Martin Haab: «Donald Trump hat wirklich ein persönliches Problem»

Bettina Zanni
Bettina Zanni

USA,

SVP-Nationalrat Martin Haab ist kürzlich in den USA gewesen. Dabei erlebte er US-Präsident Donald Trump aus nächster Nähe.

Donald Trump
SVP-Nationalrat Martin Haab (r.) besuchte als Mitglied der parlamentarischen Gruppe «Christ + Politik» das Nationale Gebetsfrühstück. Sein Amtskollege der EVP, Martin Jost, war auch zu Gast. - zVg

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Präsident Donald Trump hielt am National Prayer Breakfast eine Rede.
  • Nach Trumps Auftritt kann SVP-Nationalrat Martin Haab «nur den Kopf schütteln».
  • Auch seine Farmer-Freunde seien etwas kleinlaut geworden, sagt der Zürcher Landwirt.

Nau.ch: Sie haben als Mitglied der parlamentarischen Gruppe «Christ + Politik» kürzlich das National Prayer Breakfast in Washington besucht. Wie nahe bekamen Sie US-Präsident Donald Trump dort zu Gesicht?

Martin Haab: Ich hatte Glück. Ich sass bei seiner Rede an einem Tisch in der dritten Reihe an bester Lage. Es war eindrücklich. Und es fühlte sich fast unreal an für mich als «Schweizer «Politikerli», den Präsidenten plötzlich so nahe zu sehen.

In der Einladung stand, dass der Anlass «im Beisein unseres Präsidenten» stattfinde. Bis Donald Trump auf der Bühne stand, hatte ich damit gerechnet, dass er sicher noch absagen würde.

National Prayer Breakfast

Der ehemalige US-Präsident Dwight D. Eisenhower rief 1953 das National Prayer Breakfast ins Leben. Die überparteiliche Veranstaltung findet jedes Jahr am ersten Donnerstag im Februar statt. Traditionell hält der amtierende Präsident eine Rede. Mitglieder des US-Kongresses und der Regierung, religiöse Würdenträger sowie rund 3500 Gäste nehmen jeweils teil. Darunter sind auch Vertreter aus rund hundert Ländern. Die Teilnehmenden des Nationalen Gebetsfrühstücks treffen sich zum Frühstück, Gebet und Netzwerken.

Nau.ch: Angeblich waren für seine Rede 20 Minuten eingeplant, er sprach am Ende aber 80 Minuten. Genossen Sie die lange Rede?

Haab: Richtig, er hat deutlich überzogen. Es war wirklich kurzweilig, ihm zuzuhören. Wenn man manch anderen Politikern so lange zuhören müsste, würde es nach ein paar Minuten langweilig. Inhaltlich gesehen war die Rede aber kein Highlight.

Es war mehr oder weniger copy paste das, was Donald Trump bereits am WEF in Davos sagte. Wie auch in Davos sprang er von einem Thema zum nächsten und war immer und überall der Grösste. Ich habe ihn jetzt auch live gehört. Damit hat er mir einmal mehr bestätigt, dass er wirklich ein persönliches Problem hat.

Nau.ch: Wie meinen Sie das?

Haab: Donald Trump hat einen unglaublichen Geltungsdrang. Ich kann nur den Kopf schütteln, dass ein Politiker so auftritt. Er hat einmal mehr bestätigt, dass er ein unglaublicher Narzisst ist.

Nau.ch: Das Publikum liess alles wohl wie immer höflich über sich ergehen.

Haab: Einige Amerikaner, die mit mir am Tisch sassen, hielten sich bei einigen pointierten Aussagen die Hände vor den Kopf. Oder sie schauten auf den Boden. Sie schämten sich fremd.

Es gab auch Gäste, die den Saal verliessen, als sich Trump über die Demokraten ausliess. Am Anlass hatte es natürlich auch viele Demokraten.

Donald Trump
Die Teilnehmenden des Nationalen Gebetsfrühstücks treffen sich zum Frühstück, Gebet und Netzwerken. - zVg.

Nau.ch: Konnten Sie als bürgerlicher Politiker ihm hingegen auch zustimmen?

Haab: Er nennt gewisse Fehlentwicklungen in der Gesellschaft beim Namen. In den USA stehen im allerbesten Landwirtschaftsland Windkraftwerke. Donald Trump sagte, dass Farmer diesen nur zustimmten, weil der Staat sie dafür grosszügig mit Entschädigungsgeldern unterstützte.

Trump will, dass die Windkraftwerke verschwinden. I totally agree. Als Landwirt, der in jungen Jahren genau auf diesen Feldern gearbeitet hat, denke ich genau gleich.

