US-Demokraten finden keine Antwort auf Trumps Aktivismus

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    USA,

    Während US-Präsident Donald Trump die USA und die halbe Welt in Aufruhr versetzt, sind die Demokraten erstaunlich zahnlos. Das hat Gründe.

    Donald Trump Puppe USAID
    Eine Puppe des US-Präsidenten Donald Trump wird während einer Kundgebung zur Unterstützung der United States Agency for International Development (USAID) herumgetragen, in der Nähe des US-Kapitols in Washington, am 5. Februar 2025. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Den Staat umbauen, Rechte streichen, Staaten verärgern: Donald Trump geht aufs Ganze.
    • Die Demokraten kritisieren zwar, machen aber einen orientierungs- und hilflosen Eindruck.
    • Teilweise sei dies selbstverschuldet, teilweise liege dies am System, erklären Experten.

    Innert weniger Tage hat US-Präsident Donald Trump die USA und die Welt auf den Kopf gestellt. Mit Dekreten versucht er, die Bürgerrechte einzuschränken. Sämtliche Kapitol-Stürmer werden begnadigt – auch diejenigen, die Polizisten angegriffen haben.

    Ganze Bundesstellen, ganze Departemente, werden vorübergehend geschlossen oder gleich ganz gestrichen. Tausenden Bundesangestellten wird die Kündigung nahegelegt oder sie werden juristisch verfolgt. Bis hin zu FBI-Agenten, die lediglich Anweisungen befolgt haben.

    Kundgebung Finanzministerium Elon Musk
    Der demokratische Senator Richard Blumenthal, begleitet von anderen Kongressmitgliedern, spricht während einer Kundgebung gegen Elon Musk vor dem Finanzministerium in Washington am 4. Februar 2025. - keystone

    «Amerikas Demokratie steht im Begriff, binnen kürzester Zeit zur Unkenntlichkeit verstümmelt zu werden», kommentiert die «Süddeutsche Zeitung». Kurz: Trump macht mehr oder weniger das, was das «Project 2025», der Masterplan zur Übernahme der Macht, vorgibt.

    Das «Project 2025», von dem er im Wahlkampf keine Ahnung gehabt haben will. Vieles ist an der Grenze zum gesetzlich erlaubten oder verletzt die Verfassung gar explizit.

    Demokraten reagieren «äusserst schwach»

    Und was machen die US-Demokraten? Sie demonstrieren vor Regierungsgebäuden (in die man sie, im Gegensatz zu Elon Musks Informatikern, plötzlich nicht mehr reinlässt) und rufen: «He! Das darf man aber imfall nicht!»

    Chuck Schumer Demokraten
    Der Fraktionsführer der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer (links) während einer Medienkonferenz mit dem Fraktionsführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries (rechts) im US-Kapitol, am 4. Februar 2025. - keystone

    Versinnbildlicht wird die Hilflosigkeit der Demokraten durch den Fraktionsvorsitzenden im Senat, Chuck Schumer. Dieser tut, was er seit Jahrzehnten immer tut: «Scharfe Worte» an den politischen Gegner richten und dabei tadelnd über den Brillenrand gucken.

    «Die Antwort der Demokraten auf die ‹disruptive› Flut von Massnahmen ist in der Tat äusserst schwach», sagt Thomas Greven. Der Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin hat aber auch eine Erklärung für die zurückhaltende Reaktion.

    Strategie der Demokraten

    Die Demokraten hätten eine strategische Entscheidung getroffen, nicht «über jedes Stöckchen zu springen», das Trump hinhalte.

    Stattdessen konzentriere man sich auf die bereits 2026 anstehenden Zwischenwahlen. Dabei steht ein Drittel des Senats und das gesamte Repräsentantenhaus zur Wahl.

    Donald Trump Transsexuelle Dekret
    Präsident Donald Trump unterzeichnet am 5. Februar 2025 eine Durchführungsverordnung, die transsexuellen Sportlerinnen die Teilnahme an Frauen- und Mädchensportveranstaltungen untersagt. - keystone

    Die Hoffnung auf reuige Wählerinnen und Wähler, die negative Folgen der Trump-Politik am eigenen Leib erfahren: Angesichts der knappen Mehrheitsverhältnisse «keine schlechte Strategie», sagt Politologe Greven.

    «Nur hat man übersehen, dass wohl auch Trump ahnt, dass er vielleicht nur zwei Jahre ‹durchregieren› kann. Und entsprechend die Zahl und die Grösse der ‹Stöckchen› anpasst.»

