Will Donald Trump die Midterms absichtlich verlieren?
Donald Trump scheint den Republikanern mehr zu schaden als zu nützen. Nun wird spekuliert, dass Absicht dahinter steckt.

Das Wichtigste in Kürze
- Donald Trump provoziert im Wahlkampf mit Aussagen, die kaum jemand goutiert.
- Will er die Zwischenwahlen etwa absichtlich verlieren?
- Das sei denkbar, ist eine These: Dann könne er wieder den Demokraten die Schuld in die Schuhe schieben.
Donald Trumps Umfragewerte sind so tief im Keller, die Statistiker müssen bald neue Untergeschosse anbauen.
Bei den Zwischenwahlen nächste Woche, den sogenannten Midterms, droht weiteres Ungemach: Dass die Republikaner im Repräsentantenhaus die Mehrheit verlieren, gilt als praktisch sicher.
Auf der Kippe ist lediglich noch, ob den Demokraten auch im Senat ein Coup gelingt.
Donald Trump foutiert sich um Sorgen
Der US-Präsident hätte also allen Grund, sich im Wahlkampf beliebt zu machen. Schliesslich leidet auch seine Wählerschaft unter der Inflation und den wegen dem Iran-Krieg gestiegenen Preisen. Bei seinen Auftritten an «Rallies» landauf, landab folgt Donald Trump aber einem anderen Drehbuch.

So lobt er zwar die von ihm unterstützten Kandidaten in Bundesstaaten wie Ohio, Kentucky oder North Carolina. Vor allem wegen deren optischen Vorzügen: Ihm seien deren knackige Hintern ins Auge gestochen. Ob solches die Wechselwähler überzeugt?
Die wirtschaftlichen Sorgen der Bevölkerung wischt er beiseite mit dem Verweis auf den guten Gang der Börse. Doch davon kann sich Johnny Normalverbraucher trotzdem kein BBQ-Fleisch, eine Tankfüllung oder den Arztbesuch leisten.

Den Benzinpreis spricht er durchaus an, denn den Krieg mit dem Iran sieht er positiv: «Unser Land verdient Hunderte von Milliarden Dollar», infolge der blockierten Strasse von Hormus. Zwar habe ihm sein Umfeld geraten, dies bloss nicht zu tun, weil es eine Steilvorlage an seine Kritiker sei.
Doch Donald Trump kümmert das nicht: «Ist mir verdammt noch mal egal, ich sag’s jetzt einfach: Wir verdienen einen Haufen Kohle.» Wobei mit «unser Land» und «wir» ein paar wenige Öl-Barone gemeint sind.
Steckt Absicht dahinter?
Diese Aussage hat den Analysten Michael Tomasky vom Magazin «The New Republic» auf eine ungewöhnliche Idee gebracht. Er stellte eine provokante These auf. Tomasky glaubt, dass Trump seinen eigenen Republikanern bei den Midterms eine Niederlage wünscht.
In seinem Artikel liefert Tomasky drei Gründe für seine These. Sein erstes Argument: Trump könnte eine Niederlage der Republikaner nutzen, um zu behaupten, die Partei könne ohne ihn auf dem Wahlzettel nicht siegen. Das würde seine eigene Unentbehrlichkeit unterstreichen.

Zweitens würde Trump einem Kampf mit den Demokraten nicht aus dem Weg gehen. Sollten die Demokraten den Kongress zurückgewinnen, könnten sie Untersuchungen gegen Trumps Regierung einleiten. Oder ein weiteres Impeachment gegen Trump selbst. Tomasky glaubt, Trump würde diesen Konflikt geradezu geniessen.
Drittens sieht der Analyst ein weiteres Motiv. Bei einer Niederlage könnte Trump wieder unbegründete Betrugsvorwürfe erheben. Er könnte behaupten, die Wahlen seien gestohlen worden. So, wie er es bereits nach der Präsidentschaftswahl 2020 getan hat.
Tomasky sieht ein Muster
Für Tomasky ergibt Trumps Verhalten damit ein klares Muster: «Tief im Innern dieses alternden, knarrenden, von Schimmel befallenen Geistes – bestens geölt durch das Gift, das er gegen Feinde nah und fern versprüht – regt sich zweifellos der heimliche und perverse Wunsch, dass die Republikaner verlieren mögen.»
Dies sollte der US-Bevölkerung zu denken geben.
Trump werde wohl nicht bei Falschbehauptungen über manipulierte Wahlmaschinen halt machen. Sondern auch Wahlresultate blockieren, Personen mit Migrationshintergrund verfolgen lassen und das Aufstandsgesetz anwenden. Bis hin zu weitreichenden Notstandsbefugnissen für den Präsidenten selbst.
Demokraten: So schlau ist Trump doch wieder nicht
«Ist es schon Wahnsinn, so hat es doch Methode», wusste schon Shakespeare. Dass Donald Trumps geistiger Zustand zu wünschen übrig lasse, würde die demokratische Wählerschaft wohl sofort unterschreiben. Bei der «Methode» aber scheiden sich die Geister.
Einige fühlen sich an die Behauptung aus früheren Wahlkämpfen erinnert, dass Donald Trump so genial sei, er spiele «vierdimensionales Schach». Das sei aber höherer Blödsinn. Andere gestehen ihm zu, dass er sich jedenfalls in jeder sich bietenden Situation opportunistisch verhalten werde. Die Schuld an allem den Demokraten in die Schuhe zu schieben, das würde Trump ähnlich sehen.
Nicht gerade Shakespeare, aber immerhin Sprichwörter werden ebenfalls bemüht. «Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend zu erklären ist», laute ein solches.
Donald Trump habe wohl Ziele, aber weitaus simplere und eigennützige: Geld zu machen, nicht ins Gefängnis zu kommen und dem Tod ein Schnippchen zu schlagen.
In einem Punkt aber scheint man im demokratischen Lager der Analyse von Tomasky zuzustimmen: Sollte Donald Trump die Midterms verlieren – ob nun absichtlich oder nicht – wäre seine Reaktion absehbar.
















