Donald Trump: Das bedeutet Niederlage für Europas Rechtspopulisten
Bekommt der Rechtspopulismus nach der Wahlschlappe von Donald Trump jetzt auch auf dem alten Kontinent Risse? Ein Politologe ordnet ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Der US-Präsident gilt zwar als Vorbild, doch Europas rechte Parteien sind nicht von ihm abhängig.
- Trumps Wahlschlappe dürfte Europas Rechtspopulisten nur bedingt schaden.
- Politologe Alexander Trechsel warnt davor, bereits das Ende des Rechtspopulismus auszurufen.
Die US-Amerikaner haben Donald Trump einen Denkzettel verpasst – und seiner Partei eine schmerzhafte Wahlniederlage beschert. Bei den Zwischenwahlen kassierten die Republikaner des US-Präsidenten eine brutale Abfuhr.
Sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat sicherten sich die oppositionellen Demokraten die Mehrheit. Selbst vor traditionell konservativen Staaten wie Kansas, Texas oder South Carolina machte die «blaue Welle» nicht Halt.
Ein herber Rückschlag für Trump. Doch was bedeutet die Niederlage für die politische Rechte auf der anderen Seite des Atlantiks?
Schliesslich feiern europäische rechtspopulistische Parteien zuletzt Spitzenwerte. Darunter das Rassemblement National von Marine Le Pen oder die Alternative für Deutschland (AfD). Gerät mit Trumps Wahlschlappe nun auch der Siegeszug der europäischen Rechten ins Stocken?
Alexander Trechsel, Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Luzern, ordnet ein. «Trump ist für die europäischen rechtspopulistischen Parteien eine Art Galionsfigur», bestätigt er gegenüber Nau.ch.
Donald Trump ist Vorbild für Europas Rechte
Die Gründe, weshalb Rechte in Europa den US-Präsident anhimmeln: Donald Trump inszeniert sich als «Volkstribun», wettert gegen etablierte Institutionen und eine vermeintlich korrupte Elite.
Gleichzeitig gibt er sich als «Verteidiger der Nation» – insbesondere beim Thema Zuwanderung. Auch die internationale wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit lehnt der US-Präsident ab.
«Diese Haltung ist für europäische Gleichgesinnte vorbildhaft», hält Trechsel fest.

Allerdings: Rechtspopulistische Positionen sind in Europa keineswegs erst mit Trump aufgekommen. «Aber europäische Rechtspopulisten profitieren natürlich davon, dass der US-amerikanische Präsident ähnliches Gedankengut verbreitet.»
Und Trump hat auch den politischen Umgangston verändert: «Sein Stil der Drohungen, Beleidigungen und Anfeindungen ist salonfähig geworden und wird teils von europäischen Gleichgesinnten übernommen.»
Dabei nimmt Trump sowohl inländische als auch ausländische Akteure, Partner, Länder und die internationale Gemeinschaft ins Visier.
US-Wahlschlappe trifft Europas Rechte nur bedingt
Doch wie stark erschüttert die Niederlage die rechtspopulistischen Parteien in Europa?
Trechsel rechnet mit überschaubaren Folgen. Die Auswirkungen der US-Zwischenwahlen seien «eher beschränkt».
Der Grund: «Der Erfolg europäischer Rechtspopulisten bei Wahlen hängt nicht von Trump ab.»

Zudem stehen längst nicht alle europäischen Rechtsparteien bedingungslos hinter dem US-Präsidenten. «Auch sind nicht alle gleichstark ‹Trump-verliebt›. Hier kommt zum Beispiel die klar mit Trump auf Distanz gegangene Regierungschefin Italiens, Georgia Meloni, in den Sinn.»
Eines hält Trechsel dennoch fest: «Die europäischen Rechtspopulisten sind wohl kaum über die blaue Welle in den USA erfreut.»
Orban und Vucic abgewählt – kommt jetzt der Gegenwind?
Doch auch in Europa gibt es Gegenbewegungen zum politischen Rechtsruck. Viktor Orban wurde im April 2026 abgewählt, jüngst folgte Aleksandar Vucic in Serbien.
Ein Zeichen für eine grössere Trendwende? Trechsel bremst: «Ungarn und Serbien sind bisher eher Ausreisser in Europa».
Zwar habe es in beiden Ländern eine erfolgreiche Gegenreaktion gegeben. Doch ob sich das beispielsweise in Frankreich bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wiederhole, sei «sehr unsicher».
Donald Trump bleibt noch zwei Jahre im Amt
Und auch in den USA ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Trump bleibt weitere zwei Jahre Präsident – und damit politisch alles andere als «weg vom Fenster».
«Vielleicht im Gegenteil, gerade wenn es um die Aussenpolitik geht», sagt er.
Worauf Trechsel anspielt: Trotz massiver Kritik an seinem völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran will Donald Trump an seinem Kurs festhalten. Beobachter befürchten sogar, dass ihn die Wahlergebnisse zu einer weiteren Eskalation bewegen könnten.
Eine Trendwende im internationalen Rechtspopulismus lässt sich aus der US-Wahlschlappe deshalb kaum ableiten.
Trechsel mahnt zum Schluss: «Ich wäre sehr vorsichtig mit Vorhersagen in Richtung ‹das ist das Ende des Rechtspopulismus›.»





















