YB – Lunde: «Sanches nicht an WM ist ein Fehler – aber gut für YB!»
Nau.ch-Kolumnist Lars Lunde hätte Alvyn Sanches an die WM 2026 mitgenommen. Für den Umbruch bei YB könnte das Nicht-Aufgebot aber eine gute Nachricht sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Lars Lunde ist mit der abgelaufenen YB-Saison unzufrieden und hofft auf einen Umbruch.
- Der Nau.ch-Kolumnist versteht ausserdem nicht, wieso Alvyn Sanches im WM-Aufgebot fehlt.
- Lunde ist aber der Meinung: Ein zusätzliches Jahr bei YB würde Sanches weiterbringen.
Starten wir mit der Aktualität: Nati-Trainer Murat Yakin nimmt Alvyn Sanches nicht mit an die WM. Diesen Entscheid halte ich für einen Fehler!
Er hätte der Nati mit seiner individuellen Klasse helfen können. Für einen Spieler wie Sanches muss man eigentlich einen Platz und eine passende Rolle finden.

Auch für Sanches persönlich wäre diese Endrunde eine wichtige Erfahrung in seiner Entwicklung gewesen. Auf der anderen Seite: Für YB könnte dieser Entscheid sportlich positiv sein.
Lunde: «Sanches soll noch eine Saison bei YB bleiben»
Denn: Aus meiner Sicht käme ein Wechsel ins Ausland für Sanches in diesem Sommer noch zu früh. Er müsste, wenn schon, zu einem Club wechseln, bei dem er immer spielt.
Bei YB wird er das – und er kann in der nächsten Saison mehr Verantwortung übernehmen. Zudem, und das wäre bei ihm extrem wichtig, könnte er auch körperlich nochmal zulegen.

Klar: Keine WM-Teilnahme von Sanches (und kein Europapokal) heisst aus YB-Sicht auch, dass sich eine mögliche Transfersumme wohl vorerst verringert. Aber die Berner sollten in diesem Sommer nicht in erster Linie auf das Geld schauen.
«Es wird Zeit für einen Umbruch bei YB»
Und damit kommen wir endgültig zu den Young Boys: Mit dem 3:3 gegen Sion geht eine miserable Saison zu Ende. Ich habe seit Jahren keine so schwache Spielzeit meines Clubs erlebt.

Das beste Beispiel: Man schlägt Meister Thun im Derby 8:3 – beendet die Saison aber 20 (!) Punkte hinter dem Aufsteiger. Da stimmt aus meiner Sicht vieles nicht!
Für YB wird es in diesem Sommer Zeit, einen Umbruch einzuläuten. Man ist sich in der sportlichen Führung bestimmt bewusst, dass man in den letzten Jahren nicht alles richtig gemacht hat.

Jetzt geht es darum, Trainer Gerardo Seoane ein Team hinzustellen, mit dem man wieder etwas von Grund auf aufbauen kann.
«Neuer Innenverteidiger – und zwei Eigengewächse»
Die Grossbaustelle befindet sich in der Defensive (69 Gegentore!). Hier muss sicher ein richtig guter Innenverteidiger geholt werden. Ein «Turm» mit Qualität, der das nötige Leadership mitbringt, das YB in vielen Phasen der Saison gefehlt hat.

Sandro Lauper würde ich mit seiner Übersicht und seiner Qualität, das Spiel zu lesen, gerne wieder im Mittelfeldzentrum sehen.
Und für Captain Loris Benito muss eine Rolle gefunden werden. Als Typ ist er wichtig für das Team, sportlich könnte es aber vielleicht eher in Richtung Backup weitergehen.
Auf den Aussenverteidiger-Positionen sage ich gerne zwei Eigengewächse: Einerseits soll der 17-jährige Olivier Mambwa hinten links seine Chance erhalten.

Auf der rechten Seite hoffe ich auf eine Rückkehr von Lewin Blum. Der 24-Jährige konnte in Belgien Erfahrungen sammeln – jetzt soll er als Berner zum Grundgerüst bei YB gehören. Er ist nämlich sicher nicht schwächer, als die restlichen Rechtsverteidiger im Kader.
Lunde: «YB braucht Leadership und Identifikation»
Es ist eine alte Diskussion – aber sie ist leider immer noch aktuell: YB braucht mehr Leadership auf dem Platz. Und aus meiner Sicht auch wieder mehr Identifikation. Hier würden Eigengewächse wie Blum, Mambwa und Co sicher helfen. Darauf kann man aufbauen.

Auf die sportliche Leitung wartet viel Arbeit. Denn eines ist klar: Eine solche Saison darf sich nicht mehr wiederholen.
Als der FCZ 2022 Meister wurde, hat YB sofort zurückgeschlagen. Jetzt hat man zwei Jahre in Serie den Titel nicht geholt. Das ist, gemessen an den Ansprüchen aus den letzten Jahren, nicht genug aus Berner Sicht.
Hopp YB!

Zur Person
Lars Lunde
1986 schiesst Lars Lunde YB zum Meistertitel. Ein Jahr später wechselt der Däne zum grossen Bayern München in die Bundesliga. Später spielt er auch unter Ottmar Hitzfeld für Aarau.
Im Alter von 26 Jahren muss Lunde wegen der Folgen eines Verkehrsunfalls seine Karriere beenden.
Bis heute ist der 62-jährige Lars Lunde in Bern eine Legende – und seit 2024 auch Nau.ch-Kolumnist.