Klartext redet er auch in dieser Gender-Geschichte. Wir sind auf dem Holzweg, wenn wir Wokeness als das wichtigste Problem in unserer Gesellschaft anschauen. Das National Prayer Breakfast bleibt mir wegen der anderen Reden aber viel nachhaltiger in Erinnerung als das Gequassel von Trump.

Reist du in die USA?

Nau.ch: Welche Redner beeindruckten Sie?

Haab: Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, hielt eine sehr bewegende Rede. Er erzählte, wie sich das einst korrupte Land zu einem florierenden Land entwickelt hat. Auch Bill Lee, Governor of Tennessee, hielt eine sehr persönliche Rede. Diese handelte von seinem Leben und den christlichen Werten, die er lebt.

Nau.ch: Seit dem Zollhammer steckt die Schweiz in zähen Verhandlungen mit den USA. Werden Sie diesen Besuch auch für Ihre Arbeit im Parlament nutzen können?

Haab: Was ich mitnehme, ist: Egal, was Trump sagt und macht, es hat eine extrem kurze Halbwertszeit. Wichtig ist, dass man ihm die Deutungshoheit gibt. Es war ein Fehler. Unsere Regierung preschte letzten Sommer mit einer Lösung vor – und dann sah alles ganz anders aus.

Bei Verhandlungen mit Trump sollte man nicht vorschnell etwas kommunizieren. Er ist extrem empfindlich, wenn man ihm die Show in den USA stehlen will.

Nau.ch: Sie haben viele Farmer-Freunde in den USA. Wie zufrieden sind diese mit Trumps Politik?

Haab: Ja, ich habe die Reise genutzt, um auch meine damaligen Gasteltern zu besuchen (siehe Box). Sie sind heute pensioniert und wohnen zurzeit in Texas. Auch kam es zu einem schönen Wiedersehen mit Freunden und Bekannten.

Sowohl bei den ersten als auch bei den zweiten Wahlen von Donald Trump waren alle flammenden Befürworter von ihm. Einige Farmer präsidierten sogar regionale Wahlkomitees für Trump. Im Moment sind sie aber auf den Boden gekommen und etwas kleinlaut geworden.

Nau.ch: Warum?

Haab: Die Zollgeschichten und die Handelskriege drücken stark auf die Getreidepreise. Die Preise für Mais und Soja sind innert kürzester Zeit um ein Drittel gefallen. Für Farmer bedeutet dies Verluste in Millionenhöhe. Sie glauben aber fest daran, dass die Zollpolitik von Trump längerfristig den wirtschaftlichen Aufschwung bringt.

Nau.ch: Staunen Sie manchmal über diesen Optimismus?

Haab.ch: Die einen Farmer wohnen in Iowa, andere in Illinois und Kansas – da ist heile Welt. Sie spüren vorderhand nichts von den Grossstädten und den internationalen Verhandlungen. Den Amerikaner interessiert nicht, was ausserhalb seiner Grenze passiert.

Meine Freunde sagen immer, dass Donald Trump für sie lediglich das geringere Übel sei. Mit Kamala Harris hätten sie schon gar nichts anfangen können.

Schweizer Landwirt in den USA

Martin Haab (62) ist Zürcher SVP-Nationalrat und diplomierter Landwirt in Mettmenstetten. Von 1983 bis 1984 arbeitete er auf einer Farm im US-Bundesstaat Iowa. Von 1998 bis 2000 war er Präsident der Interessengemeinschaft der Brown Swiss Züchter Schweiz (IGBS). In dieser Funktion reiste er ein- bis zweimal pro Jahr für den Austausch mit Berufskollegen in die USA. Bis heute besucht er in den USA regelmässig seine damaligen Gasteltern und Freunde.

Kommentare

User #3517 (nicht angemeldet)

Trump darf gerne abdanken.

DiVa M.

Die meisten haben das bei Trump schon lange gemerkt.

Weiterlesen

Demokraten hilflos gegen Trump
74 Interaktionen
«Äusserst schwach»
Donald Trump
254 Interaktionen
Zürcher Dolmetscherin
donald trump
262 Interaktionen
Zoll-Telefonat

MEHR IN NEWS

Montbovon
Basel
Brand in Wichtrach BE
Tramelan BE

MEHR DONALD TRUMP

Ali Chamenei Donald Trump
283 Interaktionen
Laut Insidern
Jeffrey Epstein Donald Trump
155 Interaktionen
Widersprüche
Donald Trump
87 Interaktionen
Midterms-Taktik
4 Interaktionen
Nicht entschuldigt

MEHR AUS USA

Gold und Silber
Verkaufsdruck
Schiesserei in den USA
Bei Hockey-Game
Pokémon
11 Interaktionen
Neuer Weltrekord!
Pokémon Go 2023
1 Interaktionen
New York