass alles gleichzeitig möglich ist?
Rahel Hofstetter
Jahrgang: 1992
Partei: GLP
Politische Mandate: Gemeinderätin
Beruf: Politikberaterin
Hofstetter: Ja, es gibt Zielkonflikte, aber es braucht die richtige Priorisierung. Hitzewellen und andere Klimafolgen kosten Menschenleben und belasten unsere Gesellschaft und Wirtschaft.
Mehr Grün und damit Klimaschutz sind deshalb längst essenzielle Sicherheitspolitik. Mehr Wohnraum schaffen wir durchs Verdichten und höheres Bauen, mit Grünzonen rundherum als Ausgleich.

Bühler: Mehr Grün braucht Platz. Zielkonflikte lassen sich nicht einfach wegverdichten. Die Mitte steht für pragmatische Lösungen.
Apropos Hitze: Heiss war es auch an der Fussball-WM. Wie zufrieden bist du mit dem neuen Weltmeister? Freust du dich auch schon, wenn Zürich endlich wieder ein Fussballstadion hat, und für welchen Verein schlägt dein Herz?
Hofstetter: Mit Spanien haben wir den richtigen Weltmeister – das unsportliche Spiel der Argentinier ist zum Glück am Schluss nicht aufgegangen. Ich bin FCZ-Fan, Stadtclub durch und durch.
Wann, glaubst du, fällt der finale Entscheid fürs neue Stadion? Und für welchen Club schlägt dein Herz?
Bühler: Ich hoffe auf die ersten Spiele im neuen Stadion im Jahr 2030. Ich bin ein grosser GC-Fan, spiele selber seit meiner Kindheit Landhockey beim Grasshopper-Club Zürich. Welchen Wunsch hast du an unsere Stadt, wenn es um den Sport geht?
Hofstetter: Ich habe früher selbst Fussball gespielt, bis heute mein liebster Sport. Darum mein Wunsch: ein Stadion für unsere Fussballstadt. Denn Frauen-EM, Hockey-WM, Derbys, Weltklasse, oder der Züri Marathon zeigen: Sporteuphorie können wir.
Bühler: Absolut, Zürich ist eine Sportstadt und soll die Bewegung für den Nachwuchs weiter fördern.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst im «Tagblatt der Stadt Zürich» erschienen.












