YB in Birmingham: Studie spricht von Missverständnis
Ein Missverständnis liess die Ausschreitungen beim Spiel von YB gegen Aston Villa in Birmingham eskalieren – das zeigt eine neue Studie der Uni Bern.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Uni Bern hat die Fangewalt beim YB-Spiel in Birmingham im November untersucht.
- Laut Studie kannte die britische Polizei das Schweizer Modell mit Fanvermittlern nicht.
- Irrtümlich sei eine Ansprechperson verhaftet worden, schreiben die Studienautoren.
- Die Studie rechtfertigt die Gewalt nicht, will aber helfen, Fankulturen zu verstehen.
Acht verhaftete YB-Fans, Verletzte, eskalierende Gewalt: Das Europa-League-Spiel zwischen YB und Aston Villa in Birmingham vom vergangenen November hat Schlagzeilen gemacht. Nun liegt eine Fallstudie der Universität Bern vor – und die zeichnet ein differenziertes Bild der Ereignisse.
Das Kernproblem: Die britische Polizei kannte die in der Schweiz übliche Praxis von Fanvermittlern schlicht nicht. Rückblende: YB-Fans warfen nach dem ersten und zweiten Tor Gegenstände auf den Platz.
Daraufhin schickte der Schiedsrichter YB-Captain Loris Benito als Vermittler zu den Fans. Gleichzeitig begab sich eine Ansprechperson der Fankurve in Richtung Spielfeld – ein in der Schweiz üblicher Schritt zur Deeskalation.
Die britische Polizei interpretierte die Situation falsch laut Alain Brechbühl falsch. Der Projektverantwortliche am Institut für Strafrecht und Kriminologie der Universität Bern und Mitautor der Studie, erklärt gegenüber dem «Regionaljournal Bern»: «Die britische Polizei hat nicht gewusst, dass in Schweizer Fankurven Ansprechpersonen existieren. So hat sie den Vermittler verhaftet, worauf die Situation eskaliert ist.»
Unterschiedliche Fankulturen prallen aufeinander
In der Schweiz sind Fanvermittler und sogenannte «Points of Contact» ein etabliertes Mittel zur Konfliktlösung. In englischen Stadien ist dieses Modell unbekannt – die Fans seien dort weniger organisiert, so Brechbühl weiter.
Auch das Werfen von Gegenständen aufs Spielfeld komme in der Schweiz vergleichsweise häufig vor; dafür gebe es hierzulande Fangnetze. Die Folgen des Vorfalls – Verletzungen, Verhaftungen, Inhaftierungen – seien das Ergebnis von Fehlinterpretationen und nicht von vorsätzlicher Gewalt.
Die Erkenntnisse sollen die Übergriffe der Fans von YB nicht entschuldigen, betont Brechbühl ausdrücklich: «Es hat gegenüber der Polizei körperliche Übergriffe gegeben, die inakzeptabel sind.» Dennoch ist die Botschaft der Studie klar: «Die Gewalt in Birmingham wollte niemand – weder Fans, noch Polizei, noch der Club.»
Die Fallstudie entstand im Rahmen eines laufenden Forschungsprojekts zum Umgang mit Gewalt rund um Fussballspiele. Daran beteiligt war auch eine englische Partneruniversität – finanziert wurde die Studie vom Schweizerischen Nationalfonds. Untersucht wurde dabei das Polizeiverhalten bei Spielen in der Schweiz und in England.
YB: Studie deckt sich mit Aussagen von Goalie Benito
Brisant: Die Studie über den Vorfall mit YB deckt sich mit den Aussagen von Loris Benito. Der BSC-Captain hatte damals schon nach dem Match erklärte, dass es sich wohl um ein «grosses Missverständnis» gehandelt habe.

«Ich kenne unsere Fans sehr gut, ich weiss dass da absolut keine Böswilligkeiten dahinter steckten.» Benito sowie auch der ganze Berner Verein wurden jedoch nach dieser «Missverständnis»-Aussage heftig angefeindet. Jetzt gibt es also die späte Genugtuung für die Berner.




















