Arena – Grünen-Mazzone: «Bundesrat liess Volk im Stich»
In der Hitze-«Arena» wird der Bundesrat hart kritisiert. GLP-Gredig fordert, dass die Schweiz vorangeht, denn sie sei prädestiniert dafür.

Das Wichtigste in Kürze
- In der «Arena» zum Hitze-Sommer teilen vier Bürger ihre Sorgen und Erfahrungen.
- Grünen-Mazzone kritisiert den Bundesrat und fordert, dass er Verantwortung übernimmt.
- SVP-Wandfluh will das globale Problem global lösen.
Es ist ein Sommer für die Rekordbücher: dutzende Hitzetage, gebrochene Temperaturrekorde, anhaltende Trockenheit und kaum Wasser in den Flüssen und Seen.
Die «SRF Arena» widmet deshalb die erste Sendung nach der Sommerpause diesem Thema. Und lud vier betroffene Bürger ein.
Rentnerin Monika Rellstab berichtet von über 30 Grad in den Zimmern in ihrem Altersheim, Klimaanlagen gebe es nicht. «Es war schlimm.»

Zuckerrübenpflanzer Martin Flury erzählt von Rüben mit mehr braunen als grünen Blättern und extrem trockenen Böden. Er rechnet mit einem Ernteausfall von 30 Prozent. «Die Felder sind ein Trauerspiel.»
Förster Thomas Kuhn sagt, dass der Sommer die Bäume nachhaltig geschädigt habe. Das Laub sei schon dürr. Wegen des Wassermangels funktioniere die Verdunstung und damit die Klimaanlage Wald nicht mehr.
Fischer David Bittner berichtet von mehreren Millionen toten Fischen, Krebsen und Wassertieren. «Es tut weh.»
SVP-Wandfluh musste zwei Kühe schlachten
Direkt betroffen ist auch SVP-Nationalrat und Landwirt Ernst Wandfluh. Zwei Kühe musste er frühzeitig zur Schlachtbank führen. «Das ist nicht leicht.»
Zwischenzeitlich forderte er, dass der Bundesrat die ausserordentliche Lage ausruft, damit die Armee helfen kann. Vor allem Alpen ohne Zufahrtswege bräuchten das, damit Militärhelikopter einfacher Wasser bringen können. Obwohl der Bundesrat dies nicht tat, verteidigt er die Landesregierung meist.

Ganz anders sieht das bei Lisa Mazzone, der Präsidentin der Grünen, aus: Die Klimakrise sei im Alltag angekommen, alle Indikatoren seien bei Rot. «Da erwarte ich, dass der Bundesrat Verantwortung übernimmt und Massnahmen ergreift.»
Doch vier Wochen lang habe man trotz Hitzetoten, trotz in Wohnungen eingesperrten Leuten nichts gehört. «Der Bundesrat hat die Bevölkerung völlig im Stich gelassen.» Sie erwarte Verantwortung und eine Botschaft.
Grünen-Mazzone kritisiert Klima-Rückschritte
Weil oft Umweltminister Albert Rösti (SVP) im Visier war, sagt SVP-Nationalrat Wandfluh, dass nicht ein Bundesrat, sondern das Gremium entscheide. Und die Regierung habe bei der Unterstützung für die Landwirtschaft schnell gehandelt. Es bringe nichts, auf Angriff zu gehen, man solle Lösungen suchen.
Mazzone betont, dass ihre Partei seit Jahren Lösungen liefere, der Bundesrat aber Rückschritte beschliesse. Sie erwähnt die Gebäudesanierung oder die Mobilität.

Wandfluh selbst sieht die Kürzungen bei den Mitteln für einen klimatauglichen Wald kritisch. In diesem Punkt ist er mit der Gegenseite einig, dass dagegen angekämpft werden müsse.
GLP-Gredig: «Was ist dann in 50 Jahren?»
Auch GLP-Nationalrätin Corina Gredig kritisiert, dass der Bundesrat zu wenig getan und sogar gekürzt habe. Sie sagt, dass man nach dem «absolut schlimmen Extremsommer» in der Pflicht sei, etwas zu tun. «Wenn wir heute nichts tun, was ist dann in 50 Jahren?»
Sie fordert einen «Plan der Vernunft»: Es brauche sofortige Massnahmen, beispielsweise für das Wasser oder die Landwirtschaft, aber auch für den langfristigen Klimaschutz. Sie wünsche sich vom Bundesrat «höchstes Tempo».

Ernst Wandfluh betont, dass der Klimawandel ein globales Problem sei. Man müsse es global lösen. Gleichzeitig fordert er aber auch individuelle Bemühungen.
Lisa Mazzone hingegen sagt, dass jedes Land seine Verantwortung übernehmen müsse. «Dann schaffen wir das.» Für sie sei es unverständlich, dass man zwar das Problem erkenne, aber nichts dagegen machen wolle.
Corina Gredig sagt, es sei frustrierend, dass Regierungschefs wie Wladimir Putin oder Donald Trump nichts für den Klimaschutz machten. «Jemand muss den ersten Schritt machen. Und die Schweiz ist als stark betroffenes Land prädestiniert dafür.»
Die GLP-Nationalrätin fragt auch: «Wer, wenn nicht wir, soll vorangehen?»












