Was bleibt vom WEF – und was hat die Schweiz davon?
Donald Trump provoziert, Europa ringt um Antworten: Das WEF 2026 zeigte schonungslos, wo die Welt steht.

Das Wichtigste in Kürze
- Das WEF 2026 machte die neue Weltordnung sichtbar: fragmentiert und machtpolitisch.
- Donald Trump dominierte die Debatte als Provokateur und als unbequemer Spiegel für Europa.
- Für die Schweiz bleibt Davos ein geopolitischer Trumpf: neutraler Boden in unsicherer Zeit
Mit der Schlussrede von Präsident Borge Brende ist das WEF 2026 am Freitagmittag zu Ende gegangen.
Es waren intensive Tage in Davos, die noch immer für reichlich Gesprächsstoff sorgen. Da war – natürlich – die Rundumschlag-Rede von Donald Trump sowie seine Gründung des umstrittenen Friedensrats. Und seine Erklärungen zu Grönland.
Da waren aber auch die deutliche Kritik des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an Europa. Oder der kämpferische Auftritt von Frankreichs Emmanuel Macron mit seiner modischen Sonnenbrille.
Was hat das WEF tatsächlich bewegt – und was bringt es der Schweiz?
Experte lobt Kanada-Premier – und kritisiert Trump-«Gelaber»
Dem renommierten Politikwissenschafter Christoph Frei bleibt vorab die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carney in guter Erinnerung. «Nüchtern in der Analyse, mutig in der Vision», sagt Frei zu Nau.ch.

«Am anderen Ende des Spektrums würde ich das unsäglich selbstbezogene, entrückte Gelaber seines Nachbarn aus den USA verorten.»
Und doch: Auch Donald Trump gehört für Frei zu dieser Zeit. Mehr noch – er halte «uns Europäern gnadenlos den Spiegel vor.»
Donald Trump als Symptom – nicht als Ausrutscher
Dass ausgerechnet Donald Trump Davos dominierte, überrascht Politologin und Sicherheitsexpertin Gesine Weber von der ETH Zürich nicht.
Sein Auftritt habe den Kurs der US-Aussenpolitik bestätigt: Machtpolitik statt Multilateralismus, Deals statt Regeln.
«Das WEF hat nochmals deutlich gezeigt, was sich schon länger abzeichnet: Eine zunehmend fragmentierte globale Ordnung», sagt Weber. Also den Zerfall von bisher geltenden Kooperationen.
Die USA setzen zunehmend auf bilaterale Abmachungen und strategische Machtbalancen. Damit verlieren internationale Institutionen wie die UNO oder WTO (Welthandelsorganisation) an Einfluss, erklärt Frei.
Für Europa ist das ein Moment der Neuorientierung. Die europäischen Staaten müssen sich entscheiden, ob sie auf Eigeninitiative, Bündnisse oder doch auf den transatlantischen Rahmen setzen.
Mittelmächte suchen neue Allianzen
Neben Donald Trump setzte ausgerechnet Kanada einen Kontrapunkt. Die Rede von Premier Carney wird nicht nur von Frei, sondern auch von Weber positiv hervorgehoben.
Sie zeigte, wie sogenannte Mittelmächte ihre Strategien neu justieren müssen, sagt Weber: Selbstbewusster, eigenständiger, vernetzter.
Carney plädierte für pragmatische Allianzen, Investitionen in grüne Technologien und eine Anpassung an globale Finanzströme, ohne die eigene Souveränität aufzugeben.
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron blieb Weber mit seinem Ruf nach einer «handelspolitischen Bazooka» in Erinnerung. Gemeint ist das Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung. Es soll Gegenmassnahmen gegenüber Ländern ermöglichen, die den Grundregeln des weltweiten Handels widersprechen. Hier also gegen die USA.
Europa, so der Tenor in Davos, ist nicht machtlos. Aber es muss lernen, seine Hebel gezielter einzusetzen.
Renaissance des WEF? Jein
Besonders auffällig an der diesjährigen WEF-Ausgabe: Die hohe Dichte an Staats- und Regierungschefs.
Für Frei ist sie ein Zeichen der Verunsicherung: «In solchen Situationen zieht es alle zum Marktplatz.»

Weber widerspricht teilweise: Das WEF sei weniger eine Plattform als eine Bühne zur öffentlichen Kommunikation für Staats- und Regierungschefs. Die eigentliche Diplomatie passiere anderswo – Davor oder danach.
Dennoch sei die Sichtbarkeit wichtig: Öffentliche Statements, Medienaufmerksamkeit und symbolische Gesten helfen, Positionen zu verankern. Und interne Botschaften an die eigene Bevölkerung oder Partnerländer zu senden.
Was bringt Davos der Schweiz?
Gerade in einer Zeit, in der UNO oder WTO an Einfluss verlieren, gewinnt der Standort Schweiz an Bedeutung. «Wenn solche Plattformen hier noch möglich sind: Umso besser», sagt Frei.
Das WEF 2026 hat gezeigt: Die Schweiz ist kein globaler Machtfaktor. Aber sie ist Gastgeberin eines der letzten Orte, an denen alle noch miteinander reden.
Und das ist – in dieser Weltlage – mehr wert denn je.















