Nach Epstein-Skandal: Børge Brende tritt als WEF-Chef zurück

Mehr als 100 Nachrichten soll er mit Epstein ausgetauscht haben: Jetzt tritt WEF-Chef Børge Brende zurück. Der Stiftungsrat sucht noch einen Nachfolger.

WEF Brende Epstein
Trafen sich mehrmals: Børge Brende, Chef des WEF (l.) und der verstorbene Sexualstraftäter Jeffrey Epstein (r.). - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Børge Brende tritt als Präsident des Weltwirtschaftsforums zurück.
  • Der Stiftungsrat sucht einen Nachfolger: Alois Zwinggi übernimmt das Amt bis dahin.
  • Brende und Epstein sollen über 100 Nachrichten ausgetauscht haben.

Noch im November 2025 hat er öffentlich bestritten, den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Eppstein je gekannt zu haben.

Doch nun wurde klar: Unbekannte waren Epstein und WEF-Chef Børge Brende (60) definitiv nicht. Die beiden haben über 100 Nachrichten ausgetauscht!

Jetzt tritt der WEF-Chef zurück, wie norwegische Medien berichten.

wef 2023
Nach acht Jahren tritt der WEF-Chef Børge Brende zurück. - Keystone

In einer Stellungnahme schreiben die Co-Präsidenten des WEF, Larry Fink und André Hoffmann, dass man sich bei Børge Brende für seine bedeutenden Beiträge zum Weltwirtschaftsforum bedanke. «Wir möchten Børge Brende unseren aufrichtigen Dank für seine bedeutenden Beiträge zum Weltwirtschaftsforum aussprechen. Wir respektieren seine Entscheidung, zurückzutreten.»

Jetzt übernimmt Alois Zwinggi gemäss dem WEF vorläufig die Geschäfte, obwohl er eigentlich in den Ruhestand wollte.

«Bereichernde Erfahrung»

Auch Brende äussert sich in der Mitteilung: «Meine achtjährige Tätigkeit ist eine äusserst bereichernde Erfahrung gewesen», so der Norweger. Am diesjährigen WEF seien so viele Regierungschefs aus aller Welt zusammengekommen wie noch nie.

«Ich bin dankbar für die unglaubliche Zusammenarbeit mit meinen Kollegen, Partnern und Mitgliedern und glaube, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für das Forum gekommen ist, seine wichtige Arbeit ohne Ablenkungen fortzusetzen.»

Erst Anfang Februar leitete das Weltwirtschaftsforum eine unabhängige Überprüfung gegen seinen CEO Børge Brende ein. Es ging dabei um die Klärung von dessen Beziehungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Anlass waren die Enthüllungen über Brendes Teilnahme an drei Arbeitsessen mit dem 2019 verstorbenen, wegen Pädophilie verurteilten Finanzier sowie Mail- und SMS-Verkehr.

Sollen sich 2018 kennengelernt haben

Brende selbst erklärte, er habe 2018 während eines Besuchs in New York eine Einladung vom ehemaligen norwegischen Vize-Ministerpräsidenten und Uno-Gesandten für den Nahen Osten und Nordafrika, Terje Rød-Larsen, erhalten, «sich ihm zu einem Abendessen mit einer Person anzuschliessen, die als US-amerikanischer Investor, Jeffrey Epstein, vorgestellt wurde».

Brende
Brende soll mit Epstein über die WEF-Strategie gesprochen haben. - Keystone

An diesem Treffen hätten auch mehrere weitere Führungspersönlichkeiten teilgenommen. Im darauffolgenden Jahr habe er an zwei ähnlichen Abendessen mit Epstein teilgenommen, gemeinsam mit weiteren Diplomaten und Wirtschaftsvertretern.

Diese Abendessen sowie einige E-Mails und SMS hätten «den gesamten Umfang des Kontakts dargestellt», erklärte Brende weiter. Er habe keinerlei Kenntnis von Epsteins Vergangenheit und kriminellen Aktivitäten gehabt.

«Hätte ich seinen Hintergrund gekannt, hätte ich die ursprüngliche Einladung abgelehnt sowie jede weitere Einladung zu Abendessen oder andere Kommunikationsformen», sagte Brende.

Der WEF-CEO räumte ein, er hätte «eine gründlichere Überprüfung von Epsteins Vergangenheit durchführen können» und bedauere, dies nicht getan zu haben.

Engen Kontakt gepflegt

Ohne Zweifel haben sich Epstein und Brende gut verstanden: 2018 feierte Brende seinen 53. Geburtstag – bei Epstein zu Hause. Wie schon bei anderen Treffen war auch Trump-Berater Steve Bannon vor Ort.

Verfolgst du den Skandal rund um die Epstein-Enthüllungen?

Dass die beiden Männer eine enge Beziehung pflegten, zeigt eine Nachricht, in der Brende «Miss you», ich vermisse dich, schrieb.

Besonders problematisch sind Brendes Gespräche mit Epstein über die WEF-Strategie. Hinter dem Rücken seines Arbeitgebers diskutierte er mit dem verurteilten Sexualstraftäter über die Positionierung des Weltwirtschaftsforums. Auch an diesen Gesprächen war Steve Bannon beteiligt.

Zwinggi wollte eigentlich in den Ruhestand

Die Co-Präsidenten André Hoffmann und Larry Fink gaben sogleich bekannt, dass der WEF-Direktor Alois Zwinggi ad interim das Amt des CEO übernimmt.

Zwinggi wollte eigentlich bereits in diesem Jahr von seinem Posten zurücktreten – wird er 2026 doch pensioniert. Bereits im Januar gab er aber bekannt, aufgrund der Swissness zu verlängern. Zwinggi ist der einzige Schweizer in der WEF-Leitung.

«Ich muss nachsitzen», scherzte Zwinggi im Gespräch mit Keystone-SDA noch im Januar dieses Jahres. Er werde vermutlich bis 2028 beim WEF bleiben, hiess es damals. Grund dafür war die Zusammenarbeit zwischen dem WEF und der Schweiz.

Als einziger Schweizer sehe er sich in einer Botschafterrolle. Ziel sei es, Stabilität zu vermitteln und die langjährige Kooperation mit nationalen und regionalen Behörden fortzuführen. Eine Nachfolge müsse zwingend aus der Schweiz stammen.

Neuer Direktor und CEO gesucht

Der WEF-Vorstand muss nun also einen neuen Schweizer Direktor und einen neuen CEO suchen. Diesen Führungswechsel gelte es zu überwachen, einschliesslich des Plans, einen ordnungsgemässen Prozess zur Bestimmung eines dauerhaften Nachfolgers voranzutreiben, schrieben Fink und Hoffmann weiter.

Kommentare

User #5660 (nicht angemeldet)

Die Nachfolger werden USA , wer denn sonst!!🤣🤣🤣

User #4212 (nicht angemeldet)

Super der erste hoffe es folgen noch ganz viele schön das so etwas an die Öffentlichkeit kommt. Schön das Reiche nicht machen können was sie wollen

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