Fisch-Sterben: Ist alles noch viel schlimmer?

    Andrea Schüpbach
    Andrea Schüpbach

    Bern,

    Der Hitze-Sommer 2026 kostete Hunderttausende bis Millionen Fische in der Schweiz das Leben. Es ist nicht auszuschliessen, dass ganze Jahrgänge gestorben sind.

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    Der Hitze-Sommer 2026 bedeutete für viele Fische in der Schweiz das Ende. Hier ein Bild der Sissle, ein Rheinzufluss im Kanton Aargau. - SFV

    Das Wichtigste in Kürze

    • Weil Schweizer Flüsse kaum noch Wasser führen, kommt es zu massivem Fischsterben.
    • Nun warnen Experten aber: See-Fische können sich zwar besser zurückziehen.
    • Junge Fische leben aber im Flachwasser. Ganze Jahrgänge könnten tot sein.
    • Wasser-Temperaturen von über 25 Grad sind «ein Todesurteil».

    «Wir gehen von Millionen von toten Fischen aus.» David Bittner, Geschäftsführer vom Schweizerischen Fischereiverband, blickt auf einen bisherigen Horror-Sommer 2026 für die Fische zurück.

    Drei von vier heimischen Fischarten stehen auf der roten Liste. Das heisst, sie sind entweder bereits ausgestorben, vom Aussterben bedroht oder gefährdet.

    «Wir erleben aktuell in vielen Fliessgewässern einen regelrechten Kahlschlag der Fischbestände», so Bittner. Wahrscheinlich sieht man aber noch nicht das ganze Ausmass.

    Die Angst vor dem nächsten Hitzesommer

    Einerseits dauert es Jahre, bis sich viele Bestände in Fliessgewässern erholen können – allerdings ohne weitere Hitzesommer.

    «Ganz grosse Sorgen bereitet uns ein baldiger drauffolgender Hitzesommer in den nächsten Jahren. Zum Beispiel nächstes Jahr.»

    Bist du froh, dass der Hitze-Sommer 2026 bald vorbei ist?

    Dann kämen auch noch die Restbestände unter Druck. Noch deutlich mehr Arten könnten aussterben. «Es wäre dramatisch.»

    25 Grad sind «Todesurteil»

    Andererseits leiden auch See-Fische. Zwar deutlich weniger. Allerdings könnten gewisse Schäden dort erst in den nächsten Jahren zum Vorschein kommen.

    Viele Schweizer Seen haben derzeit eine Temperatur von 25 und mehr Grad.

    fischsterben
    Nau.ch-Bilder zeigen schon Anfang Juli: Das Wasser der Töss versickert im Schotter. - Nau.ch

    «Ab 20 Grad haben Fische Stress. Ab 23 Grad wird dieser gefährlich.» Und ab 25 Grad? «Dann ist die Wärme ein Todesurteil.»

    Junge Fische verlieren Lebensraum

    Insbesondere gilt dies für junge Fische, Eier und frisch geschlüpfte Fischlarven. Diese reagieren extrem empfindlich auf zu hohe Temperaturen.

    Ausgewachsene Fische in Seen können in tiefere, kältere Bereiche ausweichen. «Flache Ufer-Zonen sind ganz wichtig für Jung-Fische – die sind jetzt weg.»

    Fischsterben
    An vielen Orten wird gewarnt, man soll aus Rücksicht nicht ins Wasser steigen. - keystone

    Der Lebensraum wird also massiv verkleinert. Viele Brutbestände kältebedürftiger Fischarten überleben die Hitzephasen nicht.

    Wie stark der Hitze-Sommer 2026 den Beständen tatsächlich geschadet hat, könnte sich also erst noch zeigen.

    Hier muss es jetzt vorwärts gehen

    Was muss passieren, damit es den heimischen Fischen wieder besser geht?

    Braucht es nach dem Hitze-Sommer 2026 mehr Klima-Massnahmen?

    Viele der bedrohten Arten seien zwar geschützt (keine Fischerei). «Aber die Massnahmen des neuen Gewässerschutzgesetzes wie Revitalisierungen und die ökologische Sanierung der Wasserkraft hinken massiv hinterher. Deshalb werden sich die Bestände weiter verkleinern», befürchtet Bittner.

    Äschen und Forellen lieben Kälte

    Immerhin bei den Schweizer Seen optimistischer ist Lukas Bammatter bei seiner Zukunfts-Prognose. Er ist Co-Leiter vom Amt für Natur und Landschaft des Kantons Zürich.

    «In Seen rechnen wir kaum mit Langzeitfolgen beim Fischbestand.» Im Gegensatz zu den Fliessgewässern.

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    Kieselsteine statt Fluss: Drohnenbilder zeigen schon am 8. Juli, wie trocken es schon ist in der Schweiz. Die Situation hat sich seither verschärft. - Nau.ch / Nico Leuthold

    «In grossen Flüssen kann es aufgrund der anhaltend hohen Wassertemperaturen zu grossen Abgängen bei kälteliebenden Arten wie Äschen oder Forellen kommen.»

    «Totalverlust ist nicht auszuschliessen»

    Grosse Verluste seien auch in kleinen Fliessgewässern, die kein oder kaum mehr Wasser führen, möglich. «Wenn ein ganzes Gewässersystem trocken fällt, ist temporär auch ein Totalverlust nicht auszuschliessen.»

    Heisst: Ganze Jungfisch-Jahrgänge sterben.

    «Sobald das Gewässer wieder Wasser führt, kommt es darauf an, ob eine natürliche Wiederbesiedlung möglich ist. Oder ob Wanderhindernisse dies erschweren.»

    «Alle Jahrgänge» könnten sterben

    Bittner ergänzt, dass sogar «alle Jahrgänge» sterben könnten, wenn ein Gewässer wie die Emme im Berner Emmental praktisch vollständig austrocknet. Jungfische seien sowieso gefährdet, aber auch die wichtigen Laichtiere sind betroffen.

    «In kleinen Fliessgewässern brauchen sie entsprechend tiefe Stellen als Lebensraum», so Bittner. «Aber genau hier akzentuiert sich der Konflikt mit erhöhtem Stresspotential durch Badende sowie wiederum die Prädation, (zum Beispiel fleischfressende Vögel).»

    Diese Fische profitieren

    Nicht alle Fische leiden gleich. Mühe haben etwa Forelle, Saibling, Felche oder Äsche.

    «Karpfenartige Fische wie der Karpfen oder die Schleie kommen mit hohen Wassertemperaturen deutlich besser zurecht. Auch der Wels fühlt sich im warmen Wasser wohl», so Bammatter.

    Kommentare

    User #5236 (nicht angemeldet)

    Wieso schlägt der Verband nicht ein dreijähriges Fangverbot für die ganze Schweiz vor? Weil der Fisch in der Pfanne immer noch der besten Fisch ist!

    User #2901 (nicht angemeldet)

    Da ist auch der Mensch selber schuld. Man musste ja alle Flüsse breiter machen statt höher. Finde denn Fehler... -.-

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