Schweizer bunkern wegen Trockenheit Mineralwasser
Die Trockenheit und die Hitze bereiten Sorgen. Manche Schweizerinnen und Schweizer legen sich diesen Sommer einen Mineralwasservorrat an.

Das Wichtigste in Kürze
- Getränkelieferanten registrieren eine erhöhte Nachfrage nach Bestellungen von Mineralwasser.
- «Sie bestellen gleich fünf, sechs, sieben oder zehn Kisten, um eingedeckt zu sein», sagt ein Lieferant.
- Als Gründe vermuten die Anbieter die Trockenheit und die Sauberkeit von Wasser.
Die Pegelstände in den Seen haben rekordtiefe Werte erreicht. Manche Bäche und Flüsse sind ausgetrocknet. Geregnet hat es diesen Sommer kaum. Verbreitet ist laut dem Bund lokal 60 bis 75 Prozent weniger Niederschlag gefallen als üblich.
In einigen Gemeinden ist die Wasserversorgung angespannt, sodass sie zum Wassersparen aufgerufen haben. In Veltheim AG musste die Gemeinde sämtliche Brunnen abstellen, um zu verhindern, dass weiterhin Wasser abgezwackt wird.
Die Trockenheit und die Hitze machen umso durstiger.
Nachfrage bei Mineralwasser steige besonders stark
Im Zuge der aktuellen Hitzewelle verzeichnet die Migros eine deutlich höhere Nachfrage nach Getränken. «Besonders stark steigt die Nachfrage bei Mineralwasser», bestätigt Mediensprecher Thomas Gmünder auf Anfrage. In sehr heissen Sommerwochen verkauft der Grossverteiler rund 30 bis 40 Prozent mehr Mineralwasser als üblich.
Auch Coop gibt an, während der diesjährigen Hitzeperiode eine deutlich höhere Nachfrage nach Mineralwasser zu verzeichnen.
Manche Schweizerinnen und Schweizer kaufen diesen Sommer aber auch vermehrt Mineralwasser, weil sie sich vor einer Knappheit fürchten.
Abgefülltes Wasser sei in Bergregionen gefragt
Getränkelieferanten registrieren bei Privathaushalten eine erhöhte Nachfrage nach Mineralwasserbestellungen.
Andreas Schneider ist Geschäftsführer von Schneider Getränke in Zug. Er merkt den Anstieg vor allem bei Gelegenheitskunden. «Sie bestellen gleich fünf, sechs, sieben oder zehn Kisten, um eingedeckt zu sein», sagt Schneider zu Nau.ch.
Die Trockenheit löse bei Konsumentinnen und Konsumenten eine gewisse Unsicherheit aus, vermutet Schneider. «Eine Rolle spielen aber auch die Engpässe, die wir in letzter Zeit in der Schweiz erleben.» Als Beispiel erwähnt er Medikamente oder Lebensmittel, die nicht lieferbar sind und die steigenden Öl- und Benzinpreise.
Vermehrt bestellen auch Kundinnen und Kunden aus Bergregionen beim Zuger Getränkeservice Mineralwasser. «Wegen der Hitze ziehen sie abgefülltes Wasser dem Hahnenwasser vor», sagt Schneider. Damit wollten sie sichergehen, kein verunreinigtes Wasser zu trinken.
Das Risiko, dass verunreinigtes Trinkwasser aus den Leitungen fliesst, ist aber klein. Die kantonalen Laboratorien überwachen die Wasserversorgungen. Trinkwasser gehört in der Schweiz laut dem Bund zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln.
«Wollen weg vom Hahnenwasser»
Bösch-Getränke in Baar ZG liefert rund 30 bis 40 Prozent mehr Mineralwasser aus als in vergangenen Sommersaisons. Grund sei die Hitze, die durstiger mache, sagt Mitarbeiter Fabian Ungricht. «Zugleich merken wir aber bei den Privatkunden, dass viele weg vom Hahnenwasser wollen», sagt Ungricht. Diese hätten bei ihnen zuvor vor allem Bier und kein Mineralwasser bestellt.
Ungricht kann sich gut vorstellen, dass das Thema Wasserknappheit und Trinkwassersauberkeit den Konsum beeinflusst.
Auch Nathanael Winkler liefert diesen Sommer überdurchschnittlich viel Mineralwasser aus. Er geht aktuell von einer um einen Drittel erhöhten Nachfrage aus. «Die Bestellungen stammen hauptsächlich von Kunden, die sonst noch nie etwas bestellt haben.»
Die Trockenheit verunsichere die Konsumentinnen und Konsumenten, sagt der selbständige Depositär der Marke Valser. «Das Verhalten erinnert etwas an Corona und den Ukraine-Krieg, als sich Leute einen Notvorrat anlegten.»
Neun Liter Wasser als Notvorrat
Eine unerwartete Krise ist laut dem Bund jederzeit möglich. Die Covid-19-Pandemie oder auch Extremwetterereignisse hätten dies gezeigt, schreibt der Bund auf seiner Website. Der Notvorrat diene zur Überbrückung eines vorübergehenden Versorgungsengpasses. Beim Wasser empfiehlt er neun Liter respektive ein Sixpack pro Person zu lagern.
Anbieter von Notvorräten verzeichnen aktuell hingegen keinen Ansturm auf Mineralwasser. «Bis bei uns Notvorräte bestellt werden, braucht es jeweils ein konkretes Ereignis», sagt Philipp Nater. Er ist Mitgründer von Sicher satt.
«Einen Ansturm auf Mineralwasser gäbe es zum Beispiel, wenn sich in Zürich eine Trinkwasserknappheit abzeichnen würde», sagt Nater. In diesem Fall müsse man mit mindestens drei Litern Wasser pro Person und Tag rechnen. «Diese Menge braucht es zum Trinken, Kochen und für die Hygiene.»
Auch empfiehlt Nater Wasserfilter, um im Notfall verunreinigtes Wasser trinkbar zu machen. Generell sei die Bevorratung etwas Unabdingbares. «Corona hat uns gezeigt, wie schnell sich die Versorgungslage auch in der Schweiz ändern kann.»

















