Slowakische Präsidentin fordert landesweiten Lockdown

    Das Gesundheitssystem in der Slowakei droht zu überlasten. Staatsoberhaupt Zuzana Caputova fordert deshalb eine sofortige Ausgangssperre.

    Slowakei corona
    Zuzana Caputova (l), Präsidentin der Slowakei, erhält in der Universitätsklinik Bratislava eine Corona-Impfung. - dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Spitäler sind mit ihren Kapazitäten am Ende.
    • Präsidentin Zuzana Caputova fordert nun sofortige Corona-Massnahmen.
    • Ein Lockdown für alle sei zwar nicht fair, aber dennoch «unausweichlich».

    Slowakische Krankenhäuser haben vor einem drohenden Kollaps des Gesundheitssystems gewarnt. Nun hat Präsidentin Zuzana Caputova am Dienstag einen sofortigen Lockdown für alle gefordert.

    Das Staatsoberhaupt hat zwar formell nicht die Kompetenz, der Regierung Massnahmen anzuordnen. Allerdings hat Caputovas Stimme grosses Gewicht. Gemäss Umfragen ist sie mit grossem Abstand die populärste Politikerin des Landes.

    Tatsächlich kündigten Vertreter der Regierungsparteien gegenüber den Medien an, am Mittwoch würden verschärfte Massnahmen beschlossen. Sie wollten diese aber zunächst nicht konkretisieren.

    Spitäler am Ende ihrer Kapazitäten

    In ungewohnt emotionalem Ton sagte Caputova nach einem Besuch eines Krankenhauses in Bratislava: «Wir sind momentan das schlimmste Land der Welt, was die Zahl der Neuinfektionen gemessen an der Bevölkerungszahl betrifft.

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    Ein Mediziner in Schutzkleidung macht an einer Corona-Teststation einen Abstrich bei einer Frau. - keystone

    Die Krankenhäuser stehen am Ende ihrer Kapazitäten und müssen ihre Behandlungen einschränken, das erschöpfte Gesundheitspersonal bittet um Hilfe. Aber statt eines Danks für die Aufopferung hören sie Drohungen und Herabwürdigungen.» Nun sei es Zeit, endlich auf die Experten zu hören, «die die Hauptlast unseres gemeinsamen Versagens tragen müssen».

    Landesweiter Lockdown «nicht fair»

    Ein landesweiter Lockdown auch für die Verantwortungsbewussten sei nicht fair, aber dennoch unausweichlich, betonte Caputova. Die zerstrittene Vier-Parteien-Koalition in Bratislava konnte sich bisher nur auf zögerliche Massnahmen einigen. Wegen mangelnder Vorbereitung wurden sie jedoch teilweise nicht wirksam.

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    Behandlung von Corona-Patient in Bratsilava - AFP/Archiv

    So sollte am Montag eine von der Regierung beschlossene 3G-Regel am Arbeitsplatz in Kraft treten. Die Massnahme wurde aber von den Gesundheitsbehörden wegen mangelnder Vorbereitung für undurchführbar erklärt.

    Gespalten ist auch die Opposition. Der sozialdemokratische Ex-Regierungschef Peter Pellegrini Caputova forderte, mehr Druck auf die Regierung auszuüben. Hingegen lehnten Linkspopulisten und Rechtsextremisten schon die bisherigen Gastronomie-Sperren für Ungeimpfte ab.

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