Easyjet fliegt mit nur zehn Passagieren nach Griechenland
Als eine Nau.ch-Leserin von Genf auf eine griechische Insel fliegt, staunt sie nicht schlecht: Im Flieger von Easyjet sitzen neben ihr nur wenige Passagiere.

Das Wichtigste in Kürze
- Eine Nau.ch-Leserin reist in einem fast leeren Flieger nach Griechenland.
- Für die Fluggesellschaft ist dies kein Problem.
- Klimatologe Reto Knutti findet aber: «Jeder Flug ist einer zu viel.»
Dass der November in Griechenland kaum zur Hauptreisezeit gehört, war Nau.ch-Leserin Eugénie M.* von Anfang an klar.
Doch: «Ich hätte vor Reiseantritt auf eine griechische Insel nie gedacht, dass ich eine von nur etwa zehn Passagieren sein würde.»
Was die Nau.ch-Leserin dabei noch mehr überrascht, ist die Tatsache, dass sie dabei in einem grossen Flugzeug sitzt. «Der Flugzeugtyp hatte mehr als 30 Reihen und sechs Sitzplätze pro Reihe.»
Sie findet: «Die Situation war absurd. Ich habe mich wirklich gewundert. Und mich irgendwie auch gefragt, warum Easyjet den Flug überhaupt durchgeführt hat.»
Passagierin wundert sich über grossen Flieger bei sehr tiefer Auslastung
Zwar ist Eugénie M.* dankbar, dass Easyjet ihren Flug ab Genf nicht in letzter Minute gecancelt hat. Doch für sie ist die Situation – insbesondere mit dem grossen Flugzeug – auch unverständlich.
«Wenn bei anderen Airlines das Fluggastaufkommen nicht so gross war, sass man halt in einem kleineren Flieger.» Diese hätten dann aus drei Sitzen pro Reihe und weniger Reihen bestanden.
«Warum das in diesem Fall anders war, kann ich nicht verstehen. Und ich frage mich auch, wie oft mit einer so geringen Auslastung geflogen wird.»
Laut Easyjet: «Auslastung von 92,4 Prozent im gesamten Streckennetz»
Nau.ch hat bei Easyjet nachgefragt, ob eine solche Situation öfter vorkommt. Und ob es rentabler sei, mit einem beinahe leeren Flugzeug abzuheben, statt einen Flug zu canceln.
Diese Fragen will die Billig-Fluggesellschaft nicht beantworten, sagt nur allgemein: «Easyjet engagiert sich für nachhaltige Effizienz.»
Diese Strategie werde «durch eine Auslastung von 92,4 Prozent im gesamten Streckennetz» für das Geschäftsjahr 2025 untermauert, so die Airline.
Eine Zahl, die durch «eine regelmässige und sorgfältige Bewertung» des Streckennetzes zur Optimierung von Wachstum und Rentabilität erreicht werde.
«Hinflug mit wenigen Passagieren, Rückflug mit vielen Passagieren»
Einen Grund für das fast leere Flugzeug liefert Aviatik-Experte Cord Schellenberg. Er erklärt: «Ende Oktober bis Anfang November enden zahlreiche Flugketten zu südeuropäischen Sonnenzielen, darunter auch die griechischen Inseln.»
Deshalb gebe es deutlich mehr Passagiere, die nach Nord- und Mitteleuropa fliegen würden, als in den Süden. Das führe zu folgendem Phänomen: «Hinflug mit wenigen Passagieren, Rückflug mit vielen Passagieren.»
Klar sei, so Schellenberg: «Würde man den gering ausgelasteten Flug am Anfang oder Ende einer Flugkette streichen, käme niemand ins Urlaubsgebiet oder zurück.»
Flugzeuge seien eben nicht immer gleichmässig stark ausgelastet. Denn: «In Europa haben die unterschiedlichen Jahreszeiten starken Einfluss auf die Nachfrage seitens der Reisenden.»
«Von Flugscham und Klimaschutz ist beim Reisen nichts mehr spürbar»
Anders sieht das der Schweizer Klimatologe Reto Knutti. Für ihn ist klar: «Aus Sicht des Klimas ist jeder Flug einer zu viel.»
Wenn schon ein Flugzeug fliege, dann «sollte es idealerweise nur so gross sein, wie Passagiere da sind». Dies, um die Kosten und den CO₂‑Ausstoss zu minimieren.
Aber, so Knutti: «Von Flugscham und Klimaschutz ist beim Reisen allerdings nichts mehr spürbar. Die Passagierzahlen des Flughafens Zürich sind auf Rekordkurs.»
* Name der Redaktion bekannt























