US-Dienst will heimliche Dating-Profile aufdecken
Ein US-Dienst verspricht, heimliche Aktivitäten auf Dating-Apps aufzudecken. Hinter dem Angebot steckt ein fragwürdiges Geschäftsmodell.

Das Wichtigste in Kürze
- Story-Check verspricht, heimliche Profile auf Dating-Apps anhand einer Telefonnummer aufzuspüren.
- Der Dienst durchsucht Dating-Apps nicht direkt, sondern wertet öffentlich zugängliche Informationen aus.
- Eine Paarberaterin warnt, dass heimliche Kontrollen das Vertrauen in einer Beziehung beschädigen können.
«Du verdienst es zu wissen.» Mit diesem Versprechen wirbt das US-Tech-Unternehmen Story-Check um Menschen, die ihrem Partner misstrauen.
Das Prinzip klingt simpel: Telefonnummer eingeben, auf «Prüfung starten» klicken.
Schon soll sich zeigen, ob der Partner heimlich auf Dating-Apps wie Tinder, Bumble oder Grindr unterwegs ist. Die gesuchte Person soll davon nichts mitbekommen.

Doch der Service hat seinen Preis. Story-Check wirbt mit einer 7-Tage-Testphase für einen Franken. Danach steigt der Preis schlagartig auf 30 Franken pro Woche.
Was kann der Dienst überhaupt herausfinden?
Datenschutz-Experte und Rechtsanwalt Martin Steiger nimmt Story-Check für Nau.ch unter die Lupe. «Möglich ist nur eine indirekte Suche», lautet sein Fazit.
Story-Check hat keinen Zugriff auf Dating-Apps
Tatsächlich räumt der Dienst selbst in einem Blogeintrag ein, Tinder und Co. nicht direkt durchsuchen zu können. «Denn Dating-Apps geben ihre Nutzerlisten an niemanden weiter.»
Story-Check durchsucht Dating-Apps nicht direkt. Stattdessen wertet der Dienst öffentlich zugängliche Informationen aus, die mit einer Telefonnummer verknüpft sind.

Dazu zählen etwa Profile, Konten und Benutzernamen auf anderen Plattformen.
Ausserdem prüft der Dienst, ob die Telefonnummer virtuell oder nur vorübergehend genutzt wird. Auch Namen und Fotos kann er miteinander abgleichen, um mögliche Übereinstimmungen zu erkennen.
Ob sich daraus tatsächlich Rückschlüsse auf Datingprofile ziehen lassen, ist fraglich.
Woher stammen die Informationen? Steiger sagt: «Ich gehe davon aus, dass sich der Dienst insbesondere auf Daten von Datenhändlern abstützt.»
Das sind Unternehmen, die persönliche Informationen über Menschen sammeln, auswerten und an andere Firmen verkaufen.
Datenschutzrechtlich wirft US-Dienst Fragen auf
Problematisch sei, dass die betroffene Person nicht informiert werde. «Andererseits werden besonders schützenswerte Personendaten bearbeitet, insbesondere über das Sexualleben und die sexuelle Orientierung.»
Steiger sieht für Nutzer in der Schweiz wenig Risiken. Betroffene würden den Rechtsweg normalerweise scheuen, wenn sie von der Bearbeitung ihrer Daten erfahren.
Der Datenschutz-Experte fordert deshalb Konsequenzen: «Es wäre am EDÖB als Datenschutz-Aufsichtsbehörde, den Dienst zu untersuchen.»
Bund erfährt erst durch Nau.ch von Story-Check
Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) wird erst durch eine Anfrage von Nau.ch auf das Angebot aufmerksam.
Zu Story-Check selbst will sich die Behörde nicht konkret äussern. Das Angebot sei bislang nicht geprüft worden.
Generell gelte aber: Die Bearbeitung von Personendaten müsse «rechtmässig, verhältnismässig, zweckbestimmt und transparent» erfolgen.
Zudem weist der EDÖB darauf hin, dass das Schweizer Datenschutzgesetz auch für Anbieter im Ausland gilt.
Betroffene haben ausserdem Auskunftsrechte. Sie können erfahren, welche Daten über sie bearbeitet werden. Falsche Daten können berichtigt, widerrechtlich bearbeitete Daten gelöscht werden.
Tinder verweist auf Schutz der Privatsphäre
Der Dating-Platzhirsch Tinder geht in seiner Antwort an Nau.ch nicht direkt auf das Angebot von Story-Check ein. Stattdessen betont das Unternehmen den Schutz der Privatsphäre seiner Nutzer.
Die Plattform schreibt: «Der Schutz der Privatsphäre und der persönlichen Daten der Nutzerinnen und Nutzer hat für Tinder höchste Priorität».
Telefonnummern würden geschützt und ein Login per Telefonnummer sei nur mit SMS-Verifizierung möglich.

