Ferien in Zeiten des Coronavirus bleiben schwierig. Die neuste Daten-Panne um die Impfplattform macht es nicht einfacher. Die wichtigsten Antworten.
Coronavirus
Der Impfpass, auch Impfzertifikat genannt, soll das Reisen trotz Coronavirus ermöglichen. Bisher werden Impfungen klassisch im Impfbüchlein eingetragen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Das BAG will bis im Sommer ein Impfzertifikat anbieten können.
  • Ob sich die Schweiz dem EU-Impfpass anschliesst, steht offen.
  • Das BAG prüft nach dem Daten-Skandal die weitere Zusammenarbeit mit «meineimpfungen.ch».

Sardinien, Andalusien oder doch eher die Karibik? Die Sommerferien-Planung bereitet der Schweiz Kopfzerbrechen. Wegen des Coronavirus macht nicht nur die ständig angepasste Quarantäne-Liste vielen einen Strich durch die Planung. Sondern auch der sogenannte Grüne Pass steht derzeit unter einem schlechten Stern.

Dieser soll es den gegen Coronavirus Geimpften ermöglichen, unbekümmert zu Reisen. Womöglich aber auch Eintritte ins Stadion oder an Festivals zulassen. Das Daten-Debakel um die Impfplattform «meineimpfungen.ch» verpasst dem Projekt aber einen kräftigen Dämpfer.

Wann kommt der Impfpass in die Schweiz?

Das grosse Ziel: «Bis im Sommer», wie BAG-Direktorin Anne Lévy am gestrigen Point de Presse betonte. Das Parlament hat im Covid-19-Gesetz bereits die gesetzliche Grundlage geschaffen, nun muss der Bundesrat drüber.

Offen ist, ob sich die Schweiz dem EU-Impfpass anschliesst, statt den Pass eigenständig zu entwickeln. Die EU-Kommission schlug letzte Woche eine digitale Plattform vor, als Schengen-Mitglied kann sich die Schweiz beteiligen. Die EU will ab Juni mit ihrem Pass starten.

Was steht in diesem Impfpass?

Im neuen Corona-Gesetz hat das Parlament bereits wichtige Punkte verankert. Der Pass soll demnach nicht nur anzeigen, ob jemand gegen das Coronavirus geimpft wurde. Sondern auch, ob er einen Test gemacht hat oder bereits von einer Erkrankung genesen ist.

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Die EU will in rund drei Monaten einen Grünen Impfpass für Geimpfte gegen das Coronavirus einführen. - Keystone

Der Betroffene soll aber selber wählen können, welche Angaben im Pass stehen. Über die Details entscheidet nun der Bundesrat.

Die EU startet zunächst nur mit dem Nachweis der Impfung, Tests und frühere Erkrankungen werden erst später integriert.

Coronavirus: Warum spricht das BAG plötzlich von einem Zertifikat?

Allen voran sprach Anne Lévy gestern vom Impfzertifikat, wie das Projekt neu genannt werde. Das Projekt ist in der Verwaltung erst angelaufen.

Wahrscheinlich ist, dass die Schweiz zunächst mit einem Impfzertifikat arbeitet, später dann eine Applikation mit Test-Nachweis und Erkrankungs-Nachweis eingeführt wird.

Schiesst das BAG das Projekt «meineimpfungen.ch» nun zum Mond?

Nein, BAG-Direktorin Lévy hielt am Point de Presse fest, dass man vorerst mit der Stiftung dahinter weiterarbeite. Sie müssten aber zuerst «ihre Hausaufgaben machen». Denn gemäss BAG ist die Plattform momentan die einzig geeignete Kandidatin, um den elektronischen Impfpass aufzubauen.

Impfpass
Bisher gibt es nur die gelben Impfpässe aus Papier. Ein digitaler EU-Impfpass könnte schon im Sommer das Reisen erleichtern. - dpa-infocom GmbH

Dank der Plattform hätten die Impfdaten aus den Kantonen ins elektronische Impfbüchlein übertragen werden können. Für ein zentrales Impfregister fehlt nämlich die gesetzliche Grundlage.

Denn nur der Hausarzt oder das Impfzentrum können die Impfung gegen das Coronavirus dokumentieren. Das geschieht derzeit noch mittels Papierbüchlein oder Papierbestätigung. Bislang strebte der Bund an, dass möglichst viele Geimpfte ihre Impfung in das elektronische Büchlein der Plattform eintragen.

Wie findet das BAG aus dem Daten-Desaster heraus?

Das BAG sagt, es setze alles daran, einen fälschungssicheren Impfnachweis zu schaffen. Nun muss das Bundesamt entscheiden, ob es an «meineimpfungen.ch» festhält oder eine Alternative sucht. Einzelne Kantone haben bereits eine eigene Software entwickelt.

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Die Webseite der elektronischen Impfplattform meineimpfungen.ch ist weiterhin offline. - sda - meineimpfungen.ch

Der Kanton Bern etwa trägt Impfungen inklusive Personendaten in einem eigenen System ein. Auch Zürich greift ab Ende März auf das System zurück, berichtet der «Tagesanzeiger». Das BAG prüft gemäss der Zeitung, ob aus diesen Daten eine Alternative aufgebaut werden kann.

Für die Entwicklung des Impfzertifikats arbeitet das BAG so oder so mit Privaten und staatlichen Akteuren zusammen. Zum Beispiel mit dem EDÖB (Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter).

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