Formel 1: Mehr Elektro-Power soll die Motoren-Misere beenden
Die Formel 1 passt für 2027 das Motoren-Reglement an, um die Energie-Sorgen zu reduzieren. Eine Reihe komplexer Änderungen soll die Probleme beheben.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Formel 1 wird ihr Motoren-Reglement in den nächsten Jahren weiter anpassen.
- Der Verbrenner liefert mehr Power, die Leistung aus dem Elektro-Antrieb wird begrenzt.
- Zugleich läuft im Hintergrund schon die Vorbereitung auf die nächste Motoren-Generation.
Die Motoren-Misere der Formel 1 unter dem neuen Reglement ist hinreichend dokumentiert: Der Reglements-Umbruch vor der Saison 2026 hat den Triebwerken in der Königsklasse ihre Energie geraubt. Weil 50 Prozent der rund 1000 PS aus dem Elektro-Antrieb kommen sollen, geht den Batterien schnell der Saft aus.
Besonders auffällig ist dieses Problem auf Hochgeschwindigkeits-Strecken wie zuletzt in Spa-Francorchamps: Trotz Vollgas verlieren die Autos in der Formel 1 am Ende der langen Kemmel-Geraden fast 50 km/h Höchstgeschwindigkeit. Im zweiten Sektor war man ohne elektrische Energie unterwegs – also mit weniger Leistung als die Formel 2!
Formel 1 arbeitet weiter am Motoren-Reglement
Trotzdem hat die Formel 1 im Saisonverlauf schon spürbare Fortschritte gemacht – auch dank Anpassungen am Reglement. So wurden die Begrenzungen für Rückgewinnung und Energie-Abgabe (im Fachjargon «Harvesting» und «Deployment») angepasst.
Verglichen mit dem Debakel in Australien zum Saisonstart steht die Königsklasse bereits etwas besser da.

Dennoch sind für die kommende Saison weitere Anpassungen unvermeidlich. Längst bekannt ist, dass sich die Kraftverteilung im Antriebsstrang verschieben wird: 2027 kommen 58 Prozent der Leistung aus dem Verbrennungsmotor, 2028 sollen es sogar 60 Prozent sein. Erreicht wird das über eine Erhöhung der Benzin-Durchflussmenge.
Elektro-Antrieb wird dramatisch überarbeitet
Deutlich bedeutsamer sind aber die Änderungen auf der Elektro-Seite des Hybrid-Antriebs. Die Leistung aus der «Motor Generator Unit – Kinetic», kurz MGU-K, sinkt von aktuell 350 auf 300 kW. Künftig zieht der Elektro-Motor also weniger Leistung aus den Batterien, die dadurch länger halten sollen.

Eine weitere Anpassung betrifft die Rückgewinnung, also das «Harvesting»: Aktuell darf die MGU-K nur 350 kW «ernten» und in die Batterien zurückspeisen. Dieses Limit wird 2027 auf 375 kW angehoben, 2028 auf 400 kW. Zugleich wird die maximale Batterie-Ladung schrittweise von aktuell 4 MJ auf 5 MJ im Jahr 2028 angehoben.
Hybrid-Antriebe in der Formel 1 vor dem Aus?
Diese Anpassungen sollen die Motorsport-Königsklasse in den nächsten Jahren deutlich weniger anfällig für energiearme Rennstrecken machen. Ganz lösen lassen sich die Probleme mit den aktuellen Antriebssträngen aber nicht. Auch deshalb blickt die Formel 1 schon intensiv auf den nächsten Regel-Zyklus voraus.

Ab 2030 oder 2031 wird ein völlig neues Motoren-Reglement greifen. Als gesichert gilt, dass die aktuellen 1,6-Liter-V6-Turbo-Hybriden ausgedient haben. Die nächste Generation wird wahrscheinlich einen 2,4-Liter-V8-Biturbo im Heck haben. Die Hybrid-Komponente wird voraussichtlich auf ein minimales «Push-to-Pass»-System reduziert.
