Tinder verweist zudem auf verschiedene Schutzfunktionen. Nutzer können ihr Profil verbergen, den Inkognito-Modus aktivieren oder Kontakte blockieren.
Allerdings verrate das Blockieren einer Telefonnummer laut dem Unternehmen nicht, ob die betreffende Person auf Tinder aktiv ist.
Auch automatisierte Datensammlungen und Zugriffe auf Nutzerdaten durch nicht autorisierte Drittanbieter seien gemäss den Nutzungsbedingungen untersagt.
Um Missbrauch zu erkennen und zu verhindern, setze Tinder ausserdem technische und manuelle Kontrollen ein.
Paarberaterin warnt vor Folgen für die Beziehung
Doch was steckt hinter dem Wunsch, den Partner heimlich zu überprüfen?
Anja Picozzi berät Paare bei Paarberatung im Kanton Zürich. Für sie zeigt das Interesse an Diensten wie Story-Check vor allem eines: Unsicherheit.
«Wenn Menschen in einer Beziehung auf solche Kontrollmöglichkeiten zurückgreifen», könne das auf Unsicherheit hindeuten, sagt sie.

Es könne an einer «fehlenden oder zumindest als unzureichend empfundenen Sicherheit innerhalb der Beziehung» liegen.
Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Manchmal gebe es konkrete Auslöser wie Unehrlichkeit oder frühere Vertrauensbrüche.
«Unsicherheit verschwindet durch heimliche Kontrolle nicht»
Oft spielten aber auch eigene Ängste und schlechte Erfahrungen aus früheren Beziehungen mit. Dahinter stecke häufig der Wunsch, sich vor Verletzungen zu schützen und Sicherheit zu gewinnen.
Kontrolle könne kurzfristig zwar beruhigen. «Die eigentliche Unsicherheit verschwindet dadurch aber meist nicht.»
Im Gegenteil: Wer einmal damit anfange, verspüre oft immer wieder das Bedürfnis, etwas überprüfen zu müssen.
Picozzi warnt zudem vor den Folgen für die Beziehung.
«Auch eine heimliche Kontrolle kann einen Vertrauensbruch darstellen. Und damit genau das beschädigen, was ich eigentlich schützen möchte», sagt die Paarberaterin.
Wer sich unsicher fühle, habe zwar ein verständliches Bedürfnis nach Sicherheit. Daraus ergebe sich aber kein Recht, den Partner heimlich zu kontrollieren.
Offene Gespräche statt heimlicher Kontrolle
Was also tun, wenn Zweifel aufkommen? Statt den Partner heimlich zu überprüfen, sei es hilfreicher, Zweifel offen anzusprechen.
Vertrauen entstehe nicht durch Kontrolle, sondern durch ehrliche Gespräche. «Nicht jede Unsicherheit bedeutet, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt.»
Entscheidend sei, die eigenen Ängste zu erkennen. Ebenso wichtig sei es, zu verstehen, wo die Verantwortung des Gegenübers beginne und was nötig sei, damit Vertrauen wachsen könne.
Story-Check liess eine Nau.ch-Anfrage unbeantwortet.











