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    Jürg Grossen (GLP): «Wir dürfen unseren Spielraum nicht aufgeben»

    Jürg Grossen
    Jürg Grossen

    Bern,

    Die Neutralität der Schweiz habe sich bewährt, dürfe aber nicht zum Korsett werden. Ein Gastbeitrag des Berner GLP-Nationalrats Jürg Grossen.

    Jürg Grossen
    Jürg Grossen ist Unternehmer und Nationalrat GLP. - zVg

    Die Schweiz ist mit ihrer Interpretation der Neutralität bisher gut gefahren. Sie hat uns ermöglicht, unabhängig zu bleiben und gleichzeitig international Verantwortung zu übernehmen. Genau diesen bewährten Spielraum dürfen wir jetzt nicht leichtfertig aufgeben.

    Am 27. September kommt die Neutralitätsinitiative an die Urne. Die Initianten versprechen mehr Neutralität, mehr Unabhängigkeit und sogar keinen Krieg mehr. Tatsächlich würde diese Initiative den Handlungsspielraum der Schweiz erheblich einschränken und kein einziger Krieg auf dem Planenten würde dadurch beendet.

    Sanktionen als Ultima Ratio

    Die Schweiz muss auch in Zukunft die Möglichkeit haben, Wirtschaftssanktionen mitzutragen. Wenn ein Staat einen Angriffskrieg führt, staatliche Grenzen nicht gewahrt werden und das Völkerrecht systematisch verletzt wie im Fall von Russland in der Ukraine, muss die Schweiz reagieren können.

    Neutraliätsinitiative Neutralität SVP
    Die Neutralitätsinitiative will die «immerwährende und bewaffnete Neutralität» in der Verfassung verankern. - keystone

    Nicht mit militärischen Mitteln, sondern mit den Instrumenten, die einem neutralen Land zur Verfügung stehen: mit Diplomatie, mit guten Diensten – und wenn nötig auch mit Sanktionen.

    Die Neutralitätsinitiative würde genau diesen Spielraum stark beschneiden. Sie will grundsätzlich verhindern, dass die Schweiz Sanktionen gegen kriegführende Staaten ergreifen kann. Das ist eine gefährliche Einschränkung unserer aussenpolitischen Handlungsfähigkeit.

    Neutralität bedeutet nicht Gleichgültigkeit.

    Neutralität bedeutet auch nicht, dass wir einfach wegschauen, wenn andere Staaten Grenzen überschreiten oder Menschenrechte mit Füssen treten. Im Gegenteil: Gerade weil die Schweiz militärisch neutral ist, sind ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Instrumente umso wichtiger.

    Wie stimmst du bei der Neutralitätsinitiative?

    Unsere Neutralität hat uns international Glaubwürdigkeit verschafft. Seit 1999 ist zum Beispiel die SWISSCOY im Kosovo aktiv und leistet dort einen Beitrag zu Frieden und Stabilität im Westbalkan.

    Das ist die Schweiz, die ich will: eine Schweiz, die ihren Handlungsspielraum behält. Eine Schweiz, die vermitteln kann. Eine Schweiz, die ihre guten Dienste anbietet, wenn andere nicht mehr miteinander reden können. Aber auch eine Schweiz, die klar Stellung beziehen und wirtschaftlichen Druck ausüben kann, wenn ein Regime internationales Recht offensichtlich verletzt.

    Die Neutralität der Schweiz hat sich bewährt. Sie braucht keine verfassungsrechtlichen Fesseln, sondern genügend Flexibilität, um auf die Welt und die Entwicklungen angemessen reagieren zu können.

    Die GLP sagt deshalb Nein zur Neutralitätsinitiative. Wer eine weltoffene, verantwortungsvolle und glaubwürdige Schweiz will, stimmt am 27. September überzeugt Nein.

    Zum Autor

    Jürg Grossen (*1969) ist Berner Nationalrat und Präsident der GLP. Grossen ist von Beruf Elektroplaner und seit 1994 Unternehmer.

    Kommentare

    User #1521 (nicht angemeldet)

    Einen guten Morgen in die Runde an diesem geschichtsträchtigen Montag, an dem weltweit der Tag des Friedens begangen wird! Der Gastbeitrag von GLP-Präsident Jürg Grossen liefert einen sehr sachlichen Beitrag zur aussenpolitischen Handlungsfähigkeit, wirft aber grundlegende staatspolitische Fragen auf. Was hier als wertvoller Spielraum und notwendige Flexibilität für den Bundesrat verteidigt wird, hat sich in den letzten Jahren leider als unberechenbarer Zickzackkurs erwiesen, der die Glaubwürdigkeit unseres Kleinstaates schwächt. Während die offizielle Allianz von der traditionellen SP-Basis bis tief in die bürgerliche Mitte diese Flexibilität fordert, verlangt die bürgerliche Bewegung verlässliche, felsenfeste rote Linien direkt in der Bundesverfassung. Nur über dauerhafte Spielregeln bleibt die Schweiz für alle Seiten berechenbar und schützt ihre Unabhängigkeit vor dem vorauseilenden Gehorsam der Behörden. Setzen wir am Abstimmungssonntag ein klares Ja ein!

    User #1646 (nicht angemeldet)

    Wer ständig in den Rückspiegel blickt, EWR, Rauswurf aus dem BR, prallt eines Tages gegen den Baum, der inzwischen vor ihm gewachsen ist. Moskau unterstützt hier die SVP. 2007 eröffnete P. mit seiner Rede den neuen Krieg gegen den Westen. Schon ab 2008 kämpft Moskau mit Cyberkrieg auch gegen uns. Der Bund meldet Schäden über 100 Mio CHF. Wollen wir dem Angreifer jetzt noch ein Ei ins Nest legen? Nein dem Zudienern dem gesuchten Kriegsverbrecher. Nein zur Initiative welche dem Bundesrat Fesseln anlegt, uns schadet und nur Imperien nützt. China, Russland, USA wollen uns und Europa schaden. Demokratie, Gewaltentrennung, Rechtsstaat, Verlässlichkeit, Freiheit bilden einen gefährlichen Virus für Diktaturen. Deshalb, Solidarität mit unseren europäischen demokratischen Partnern. Unsere Wirtschaft hängt von ihnen ab und nicht von wenigen zusätzlichen Käseexporten nach Russland. Nein zur Initiative.

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