Berner (54) findet keinen Job – weil KI ihn rausfiltert

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Bern,

«Das ist ein Notfall», sagt Laurent Dulout aus Bern. Er sucht seit eineinhalb Jahren einen Job – erfolglos. Eine grosse Hürde dabei seien KI und sein Alter.

Dulout Job
Laurent Dulout schreibt seit Dezember 2024 bis zu zehn Bewerbungen pro Monat. Bisher hat er aber noch keinen neuen Job erhalten. - zvg/pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Key Account Manager Laurent Dulout braucht dringend einen Job.
  • Er hat drei Kinder im Jugendalter und im Juni läuft sein Arbeitslosengeld aus.
  • Er appelliert an alle HR-Fachpersonen, mehr Menschlichkeit walten zu lassen.

Im Sommer 2024 kam es in der Firma von Laurent Dulout zu einer Reorganisation. Nach mehr als fünf Jahren verlor er seine Stelle als Sales Manager bei der Luminator Technology Group. Ein Schock.

Im auf Fahrgast-Informationen spezialisierten Unternehmen war er für die Kundschaft in der Westschweiz und in der Region Bern zuständig.

Seither ist der 54-Jährige auf Stellensuche. Seit Dezember 2024 verschickt er bis zu zehn «gezielte Bewerbungen» pro Monat. Doch auch eineinhalb Jahre später steht er trotz guter Qualifikationen ohne Job da. Das bringt ihn nun in eine «existenzbedrohende Situation.»

Hast du Angst vor Arbeitslosigkeit?

Denn Mitte Juni läuft sein Arbeitslosengeld aus. «Es ist ein Notfall», sagt Dulout zu Nau.ch. Zwar arbeitet seine Frau Teilzeit als Lehrerin. Doch dieses Geld reicht nicht aus, um die Familie mit drei Jugendlichen durchzubringen und die Fixkosten zu decken.

«Das ist keine Übertreibung – es geht um unsere finanzielle Sicherheit und die Zukunft meiner Kinder», so Dulout.

KI sortiert Bewerbung wegen Alter raus

Wieso klappt es nicht mit einer Stelle?

Einerseits sei der Markt recht ausgetrocknet. Die aktuelle Unsicherheit sei Gift.

Andererseits sei da die künstliche Intelligenz (KI) in Kombination mit seinem Alter. «Viele Auswahlverfahren sind heute KI-gesteuert – und mein Alter führt oft dazu, dass ich ohne Chance auf ein Vorstellungsgespräch aussortiert werde.»

Mehrere HR-Spezialisten hätten ihm dieses Vorgehen bestätigt. Auch den Fakt, dass das Alter für eine erste Sortierung eine grosse Rolle spiele.

HR-Expertin und Professorin Nathalie Amstutz weiss: «Es gibt Studien, die zeigen, dass es diese diskriminierenden Effekte durch KI wirklich gibt», so die Dozentin für Diversity Management und Organisation an der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Von diesem Fall auf alle zu schliessen, sei jedoch heikel.

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Soll man das Alter bei einer Bewerbung angeben? - pexels

Sie empfiehlt Betrieben, Personen unterschiedlichen Alters zum Vorstellungsgespräch einzuladen.

Weshalb sie es trotzdem nicht tun? Finanzielle Gründe wie höhere Sozialleistungen bei älteren Personen oder konkrete Vorstellungen einer demographischen Zusammensetzung des Teams könnten Gründe dafür sein, so Amstutz.

Was Dulout vor allem stört: Bei den Absagen sei es sehr schwierig, eine Begründung zu erhalten. «Oft kommt einfach eine automatische Antwort.» Doch ein Feedback wäre wichtig, auch für den weiteren Bewerbungsprozess, findet er. «Hinter jeder Bewerbung steht ein Mensch.»

Grosses Echo auf Hilferuf

Sein Alter würde Dulout auch bei künftigen Bewerbungen nicht verschweigen. «Ehrlichkeit ist wichtig für mich», sagt er. Zudem sei bei seiner 20-jährigen Berufserfahrung in der Kundenbetreuung und im Vertrieb klar, dass er nicht mehr 35 Jahre jung sei.

Das sieht auch Expertin Nathalie Amstutz so. «Das Alter erschliesst sich so oder so durch den Lebenslauf.» Leute aus dem Bewerbungsprozess auszuschliessen, die ihr Alter nicht angeben, findet sie aber genauso falsch.

Gibst du dein Alter bei einer Bewerbung an?

Ein «SOS»-Appell auf dem Job-Netzwerk LinkedIn hat Dulout bisher über 1200 Likes und über 180 Kommentare eingebracht. Er hat viel Zuspruch, Tipps für freie Stellen sowie direkte Links für Bewerbungen zugeschickt bekommen, was ihn freut.

Nun hofft Dulout, dass es bei diesem Anlauf klappt – und er endlich wieder arbeiten darf.

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Der Post von Laurent Dulout erreichte über 1200 Reaktionen und über 180 Kommentare. - Screenshot Linkedin

Denn für ausgesteuerte Personen unter 60 Jahren stellt die Anmeldung beim Sozialdienst in der Regel die verbleibende Unterstützungsmöglichkeit dar. Das erklärt das Berner Amt für Arbeitslosenversicherung auf Anfrage.

Ab dem 55. Altersjahr bestehe die Möglichkeit, zusätzlich 120 Tage Arbeitslosenentschädigung zu beziehen.

Für Laurent Dulout ist aber klar, dass er so schnell wie möglich auf den Arbeitsmarkt zurück will. «An der Motivation fehlt es nicht!»

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Kommentare

User #4132 (nicht angemeldet)

Unser Sohn (37) ist nun ausgesteuert. Zuerst wurde er vom RAV-Berater immer nur vertröstet. Dann von einem Job-Coach via RAV auch nur vertröstet. Dann via Sozialamt zu einem Integrationsprogramm, wo der Berater ihn auch nur verströstet hat... das geht schon fast 2-3 Jahre so. Nette Berater, die ihn alle immer nur "vertrösten", anstatt ihm endlich mal einen Kurs, eine Umschulung oder sonst was zu bezahlen. Nichts !! Er hatte eine gute seriöse Lehre abgeschlossen, dann der letzte Arbeitgeber ging Konkurs. Seither ist er auf Stellensuche, hat auch Hilfsjobs angenommen. Doch vom RAV, SozAmt usw... überall wurde er immer nur "nett vertröstet", .... das ganze System redet von tollen Integrationsprogrammen für Arbeitslose, doch ein normaler anständiger junger Mann, höflich, freundlich, er findet keine neue Stelle ? ? ?

User #6041 (nicht angemeldet)

Ich war 20 Jahre lang Abteilungsleiter. In der Regel ist nicht nur das Alter der Grund, das man die Stelle nicht bekommt. Auch die Sozialleistungen sind es nicht. Was interessiert ist ob Lohn und erwartet Leistung und aktueller Stand des Wissens passen. Viele ältere Bewerber hatten vor 15/20 Jahren ihre letzte Ausbildung. Viele verwechseln Erfahrung mit Marktwert und viele machen sich keine realistischen Überlegungen zu ihren Lohn Vorstellungen und was eine Firma zahlen kann. Und was Männer auch nicht gerne hören. Frau im gleichen Alter arbeiten i.d.R. besser. Mehr Menge und bessere Qualität. Wie gesagt, das Alter ist häufig nicht der Grund weshalb man nicht angestellt wird.

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