Eine Leserin und ihre Familie verpassen wegen eines positiven PCR-Tests die Sommerferien. Nach vier Tagen wird die Quarantäne für alle wieder aufgehoben.
PCR-Test Mallorca Coronavirus
Wegen eines positiven PCR-Tests verpasste die Leserin ihre Mallorca-Ferien. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Leserin musste ihre Mallorca-Ferien wegen eines positiven PCR-Tests abblasen.
  • Derweilen stellt eine deutsche Studie die Aussagekraft der Corona-Tests infrage.
  • Für das BAG bleibt der PCR-Test indes weiterhin der «Goldstandard».

Nau.ch-Leserin Laura M.* und ihre Familie wollten vergangenen Samstag gemeinsam nach Mallorca in die Sommerferien verreisen. M. und ihr Partner gingen sich deswegen tags zuvor beim Drive-in auf dem Berner Expogelände auf das Coronavirus testen. Doch dann der Schock: Der PCR-Speicheltest von M. fällt positiv aus.

Sabine M*
Das positive Ergebnis des PCR-Speicheltests von Laura M*. - zVg

Ihr Partner hingegen ist negativ, was sich die M. überhaupt nicht erklären kann. «Mein Partner und ich waren in den letzten Tagen vor den Ferien besonders aufmerksam. Wir reduzierten unsere Kontakte auf ein Minimum.»

Sie ruft noch am Freitagabend bei der BAG-Infoline Coronavirus an, um die nächsten Schritte zu besprechen. M. muss sich in Isolation begeben, ihre 2,5-jährige Tochter und der Partner in Quarantäne. Die Ferien können sie sich abschminken. Da die Familie keine Reiseversicherung abgeschlossen hat, sind die Kosten von rund 4500 Franken auch futsch.

Zweiter PCR-Speicheltest negativ

Doch M. gibt sich nicht kampflos geschlagen: «Da ich hinter diesem Resultat nicht stehen konnte, habe ich mich entschieden, am Samstagvormittag trotz verordneter Isolation einen weiteren PCR-Speicheltest zu machen.» Am Nachmittag erhält M. das Testresultat: negativ.

Laura M*
Das negative Ergebnis des PCR-Speicheltests von Laura M* tags darauf. - zVg

M. kann es kaum fassen und will sofort «eine Erklärung für das ganze Theater». Doch am Samstag will ihr beim Contact-Tracing des Kantons Bern niemand mehr Auskunft geben. Auch das negative Testergebnis werde die Isolation nicht aufheben, teilt man ihr mit. Sie solle sich am Montag mit dem kantonsärztlichen Dienst in Bern in Verbindung setzen.

Contact Tracing
Ein Contact-Tracer arbeitet im Contact-Tracing-Zentrum des Kantons Bern. (Archivbild) - Keystone

M. hat aber noch ein Ass im Ärmel und ruft am Montag beim Ärztezentrum Medbase in Bern an: «Glücklicherweise musste ich dort vier Tage zuvor eine Blutprobe abgeben und konnte somit einen Antikörpertest beantragen.»

Polizei stattet der Familie einen Besuch ab

Während M. auf das Ergebnis des Bluttests wartet, klingelt die Kantonspolizei Bern an der Haustüre. «Am Samstag haben wir das entsprechende Quarantäne-Formular des Contact-Tracing nicht ausgefüllt, da wir das zweite Testresultat abwarteten. Aus diesem Grund befürchtete man beim Contact-Tracing, dass wir uns nicht an die Quarantäne halten würden. Deshalb kam die Polizei am Montagnachmittag vorbei und händigte uns die Quarantäne-Verfügung aus. Für meine Tochter war dies ein erschreckendes Erlebnis», so M.

Verfügung
Diese Verfügung überreichte die Polizei am Montag dem Partner von M*. - zVg

Am späten Montagabend erhielt M. das Blutresultat von Medbase: «Es ergab, dass es in meinem Blut zwar Antikörper gab, aber zu wenig, um noch ansteckend zu sein.» M. geht davon aus, dass sie sich bereits vor einiger Zeit mit dem Coronavirus angesteckt hat und darum der erste PCR-Test noch positiv ausfiel.

Laura M*
Das Ergebnis des Antikörpertests von M*. - zVg

Am Dienstagmorgen leitet sie das Ergebnis des Antikörpertests direkt an den Kantonsärztlichen Dienst weiter. «Nachdem ein Arzt dieses mit dem BAG abgeklärt hatte, wurden wir nach allen Unannehmlichkeiten kurz nach 10 Uhr endlich aus der Isolation und Quarantäne entlassen.»

Studie zweifelt an Aussagekraft des PCR-Tests

Eine neue Studie der Universität Duisburg-Essen untermauert den Fall von M. ihrer Ansicht nach. «Diese Studie bestätigt genau, dass es sich bei mir um keinen Einzelfall handelt», so M. Forschende deckten auf, dass positive PCR-Tests nicht hinreichend beweisen, dass eine coronapositive Person auch wirklich ansteckend ist. Die Studienergebnisse wurden im renommierten «Journal of Infection» publiziert.

Die Wissenschaftler werteten insgesamt rund 190'000 PCR-Testergebnisse von mehr als 160'000 Menschen aus. «60 bis 78 Prozent der Personen waren sehr wahrscheinlich nicht mehr ansteckend», so Erstautor Andreas Stang. Die Fallzahlen sollten daher «nicht als Grundlage für Massnahmen, wie Quarantäne, Isolation oder Lockdown, benutzt werden».

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Eine Person verschraubt eine Speichelprobe für einen PCR-Speicheltest Anfang März auf dem Expogelände in Bern.
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In einem Labor in Kloten werden Anfang Dezember PCR-Tests analysiert.
PCR-Test
Die Apotheken bieten grundsätzlich Tests auf das Coronavirus mit Zertifikat an. (Archivbild)
PCR-Test
Pipettieren von Corona-Proben durch eine Labor-Mitarbeiterin Anfang Februar im Zentrallabor Stadtspital Triemli in Zürich.

Stang ratet deshalb, Daten aus anderen Bereichen zur Bewertung der Pandemie-Situation zu erheben. «Geeigneter wären zum Beispiel verlässliche Angaben zur Intensivbetten-Belegung sowie zur Mortalität», so der Epidemiologe.

BAG hält PCR-Test weiterhin für «Goldstandard»

Trotz der umfangreichen Studienergebnisse hält das BAG weiterhin zu den PCR-Tests. «Der PCR-Test ist nach wie vor der ‹Goldstandard› für eine SARS-Cov-2-Diagnose und damit die Basis für Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie», sagt eine BAG-Sprecherin auf Anfrage zu Nau.ch.

«In der Seuchenbekämpfung ist jeder positive Virus-Test ein klarer Hinweis, dass das Virus am Ort des Abstrichs gefunden wurde. Damit ist die Ansteckungsgefahr gegeben. Je nach konkreter Situation kann eine Person auch bei geringer Viruslast eine andere Person anstecken, z. B. bei einem sehr engen Kontakt.», so die BAG-Sprecherin.

Ob M. und ihre Familie das verlorene Geld wiedersehen, steht noch aus: «Wir sind mit Kuoni in Kontakt und hoffen auf Kulanz in dieser komplizierten Situation.»

*Name von der Redaktion geändert.

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