In Indien sind viele Schulen bereits seit über 600 Tagen wegen des Coronavirus geschlossen. Dies erschwert besonders für ärmere Kinder den Zugang zu Bildung.
Indien Schule Coronavirus
Schulkinder in Indien sind teilweise seit über 600 Tagen im Fernunterricht. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Schulen in Indien sind seit März 2020 wegen Corona geschlossen.
  • Dadurch fehlt vielen Kindern, vor allem aus ärmeren Familien, der Zugang zur Bildung.
  • Trotz der Forderung zahlreicher Politiker ist der Gouverneur Neu Delhis gegen die Öffnung.

Fernunterricht bedeutet für viele Schülerinnen und Schüler, gerade für jüngere, eine grosse Herausforderung. Während in der Schweiz deswegen die Schulen so gut wie möglich offen gehalten wurden, sieht es in Indien anders aus.

Schüler in Neu Delhi sind nun nämlich bereits seit über 600 Tagen im Fernunterricht. Seit der ersten Schliessung wegen des Coronavirus im März 2020 durften die Kinder nicht mehr in die Schule gehen. Es seien über vier Millionen Schüler betroffen, berichtet «CNN».

Sind Sie gerne in die Schule gegangen?

«Unsere jungen Kinder haben keinen Kontakt mit Gleichaltrigen», erklärt eine Mutter gegenüber dem US-amerikanischen Sender. «Diese Isolation und die daraus resultierende fehlende Entwicklung sind sehr kritisch.»

Grosse soziale Ungleichheit verschlimmert wegen Corona

Eine der längsten Schulschliessungen der Welt verschlimmert zudem die soziale Ungleichheit in der Millionenstadt. Hunderttausende Kinder, die in ärmlichen Bedingungen leben, haben keine Laptops zur Verfügung. Daher fehlt ihnen seit fast zwei Jahren jeder Zugang zu Bildung, so «CNN».

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Kinder spielen in den Strassen von Neu Delhi.
Neu Delhi
Besonders Kinder aus ärmeren Familien haben jeglichen Zugang zur Bildung verloren.
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Ein indisches Schulkind im Unterricht unter freiem Himmel.
Indische Schülerin beim Fiebermessen
Indische Schülerin beim Fiebermessen
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Ein Schüler mit Maske am Lernen.

Mädchen seien dabei stärker betroffen. Gemäss einem Bericht des «NGO Right To Education Forum» haben wegen Corona geschätzt 10 Millionen indische Sekundarschülerinnen die Schule abgebrochen.

Mehr Kinder-Ehen, mehr Gewalt gegen Kinder

Das bereitet Shaheen Mistri, der Gründerin der Non-Profit-Organisation «Teach For India» grosse Sorgen. «Es gibt mehr Kinderehen und mehr Gewalt gegen Kinder. Auch die Ernährung ist ein grosses Problem – viele waren abhängig von Schulmahlzeiten», erklärt sie. «Wir müssen uns auf die langfristigen Folgen von all dem vorbereiten.»

Schule Coronavirus
Schüler in Indien erhalten Unterricht unter freiem Himmel wegen des Coronavirus. - keystone

Bereits im August baten Eltern die Regierung Neu Delhis darum, die Schulen wieder zu öffnen. Nun wurde das Thema bei einer Versammlung am Donnerstag erstmals offiziell besprochen. Während viele sich einig waren, dass Kinder wieder in die Schule gehen sollen, entschied Gouverneur Anil Baijal schliesslich dagegen.

Unverständlich, auch für Delhis stellvertretenden Ministerpräsidenten, Manish Sisodia. Er schrieb auf Twitter: «Wir haben die Schulen geschlossen, als es für die Kinder nicht mehr sicher war, aber übertriebene Vorsicht schadet ihnen jetzt.» Die mildere Omikron-Variante lasse zu, dass man die Schulen wieder öffne.

Auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) fordert Staaten dazu auf, ihre Kinder wieder in die Schule gehen zu lassen.

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