Darum will Donald Trump wieder mit dem Iran verhandeln

Stephan Felder
Stephan Felder

USA,

Donald Trump droht, dann verhandelt er plötzlich doch: Hinter den widersprüchlichen Signalen im Iran-Krieg steckt laut einem Experten womöglich Kalkül.

donald trump
Hat die US-Regierung von Donald Trump tatsächlich mit dem Iran verhandelt? Ein Experte hält mehrere Szenarien für plausibel. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist Trumps Kehrtwende im Iran-Krieg nur eine Taktik, um Zeit zu gewinnen?
  • Oder haben tatsächlich Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran stattgefunden?
  • Ein Experte meint: Gespräche nur möglich, wenn es im iranischen Regime zu Rissen kommt.

Noch am Wochenende drohte Donald Trump mit Angriffen auf Irans Energieinfrastruktur. Nur Stunden später sprach er plötzlich von «konstruktiven Gesprächen» mit Teheran.

Diese widersprüchlichen Aussagen sorgen international für Verwirrung. Zumal der Iran wenige Stunden nach Trumps Äusserungen jeglichen Kontakt mit den USA dementierte.

Gleichzeitig gehen die Angriffe weiter, in der Nacht auf Dienstag wurden grossflächige Luftangriffe geflogen. Und auch aus Israel sind keine Signale der Deeskalation zu hören.

Alles nur Taktik von Donald Trump?

Für Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project ist die Lage völlig offen: «Im Moment sind noch viele Details unklar», sagt er.

Es sei «nicht professionell einzuschätzen», ob es sich um echte Gespräche zwischen den Kriegsparteien handle, so Der Experte.

Schindler hält drei Szenarien für möglich: Tatsächliche Gespräche zwischen dem Iran und den USA. Indirekte Gespräche mittels Drittstaaten in der Region.

Oder: Eine blosse Taktik der US-Administration, um die Märkte zu beruhigen und Zeit zu gewinnen.

Donald Trump
Verhandlungen oder Bluff? Die Gesprächs-Ankündigungen von Donald Trump sorgen für Spekulationen. - keystone

Tatsächlich reagierten die Börsen unmittelbar positiv auf die Aussagen von Donald Trump. Gleichzeitig verschob Der Präsident sein Ultimatum – und gewann damit mehrere Tage Zeit.

Für Schindler kein Zufall: «Er hat mit der verschobenen Deadline für Angriffe auf die iranische Energieinfrastruktur mindestens fünf Tage gewonnen.»

Druck wegen Ölpreisen wächst

Diese Zeit könnte militärisch entscheidend sein. Denn zusätzliche US-Truppen im Golf könnten so einsatzbereit gemacht werden. Etwa für einen möglichen Angriff auf die strategisch wichtige Insel Kharg, ein Zentrum des iranischen Ölexports.

Die plötzliche Kehrtwende könnte auch wirtschaftliche Gründe haben. Die Drohungen von Donald Trump hatten die Märkte erschüttert und die Energiepreise nach oben getrieben.

Schindler sagt: «Das hat die Weltmärkte extrem verunsichert und zu hohen Verlusten geführt.» Deshalb sei es «durchaus möglich», dass die Verhandlungsrhetorik nur ein Manöver ist, um den Druck zu reduzieren.

Sackgasse oder Strategie?

Hat sich Donald Trump also in eine ausweglose Lage manövriert? Schindler widerspricht: «Ich würde die Situation nicht ausweglos nennen.»

Neben militärischen Optionen gebe es zahlreiche Möglichkeiten, den Iran wirtschaftlich zu treffen. Etwa durch strengere Kontrollen iranischer Tanker oder das Einfrieren von Vermögen im Ausland.

Diese Massnahmen könnten das Regime empfindlich schwächen, ohne eine weitere Eskalation zu riskieren.

Verhandlungen nur bei Spaltung möglich

Entscheidend ist laut Schindler eine andere Frage: Gibt es überhaupt Gesprächspartner im Iran?

«Die Frage ist nicht, ob das Regime an Verhandlungen interessiert ist. Sondern ob es gelingt, das Regime intern zu spalten.»

Vor allem die mächtigen Revolutionsgarden dürften kaum kompromissbereit sein. Für sie gehe es um «zu viel Geld, Macht und persönliche Sicherheit».

An welches Szenario glaubst du?

Schindler: «Die Frage ist, ob es gelingt, Teile des Regimes dazu zu bringen, quasi die Seiten zu wechseln. Und sich offen gegen die Revolutionsgarden zu stellen.»

Diese Möglichkeit könne durch eine effektivere Störung der Finanzströme zum Regime hin noch erhöht werden.

Besteht die Chance auf einen Regime-Change?

Sollte es dennoch Gespräche zwischen dem Iran und den USA geben, wäre das ein starkes Signal: «Ein Ausdruck ernsthafter Zerwürfnisse innerhalb des Regimes.»

Donald Trump
Steht der Iran vor einem Regime-Wechsel? Verhandlungen mit den USA könnten darauf hindeuten. - keystone

Für die involvierten iranischen Verhandler wäre dies eine Chance, sich für die Zukunft in Position zu bringen. «Für die US-Administration und Israel wäre es eine Chance, einen Teilregimewechsel zu erreichen.»

Doch aktuell bleibt vor allem eines: Unsicherheit. Ob Trumps überraschende Wende der Beginn eines diplomatischen Durchbruchs oder das «Chaos» dieses Konflikts nur vergrössert: Das ist völlig offen.

Kommentare

User #3915 (nicht angemeldet)

Lass die Finger von der Insel Kharg Mr. President, das gibt ein Desaster, wie naiv kann man sein, du läufst in eine Falle aber eben, einfach mal drauflos und abwarten.

User #1418 (nicht angemeldet)

Es haben keine Verhandlungen statt gefunden.

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