Donald Trump fordert Nato-Hilfe: Die USA hat sich im Iran verpokert
Donald Trump fordert Nato-Hilfe im Iran-Krieg. Viele Verbündete zögern. Ein Experte sieht Anzeichen, dass sich die US-Regierung verkalkuliert hat.

Das Wichtigste in Kürze
- Donald Trump fordert Nato-Unterstützung zur Sicherung der Strasse von Hormus.
- Mehrere Verbündete zögern – einige Länder haben bereits abgesagt.
- Experte Manfred Elsig sieht Hinweise, dass die USA das Risiko unterschätzt haben.
US-Präsident Donald Trump fordert von Nato-Verbündeten militärische Unterstützung im Konflikt mit dem Iran. Konkret geht es um die Sicherung der wichtigen Ölroute durch die Strasse von Hormus.
Bleibt Hilfe aus, droht Trump der NATO mit einer «sehr schlechten Zukunft». Doch mehrere Länder zögern. Die Anzeichen mehren sich, dass sich die US-Regierung verkalkuliert haben könnte.
Donald Trump verlangt Unterstützung der Nato
Donald Trump fordert laut eigenen Angaben Kriegsschiffe und Minensuchboote, um die Schifffahrtsroute offen zu halten.
Die Meerenge zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran gilt als eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt.

Trump macht deutlich, dass er im Gegenzug für die Unterstützung der USA im Ukraine-Krieg Hilfe von den Verbündeten erwartet.
«Wir sind immer für die Nato da. Wir helfen ihr mit der Ukraine», sagte er vor Journalisten. Nun wolle er sehen, «ob sie uns helfen».
In einem Interview mit der «Financial Times» verschärfte der US-Präsident den Ton. Sollte es keine oder eine negative Reaktion geben, wäre das «sehr schlecht für die Zukunft der Nato».
Mehrere Länder sagen bereits ab
Trump adressierte auf seiner Plattform Truth Social neben den Nato-Ländern Frankreich und Grossbritannien namentlich China, Japan, Südkorea sowie «andere Länder». Seine Hoffnung ist, dass diese Nationen Kriegsschiffe entsenden würden.
Doch die Unterstützung für eine militärische Mission ist international begrenzt. Japan und Australien haben eine Beteiligung bereits abgelehnt. Auch in Europa ist die Skepsis gross.
Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erteilte einem möglichen Einsatz eine Absage. Deutschland sei nicht Teil dieses Kriegs und wolle es auch nicht werden, sagte er.
Ähnlich tönt es aus Grossbritannien: Premierminister Keir Starmer sieht die Sicherung der Strasse von Hormus entgegen Trumps Forderung nicht als Aufgabe der Nato.
«Das wird keine Nato-Mission sein und war auch nie als eine solche vorgesehen», sagte Starmer. Zuständig sein müsse eine Allianz von Partnern in Europa, am Golf und mit den USA.
Experte: Risiko offenbar unterschätzt
Manfred Elsig ist Politikwissenschaftler am World Trade Institute der Universität Bern. Er sieht Hinweise darauf, dass Washington das Szenario nicht ausreichend vorbereitet hat.
«Die Administration von Trump hat die Gefahr einer Art von Blockade der Strasse von Hormus schlichtweg ignoriert. Dafür gibt es immer mehr Indizien», sagt Elsig zu Nau.ch.
Dabei sei dieses Risiko keineswegs neu. Frühere US-Regierungen hätten entsprechende Szenarien bereits mehrfach durchgespielt. «Zumindest hätte die Trump-Regierung dieses Risiko einkalkulieren und sich darauf vorbereiten müssen.»
Unterstützung schwierig zu organisieren
Ob Donald Trump tatsächlich militärische Hilfe erhält, ist laut Elsig unklar. Viele Nato-Partner betrachten die Intervention skeptisch, weil sie ausserhalb des klassischen Bündnisgebiets stattfindet.
Gleichzeitig treffe der steigende Ölpreis auch Europa. Möglich seien daher indirekte Formen der Unterstützung – etwa bei der Minenjagd auf See.
«So etwas muss langfristig vorbereitet werden», sagt Elsig. Für eine grössere militärische Intervention müsse zudem die Bevölkerung in den Nato-Staaten dahinterstehen.
Trumps Drohungen könnten zum Problem werden
Zusätzlich erschwert wird die Situation durch politische Spannungen mit Verbündeten. Trumps frühere Forderung nach einer Übernahme von Grönland habe das Vertrauen belastet, sagt Elsig.
«Die Grönland-Saga hat nicht geholfen, Vertrauen aufzubauen. Die Skepsis gegenüber Donald Trump ist noch gestiegen.»

Auch die jüngsten Drohungen gegenüber der Nato ordnet der Experte in dieses Muster ein. Trump verknüpfe Hilfe im Persischen Golf mit der Unterstützung der USA in der Ukraine. Damit setze er seine Partner unter Druck.
Nato könnte an Donald Trump «zerbrechen»
Ob die Drohung ernst gemeint ist oder nur Verhandlungstaktik, sei schwer einzuschätzen, sagt Elsig.
«Das ist eine typische Drohung von Trump. Die Frage ist wie immer, ob es nur ein Bluff ist.»
Langfristig könnte der Streit jedoch Folgen für das Bündnis haben. «Die Nato könnte an Trump und seinen willkürlichen und undurchdachten Aktionen zerbrechen», warnt Elsig.
Währenddessen profitiere ein anderer Akteur von der Situation: Steigende Ölpreise füllten derzeit auch die Kriegskasse von Wladimir Putin und damit die von Russland.



















