Spielt Donald Trump seinen christlichen Glauben nur vor?
Betende Priester und eine eigene Bibel – Donald Trump scheint religiös zu sein. Ein von ihm gepostetes KI-Bild, das ihn als Jesus zeigt, weckt Zweifel daran.

Das Wichtigste in Kürze
- Donald Trump stellte sich sowohl im Wahlkampf als auch im Präsidentenamt als religiös dar.
- Seit er sich kürzlich als Jesus inszenierte, zweifeln aber viele an Trumps Glauben.
- Nau.ch hat bei einem Theologen nachgefragt, woran der US-Präsident wirklich glaubt.
«Ich wurde von Gott gerettet, um Amerika wieder grossartig zu machen, das glaube ich.» Dies waren die Worte von Donald Trump, nachdem er am 13. Juli 2024 bei einem Attentat während einer Wahlkampfveranstaltung beinahe erschossen wurde.
Immer wieder tätigte Trump im Wahlkampf religiöse Äusserungen. Auch nachdem er am 20. Januar 2025 seine zweite Amtszeit als US-Präsident antrat, blieb die Bezugnahme auf religiöse Themen fester Bestandteil seiner öffentlichen Auftritte.
Zudem verkauft Donald Trump seit März 2024 seine eigene Bibel, die «God Bless the USA»-Bibel. Ist Donald Trump also ein gläubiger Christ? Jüngste Ereignisse lassen Zweifel daran aufkommen.
Nau.ch hat bei einem Theologen nachgefragt, woran Trump wirklich glaubt.
Daniel Bogner ist Professor für Moraltheologie und Ethik an der Universität Fribourg. Die «konsequente politische Instrumentalisierung» religiöser Motive sei aus theologischer Perspektive «hochproblematisch», sagt Bogner.
Trump lasse sich öffentlich religiös überhöhen, mit «quasi-messianischen Bildern» versehen. Ein deutliches Beispiel dafür lieferte der US-Präsident kürzlich, indem er sich in einem KI-Bild als Jesus inszenierte.
KI-Bild lässt Zweifel aufkommen
Das Bild, das Trump auf Truth Social postete, sorgte bei vielen Gläubigen für Empörung. Aus christlichen Kreisen wurde schnell der Vorwurf der Blasphemie, also der Gotteslästerung, laut. Der Aufschrei war so gross, dass Trump reagieren musste und das Bild löschte.
«Diese Inszenierungen werden aktiv in den politischen Raum eingespeist», sagt Daniel Bogner. Das Problem daran sei, dass dadurch nicht Glaube sichtbar werde, sondern Religion zur Stütze politischer Macht umgebaut werde.
Christliche Werte und christlicher US-Kongress
Seine konservative Politik, die sich klar gegen Dinge wie Abtreibung oder LGBTQ+-Rechte positioniert, widerspiegelt oftmals christliche Werte.
Auch der US-Kongress ist gemäss einer Umfrage des Pew Research Centers seit Donald Trumps zweiter Amtszeit stark christlich geprägt. Etwa 86,7 Prozent des im Anfang Januar 2025 eingeschworenen 119. US-Kongress identifiziert sich als Christen.
Sowohl in seiner ersten als auch in der zweiten Amtszeit liess Trump für sich beten. Erst kürzlich, Anfang März, legten ihm zwanzig evangelikale Priesterinnen und Priester die Hände auf und beteten für Erfolg im Krieg.
Will Donald Trump damit Wähler gewinnen?
Aber macht Donald Trump all dies nur, um die christlichen Wähler für sich zu gewinnen? «Die Frage nach seinem persönlichen Glauben entzieht sich einer Beurteilung von aussen», so Daniel Bogner.
Wissen, inwiefern und woran Trump wirklich glaubt, wird wohl nur er selbst. Umfragen zeigen jedoch, dass er mit der Vertretung christlicher Werte relativ viele Wähler auf seiner Seite hat.
40 Prozent der befragten US-Amerikaner waren 2024 Anhänger einer protestantischen Glaubensgemeinschaft. Merkmale dieser Überzeugung sind unter anderem konservative theologische Positionen oder eine starke Betonung der Bibel als höchste Autorität.
Letzteres setzt Trump offensichtlich nicht gänzlich um, sondern stellt sich mit seiner KI-Inszenierung mit Gott gleich.




















