Wegen Hund: Paar beschimpft Blinde in Swiss-Flieger

Bettina Zanni
Bettina Zanni

Spanien,

In den Sitzreihen der Business Class eines Swiss-Flugs eskaliert die Situation: Ein Paar stört sich an einem Blindenhund.

Blindenhund
Der schwarze Labrador habe ganz ruhig dort gelegen, sagt der Passagier Bernd Steiner. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Paar beschimpft auf einem Flug von Málaga nach Zürich eine blinde Frau.
  • Ein Fluggast schreitet ein.
  • Die blinde Frau sei verängstigt gewesen, sagt er.

Vor dem Start kippt die Stimmung in der Business Class plötzlich. Bernd Steiner sitzt im Flugzeug von Málaga nach Zürich, ein paar Reihen vor ihm ein älteres Ehepaar.

«Das Paar begann eine blinde Frau zu beschimpfen und zu beleidigen», sagt Steiner zu Nau.ch. Die Gäste hätten sich am Begleithund der Passagierin in der hinteren Sitzreihe gestört. Sie regten sich auf, weil ein Pfötchen des Hundes in ihren Sitzbereich reichte.»

Steiner findet die Reaktion nicht nur rücksichtslos, sondern auch erstaunlich. «Das Paar hatte selber auch einen kleinen Hund dabei.»

«Sie entschuldigte sich sogar»

Bernd Steiners Schilderungen zufolge machte die Passagierin das genervte Paar auf ihre Blindheit aufmerksam.

«Sie entschuldigte sich sogar.» Trotzdem habe sich das Paar nicht beruhigt. «Ich stand sofort auf und ging dazwischen.» Auch habe er die Passagierin beruhigt.

Schreitest du bei Konflikten anderer Personen ein?

Darauf boten Steiner und seine Frau dem Paar ihre Sitze an. «Einfach, damit diese Frau endlich Ruhe hatte», sagt Steiner.

Die blinde Passagierin habe einen verängstigten Eindruck gemacht, sagt Steiner. «Ich sah, dass sie zitterte.» Auch habe er mitbekommen, wie sie jemandem am Telefon erzählt habe, wie schlimm die Situation für sie gewesen sei. Sowas komme in der Schweiz normalerweise nicht vor, habe sie erzählt.

«Es ist traurig»

Der Vorfall auf dem Rückflug seiner Ferien in Spanien geht dem Passagier nicht so schnell aus dem Kopf. Der schwarze Labrador habe ganz ruhig dort gelegen, sagt Bernd Steiner.

Blinde seien von Hilfe, Ruhe und Sicherheit abhängig. «Es ist traurig, dass eine blinde Frau im Flugzeug das Gefühl bekommt, sich für ihre Existenz entschuldigen zu müssen.»

Positiv in Erinnerung bleibt ihm eine Geste der Crew.

Während des Flugs servierte die Crew Steiner und seiner Frau eine Flasche Champagner. «Die Crew hat sich bei uns bedankt, das fand ich rührend und hätte ich nicht erwartet», sagt der Gast.

«Für niemanden eine Gefahr»

Trotzdem sieht Bernd Steiner, der sich als beruflicher Vielflieger bezeichnet, bei der Crew der Swiss Verbesserungspotenzial. Diese solle mehr Verantwortung übernehmen, falls eine Situation eskaliere, findet er.

Als Inhaber einer Restaurantkette habe er auch oft mit Gästen zu tun. «Es ist nicht Aufgabe der Passagiere, bei Konflikten einzugreifen.»

Auch bedauert er, dass sich nicht weitere Gäste für die blinde Frau eingesetzt haben. «Wahrscheinlich waren alle geschockt», vermutet er.

Die Swiss bestätigt den Vorfall vom 13. Januar auf Anfrage.

Kennst du jemanden mit einem Blindenhund?

«Unsere Crewmitglieder haben den Passagieren erklärt, dass für Blindenhunde an Bord besondere Regelungen gelten.» Dies sagt Mediensprecherin Silvia Exer-Kuhn. Die Crew halte sich auch an diese Regelungen, habe sie zudem erklärt.

«Der Hund stellte für niemanden eine Gefahr dar», sagt die Mediensprecherin. Auch sei der Hund der Regelung entsprechend transportiert worden.

