Donald Trump fliegt Kritik von seinen Unterstützern um die Ohren
Nach der Festnahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro zerbricht ausgerechnet die eigene MAGA-Basis von Donald Trump an einem Tabu: Krieg im Ausland.

Das Wichtigste in Kürze
- Trumps Venezuela-Einsatz bringt erstmals breite Kritik aus der MAGA-Basis.
- Selbst enge Verbündete wie Greene und Bannon stellen sich öffentlich gegen ihn.
- Auch Republikaner im Senat wollen Trumps Kriegsbefugnisse begrenzen.
Was lange als unverrückbare Loyalität galt, gerät plötzlich ins Wanken. Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela wenden sich immer mehr Anhänger von Donald Trump gegen ihren politischen Heilsbringer.
Der Präsident hatte im Wahlkampf versprochen, die USA aus ausländischen Konflikten herauszuhalten. Nun lassen ihn ausgerechnet seine eigenen Wähler daran messen.
Dass Demokraten den Versuch eines Regimewechsels in Caracas ablehnen, überrascht niemanden. Doch inzwischen kommt der Widerstand auch aus den Reihen der MAGA-Bewegung («Make America Great Again»). Viele Unterstützer fragen sich, was aus Trumps «America First» geworden ist.
Marjorie Taylor Greene geht weiter auf Distanz zu Donald Trump
Besonders deutlich äussert sich die ehemalige republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene, lange eine der treuesten Trump-Verbündeten. Gegenüber «NBC» sagte sie, die Venezuela-Politik sei «genau dieselbe Washingtoner Vorgehensweise, die wir so satthaben und die nicht dem amerikanischen Volk dient, sondern den grossen Konzernen, Banken und Ölmanagern».
Ihr Widerstand richte sich gegen eine Regierung, die mit «MAGA» Wahlkampf gemacht habe und jetzt das Gegenteil liefere. «Wir sehen Venezuela nicht als unsere Nachbarschaft an. Unsere Nachbarschaft befindet sich hier in den 50 Bundesstaaten der USA, nicht auf der Südhalbkugel», betonte Greene.

Auf der Plattform X wurde sie noch deutlicher: Die Abscheu der Amerikaner gegenüber endlosen Kriegen sei berechtigt, weil sie am Ende dafür bezahlen müssten. «Viele MAGA-Anhänger dachten, sie hätten genau das mit ihrer Wahl beenden wollen. Was haben wir uns doch geirrt!»
Greene war schon Ende 2025 mit Trump über dessen Umgang mit den Jeffrey-Epstein-Akten aneinandergeraten. Trump beschimpfte sie damals als Verräterin, Greene kündigte ihren Rückzug aus dem Kongress an.
Umfragen zeigen: Unterstützung für Donald Trump wackelt
Noch steht ein grosser Teil der Republikaner hinter Trump. Laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage befürwortet ein Drittel der US-Bevölkerung den Einsatz in Venezuela, während 30 Prozent ihn ablehnen. Der Rest äusserte keine Meinung.
Unter Republikanern unterstützen mehr als zwei Drittel die Aktion – bei Demokraten hingegen nur jeder Zehnte. Doch Analysten warnen, dass diese Zustimmung rasch bröckeln könnte, wenn sich der Einsatz in die Länge zieht.

Bereits jetzt wird die Kritik lauter. Der republikanische Abgeordnete Thomas Massie schrieb in sozialen Medien: «In Venezuela geht es nicht um Drogen – es geht um Öl und einen Regimewechsel. Dafür haben wir nicht gestimmt.»
Wählerin über Donald Trump: «Er erzählt nur Unsinn»
Auch einfache Trump-Wähler fühlen sich getäuscht. Die Bauunternehmerin Andrea Janssen aus Kansas sagte dem «Wall Street Journal»: «Ich glaube dem Präsidenten nicht, dass es bei Maduros Festnahme um Drogenbekämpfung geht».
Und weiter: «Er erzählt nur Unsinn. Es geht ihm nur ums Öl.» Sie erinnerte an Trumps Begnadigung des verurteilten Drogenhändlers und Ex-Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández.
Besonders schockiert habe sie Trumps Aussage, die USA würden Venezuela «regieren». «Mir ist ehrlich gesagt ganz schlecht geworden», so Janssen.

Ähnlich klingt es bei Dillon Mockli aus Idaho. Der Foodtruck-Unternehmer hatte Trump 2024 gewählt, weil dieser versprochen habe, Inflation und Staatsausgaben zu senken und Kriege zu beenden.
Im «Wall Street Journal» reagierte er sarkastisch auf die Ereignisse in Caracas: «Bezaubernd. Genau das, wofür ich gestimmt habe.» Trumps erstes Amtsjahr sei für ihn eine «gigantische Enttäuschung monumentalen Ausmasses».
Bannon und Owens schiessen aus dem rechten Lager
Selbst aus Trumps ideologischem Umfeld kommt Gegenwind. Ex-Berater Steve Bannon kritisierte in der «New York Times»: Die fehlende Klarheit über eine mögliche Besetzung Venezuelas habe die MAGA-Basis «verwirrt, wenn nicht sogar verärgert». In seinem Podcast fragte er, ob der Einsatz nicht «an unser Fiasko im Irak unter Bush erinnert».

Die rechtsextreme Influencerin Candace Owens nannte Maduros Festnahme auf X «eine weitere feindliche Übernahme eines Landes im Auftrag globalistischer Psychopathen». Owens erreicht mit ihren Kanälen Millionen Menschen – viele davon aus dem harten Kern der Trump-Bewegung.
Auch der Senat stellt sich gegen Donald Trump
Der Druck wächst nicht nur medial, sondern auch politisch. Im US-Senat wurde ein Gesetzesentwurf vorangebracht, der Trump verpflichten würde, vor weiteren militärischen Schritten die Zustimmung des Kongresses einzuholen. Mehrere republikanische Senatoren stimmten dafür, zusammen mit dem Demokraten John Fetterman.
Donald Trump reagierte wütend. Auf «Truth Social» griff er die Abweichler scharf an und schrieb: «Republikaner sollten sich für Senatoren schämen, die mit Demokraten versucht haben, uns die Macht zu nehmen, die USA zu verteidigen.»

Die Resolution muss noch durch das Repräsentantenhaus und würde wohl ohnehin an einem präsidialen Veto scheitern. Doch das politische Signal ist klar: Selbst in Trumps eigener Partei bröckelt der Glaube an seinen aussenpolitischen Kurs.
















