Baustelle verdeckt Geschäft: Coiffeur hat 30 Prozent Einbussen
Seit fast zwei Jahren befindet sich vor Gabrielas Coiffeurgeschäft in Zürich Albisrieden eine Baustelle. Das wirkt sich massiv auf ihr Einkommen aus.
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Das Wichtigste in Kürze
- Seit fast zwei Jahren steht vor Gabrielas Coiffeurgeschäft eine Baustelle.
- Kunden kommen deswegen weniger regelmässig, was dem Geschäft schadet.
- Sie spricht von 25 bis 30 Prozent, die sie durch die Baustelle einbüsst.
«Plötzlich stand die Polizei vor der Tür und hat die Parkplätze abgesperrt.» Diese Szene schildert Gabriela, die in Zürich Albisrieden ein Coiffeurgeschäft führt.
Am nächsten Tag folgt der Schock: Unangekündigt steht ein Baucontainer auf den Parkplätzen.
Das ist mittlerweile bereits rund zwei Jahre her – seither leidet Gabriela unter den Auswirkungen der Baustelle vor ihrem Salon.
«Das Geschäft ist schon so etwas versetzt», sagt Gabriela zu Nau.ch. Doch seit die Baustelle dort sei, kämen keine Laufkunden mehr.
Denn wegen der hochgestapelten Baucontainer sieht man das Geschäft von der Strasse her nicht mehr. Und: Parkplätze gibt es auch keine mehr.
Seit 33 Jahren führt sie ihr Coiffeurgeschäft im Zürcher Quartier Albisrieden.
Hoffnungsschimmer Stammkundschaft
Aufgrund des Standorts zählt Gabriela vor allem auf Stammkunden: «Ich habe Kunden, die kommen jede Woche.» Da nun seit fast zwei Jahren eine Baustelle vor ihrem Geschäft steht, ist sie umso mehr auf diese angewiesen.
Der Coiffeurladen ist durch die Baustelle nämlich praktisch unsichtbar. Nicht nur zu Beginn der Bauarbeiten, als plötzlich die Parkplätze zugestellt wurden, gab es Probleme. Gabriela kritisiert: «Die Kommunikation der Stadt ist eine Katastrophe.»
Sie schildert eine Situation, in der ohne vorherige Absprache plötzlich ein Schacht im Boden vor dem Geschäft entstand: «Man gelangte kaum mehr hin.» Den Bauarbeitern oder dem Tiefbauamt macht sie dennoch keinen Vorwurf. Es seien alle sehr zuvorkommend gewesen.
Trotzdem: Gabriela schätzt die Einbussen, die sie durch die Baustelle verzeichnet, auf 25 bis 30 Prozent. «Die Kunden kommen schon noch, einfach weniger häufig», sagt sie.
Kunden zahlen wegen Umweg mehr fürs Taxi
Ein Coiffeur-Besuch ist für viele Kunden jetzt nämlich deutlich komplizierter – und teilweise auch teurer. «Kunden, die mit dem Taxi kommen, zahlen teilweise 50 bis 60 Stutz, nur um zum Geschäft zu gelangen», sagt Gabriela.
Wegen der Baustelle können Taxifahrer nämlich nicht mehr einfach vor das Geschäft fahren, sondern müssen die Baustelle umfahren. Dadurch wird die Fahrt teurer. «Mittlerweile gehe ich die Kunden deshalb teilweise selbst abholen», so Gabriela.
Doch auch der Parkplatzmangel beeinflusse das Verhalten der Kunden. Im Geschäft von Gabriela arbeiten üblicherweise drei bis vier Leute. Deshalb seien die zwei Privatparkplätze des Geschäfts oft schon von den Mitarbeitenden besetzt.
Reklamationen wegen Baubaracken
Das Tiefbauamt der Stadt Zürich erklärt auf Anfrage von Nau.ch: Es werden Wasser- und Gasleitungen saniert und die zu kleine Abwasserkanalisation vergrössert. Diese Bauarbeiten seien notwendig, um die Infrastruktur zu erhalten. «Aber sie brauchen auch Platz», so Sabina Mächler, Projektleiterin Kommunikation beim Tiefbauamt.
Für die Bauarbeiten müsse Material hin- und abtransportiert werden, es brauche Zwischenlager und Baubaracken für das Personal. «Um den dafür nötigen Platz zu schaffen, mussten wir provisorisch Parkplätze aufheben.»
Das Tiefbauamt achte darauf, die Bauinstallationen auf möglichst wenig Platz unterzubringen und belegte Parkplätze wenn möglich schon vor Bauabschluss freizugeben.

Mächler erklärt zudem: «Aufgrund des allgemeinen Platzmangels wurden die Baubaracken zunächst doppelstöckig installiert. Dagegen sind Reklamationen aus dem Quartier eingegangen, worauf die Bauunternehmung die Baracken umgestellt hat.»
Man sei sich der Einschränkungen bewusst, die Baustellen mit sich bringen.
Bei der Altstetterstrasse habe der Projektleiter den Gewerbetreibenden zirka ein halbes Jahr vor Baubeginn persönlich ein Schreiben vorbeigebracht. Auf Wunsch habe er zudem die baulichen Massnahmen und das Verkehrsregime anhand von Plänen aufgezeigt, so Mächler.
Kunden kommen weniger regelmässig
Mittlerweile nervt sich nicht nur Gabriela ab der Baustelle. Sie sagt, es «kackt auch die Kunden an». Teilweise würden sie vorher anrufen und nachfragen, ob noch ein Parkplatz frei sei. Es sei daher nicht verwunderlich, dass einige nicht mehr so regelmässig kommen.
Angesprochen auf eine mögliche Entschädigung der Stadt winkt Gabriela ab, das Thema sei ein «Fass ohne Boden». Um eine Entschädigung zu erhalten, müsste sie nämlich bis vor Bundesgericht, was ein riesiger Aufwand wäre.
Immerhin – die Bauarbeiten seien mittlerweile gut vorangeschritten. Während der Bauschluss am 27. März 2027 geplant war, werden die Arbeiten laut Gabriela wohl schon um Neujahr fertig. «Das glaube ich aber erst, wenn ich es sehe.»