Crew habe geholfen

Die Crew hat laut Swiss aber eingegriffen. «Es ist nicht korrekt, dass sich die Crew nicht um die Passagierin gekümmert hat», sagt Silvia Exer-Kuhn.

Ihre Crewmitglieder setzten stets alles daran, dass ihre Fluggäste eine angenehme Reise erlebten und sich an Bord wohlfühlten. «Gerade auch wenn Personen an Bord sind, die zusätzliche Unterstützung benötigen, gehen die Crewmitglieder mit besonderer Sensibilität vor.»

Die Crewmitglieder seien dem Gast an Bord sehr dankbar für seine Unterstützung gewesen. «Gemeinsam mit ihm konnten sie die Situation rasch und unkompliziert lösen.»

Zu einem Sitzplatzwechsel wäre es auf dem Flug aber auch ohne den Streit gekommen. «Passagiere mit Hunden dürfen nicht direkt hintereinander sitzen», sagt Silvia Exer-Kuhn.

Dies sehe die Regelung für den Transport von Tieren an Bord vor (siehe Box unten). «Der Gast hat von sich aus netterweise angeboten, den Sitz zu tauschen.» Mit dem Champagner habe sich die Crew für die Flexibilität bedankt.

«Könnte innerlich kotzen»

«Die Crew hat sich fabelhaft verhalten», stellt Bernd Steiner darauf klar. Die Beschimpfungen des älteren Ehepaars gegenüber der blinden älteren Dame hätten nicht aufgehört. «Ab diesem Zeitpunkt bin ich dann auch eingeschritten.»

Steiner hat den Vorfall auf der Plattform Linkedin gepostet. Für seinen Einsatz bekommt er in über 100 Kommentaren Lob.

«Danke fürs Eingreifen und die Solidarität dieser armen, lieben Frau und ihrem tollen vierbeinigen Freund gegenüber!», schreibt eine Userin etwa. «Es sollten mehr Menschen einschreiten, wenn mit Respektlosigkeit Schwächeren oder hilfsbedürftigeren Menschen gegenübergetreten wird.»

Hast du auf einem Flug auch schon mal einen Konflikt erlebt?

Reisen mit Tieren

Blindenhunde zählen zu Assistenzhunden, sogenannten Service Animals. Diese sind speziell ausgebildet und unterstützen beeinträchtigte Personen im Alltag, unter anderem an Bord eines Flugzeugs. Damit sie diese Unterstützung leisten können, gelten laut Swiss im Flugzeug andere Regeln als für sonstige Haustiere.


Assistenzhunde dürfen demnach ohne Transportbox reisen. Sie müssen sich am Boden vor dem Passagier befinden und angeleint sein. Für Crew und Fluggäste dürfen sie keine Bedrohung jeglicher Art darstellen. Haustiere müssen dagegen in einer Transportbox bleiben.

Die genervte Reaktion des Ehepaars sorgt für Entrüstung. «Ich könnte innerlich kotzen, schreien oder so jemandem mal offiziell die Leviten lesen», schreibt ein User. «Was sind das für eigensinnige und egoistische, gefühllose Charaktere?»

Diskussionen in Spitälern oder Geschäften

Auch ausserhalb von Flugzeugen haben Blinde wegen ihrer tierischen Begleiter zu kämpfen.

«Die Präsenz von Blindenführhunden gibt hauptsächlich an Orten zu Diskussionen Anlass, an denen Hunde sonst keinen Zutritt haben.» Dies sagt Martin Abele, Mediensprecher des Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverbands. «Also zum Beispiel in Spitälern oder Geschäften.»

Viele Menschen wissen laut Abele nicht, dass Blindenführhunde auch in diesen Etablissements Zutritt haben. «Von einem Vorfall wie dem hier geschilderten habe ich noch nie gehört.»

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Kommentare

User #1996 (nicht angemeldet)

Dieses Paar sollte sich schämen für dieses Verhalten. Etwas Empathie wäre angemessen. Die Crew hätte schneller eingreifen müssen und diese arroganten Passagiere in den Senkel stellen.

User #1456 (nicht angemeldet)

ist nur peinlich, was sich schweizer erlauben. das sieht man, das Ego nimmt ständig zu in der Schweiz, Kein Mitleid , kein Verständnis mehr. Nur noch:ich, ich., ich und immer wieder ich,

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