    Sarah Wagner Thomas Greven
    Politologin und USA-Expertin Sarah Wagner von der an der Atlantischen Akademie Rheinland Pfalz (links)und Thomas Greven, Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin. - Screenshot atlantische-akademie.de/thomas-greven.berlin

    Auch für Sarah Wagner, Politologin und USA-Expertin an der Atlantischen Akademie Rheinland Pfalz, ist klar: «Die nächsten zwei Jahre bis zu den Zwischenwahlen werden entscheidend sein.»

    Dass die Demokraten bislang kaum Gegenwehr zeigen, erklärt sie mit zwei Faktoren: fehlender Einigkeit und Weitsicht und dem politischen System.

    «Project 2025» nicht ernst genommen

    Die US-Demokraten hätten ihre Oppositionsrolle noch nicht gefunden. «Wie sehr soll man in die Fundamentalopposition gehen aufgrund der aktuellen Entwicklungen um Elon Musk? Oder wo soll man im Senat vielleicht doch kooperieren?» Zudem sei man nach wie vor mit dem Ausgang der Wahlen 2024 beschäftigt und verunsichert.

    Gleichzeitig werde die Partei auch von den Entwicklungen überrollt: «Man war nicht gut genug vorbereitet auf diese Flut von Anordnungen, Vorschlägen und auch rechtswidrigen Vorgehensweisen. Hier hat man zwar im Wahlkampf vor dem ‹Project 2025› gewarnt, aber es anscheinend selbst nicht wirklich ernst genommen.»

    Wenig Spielraum als Minderheits-Partei

    Zweitens schränkt das politische System die Partei in der Minderheit enorm ein. Die Demokraten könnten lediglich bestimmte Prozesse verlangsamen, erklärt Wagner: «Sie können medial Aufmerksamkeit erringen und versuchen, die politischen Kosten für Trump in die Höhe zu treiben.»

    Gerade im Senat gebe es dazu Möglichkeiten, den Ablauf stark zu verlangsamen. Oder bei den im März anstehenden Budgetverhandlungen, wo Trumps Republikaner auf die Zusammenarbeit mit den Demokraten angewiesen sind.

    Macht Trump einen guten Job als US-Präsident?

    Dort sieht auch Thomas Greven einen Hebel für die Demokraten: Bündnispartner könnten dann ausgerechnet die «deficit hawks» sein, die eher konservativeren Spar-«Falken» in der republikanischen Fraktion.

    «Resistance» aus Bundesstaaten und Zivilgesellschaft

    Seines Erachtens werde mittelfristig Widerstand vor allem juristisch erfolgen, gegebenenfalls aus von Demokraten regierten Bundesstaaten, vermutet Greven.

    Dort sieht auch Sarah Wagner viel Aktivität, mit dem Einreichen von Klagen durch demokratische Gouverneure: «Hier hat man sich schon länger ernsthaft auf eine zweite Amtszeit von Donald Trump vorbereitet.»

    US-Präsident Donald Trump macht eine Faust, als er zum «National Prayer Breakfast» (Nationales Gebetsfrühstück) eintrifft, im US-Kapitol in Washington am 6. Februar 2025.
    US-Präsident Donald Trump macht eine Faust, als er zum «National Prayer Breakfast» (Nationales Gebetsfrühstück) eintrifft, im US-Kapitol in Washington am 6. Februar 2025. - keystone

    Motivation für die Demokraten könnte aber auch von aussen kommen, jenseits der politischen Institutionen, betont Thomas Greven: «Ob die Demokraten in der Lage sind, auf organisierte ‹Resistance› umzuschalten, hängt nicht allein von ihnen ab.»

    Sondern auch davon, ob der Druck in der Zivilgesellschaft wachse, sagt auch Expertin Sarah Wagner. «Hier herrscht an der Wählerbasis Unzufriedenheit mit der Partei.»

    Nur, gibt Greven zu bedenken: «Die Zivilgesellschaft hat in den letzten Jahrzehnten das langfristige ‹Organizing› gewissermassen verlernt und setzt auf kurzfristige ‹Mobilisierung›. Insbesondere die jüngeren Generationen scheuen das langfristige Engagement in grossen Mitgliederorganisationen.»

    Bis es dann zu spät ist und die «grossen Stöckchen» von Donald Trump zu bereits eingeschlagenen Pflöcken werden.

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    Kommentare

    User #4991 (nicht angemeldet)

    Demokraten in den USA sind getarnte Grüne und Sozialisten

    User #4991 (nicht angemeldet)

    Die Antwort heisst Kamala Harris. Sie ist gerade mit Ignacio auf dem Bürgenstock.

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