Corona: Todeszahlen im Balkan wegen tiefer Impfquote im Allzeithoch

    Carine Meier
    Carine Meier

    Albanien,

    Das Coronavirus hat nicht nur Westeuropa, sondern auch die Balkanstaaten fest im Griff. Wegen tiefen Impfquoten sind dort vor allem die Todeszahlen enorm hoch.

    Coronavirus - Serbien
    Das Balkanland Serbien wird zurzeit hart von der Corona-Krise getroffen. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Hunderte Menschen sterben momentan in den Balkanstaaten täglich am Coronavirus.
    • Dies, obwohl sie bei den Infektionszahlen teilweise hinter der Schweiz liegen.
    • Grund dafür sind tiefe Impfquoten und ein generelles Misstrauen in Institutionen.

    Die Todeszahlen erinnern an diejenigen der Lombardei zu Beginn der Pandemie mit dem Coronavirus. Aktuell sterben täglich hunderte Menschen in den Balkanstaaten an einer Erkrankung mit Covid-19. Und das, obwohl die Fallzahlen teilweise deutlich tiefer sind als bei uns in der Schweiz.

    Fallzahlen Coronavirus
    Die Zahlen der Fälle mit dem Coronavirus pro Million Einwohner im 7-Tage-Schnitt. Vergleich zwischen den Balkanstaaten und der Schweiz. - ourworldindata.org

    Mit aktuell über 820 Fällen pro Million Einwohner im 7-Tage-Schnitt liegt die Schweiz im Vergleich zum Balkan im Mittelfeld. Weltweiter Spitzenreiter ist momentan die Slowakei, mit über 2000 Fällen pro Million Einwohner. Das sind in dem Land, das mit 5,5 Millionen Einwohnern bevölkerungsärmer ist als die Schweiz, über 10'000 Neuinfektionen pro Tag.

    In Serbien und Bulgarien sind die Infektionszahlen seit dem Peak Anfang November hingegen wieder am Sinken. Mit knapp 360, respektive 324 Fällen pro Million Einwohner im 7-Tage-Schnitt bleiben sie weit hinter der Schweiz zurück. Auch Rumänien verzeichnete in den letzten Tagen durchschnittlich nur noch knapp über 100 Fälle pro Million Einwohner.

    Extrem viele Todesfälle wegen Coronavirus im Balkan

    Umso überraschender und schockierender sind daher die Todeszahlen in diesen Ländern. Viele von ihnen kletterten in den letzten Monaten an die Weltspitze der meisten Todesfälle pro Million Einwohner wegen des Coronavirus.

    Todesfälle Coronavirus
    Die Anzahl der am Coronavirus gestorbenen Personen pro Million Einwohner im 7-Tage-Schnitt. - ourworldindata.org

    Allen voran Ungarn. Dort warnte die Ärztekammer schon letzte Woche: «Die Epidemie wütet, die Notaufnahmen ertrinken in Patienten.» Zurzeit verzeichnet das Land im 7-Tage Schnitt über 17 Todesfälle pro Million Einwohner. Das sind in dem 10-Millionen-Staat etwa 170 Tote pro Tag.

    Ähnliche Werte gibt es aus Bulgarien (rund 17,5) und Kroatien (rund 16). Hier sind die Zahlen jedoch bereits wieder im Rückgang, die meisten Todesfälle ereigneten sich bereits Anfang November.

    Coronavirus
    Gesundheitspersonal betreut einen Patienten mit Coronavirus. - Keystone

    Dem gegenüber stehen extrem niedrige Todeszahlen in der Schweiz. Mit einem 7-Tage Schnitt von knapp unter 14 Fällen vergangenen Woche kommen wir hochgerechnet auf 1,46 Tote pro Million Einwohner. Selbst die Balkanländer mit vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen, wie etwa Serbien, Bulgarien und die Ukraine melden deutlich mehr Todesfälle.

    Tiefe Impfbereitschaft Grund für hohe Todeszahlen

    Grund dafür ist vor allem die sehr tiefe Impfbereitschaft in vielen Ländern Osteuropas. So sind zum Beispiel in Bosnien und Herzegowina nur 22 Prozent der Menschen geimpft. In den anderen Ländern mit vielen Todesfällen sieht es ähnlich aus: Ukraine (25 Prozent), Serbien (45 Prozent), Slowakei (43 Prozent) und Kroatien (47 Prozent) haben alle vergleichsweise tiefe Impfquoten.

    Zum Vergleich: In der Schweiz ist inzwischen 65 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Zählt man nur die Personen ab 12 Jahren, sind es sogar rund 75 Prozent.

    Impfung
    Impfung - keystone

    Eine Ausnahme ist Ungarn mit knapp 60 Prozent Geimpften, das nun trotzdem die Spitzenliste der meisten Todesfälle wegen Corona anführt. Jedoch begann man dort dank der Versorgung mit dem russischen Sputnik-Vakzin und dem chinesischen Sinopharm sehr früh mit den Impfungen. Seither stagnieren die Impfquoten, während gleichzeitig bei vielen wohl auch der Impfschutz nachlässt.

    Sind Sie gegen das Coronavirus geimpft?

    Die grossen Zahlen von Impfverweigerern sind aber nicht nur Begleiterscheinung der Corona-Pandemie. Schon seit Jahren beklagen Epidemiologen eine tiefe Bereitschaft von Eltern zu Kinderimpfungen, analysiert die «Zeit». Ausserdem sei das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen in diesen Ländern generell sehr gering.

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